|
Die Salzburger Ausbildungsgruppe fährt zum Ausseer Narzissenfest
Wie kaum ein Salzburger je einen Fiaker betreten hat, so haben sich auch nur wenige aus dem Salzburger Land und dem Äußeren Salzkammergut zum Narzissenfest aufgemacht. Doch ist es ein Fehler - soviel sei vorweggenommen - derlei Touristen zu überlassen. Ein Ausflug des Bereiches Salzburg, viele junge und ein paar alte Malteser und Freunde, holten dieses Versäumnis dankenswerterweise nach.

Fröhliche Bootsfahrt am Altaussee.
Die Sonntagsmesse in der gotischen Altausseer Dorfkirche erreichten wir im gestreckten Galopp. Außer uns hatten noch ein paar tausend andere Reisende dasselbe Ziel und verstopften die Straßen von weitem. War die Messe freilich Höhepunkt ihrer selbst, so erwies sich die Predigt von Pfarrer Markus J. Plöbst als Einführung des Kommenden. Der Pfarrer nahm das Blumenfest zum Anlaß um über die Vorstellungen des Glücks auf Erden nachzudenken. Die Aussicht auf dieses war an diesem strahlenden steirischen Sonntag verführerisch.

Betreute und Malteser bei der Jause.
Doch kann es das in sich abgeschlossene, das aus sich selbst schöpfende und in sich selbst erschöpfende Erdenglück geben? Die Antwort gilt dem Schöpfer. Auf die Narzissen (die, wie wir belehrt wurden, schönes, aber den Kühen übelschmeckendes Unkraut sind) und ihr Fest umgelegt heißt das, daß Naturerfahrung brauchbares Mittel zur Gotteserfahrung ist, aber eben Medium und letztlich nicht Remedium (Heilmittel).
Das alles trug Dr. Plöbst mit ebensolcher Verve wie Tempo vor, daß wir aus der Hl. Messe schon recht beschwingt zu einer Bootsfahrt über den Altausseersee aufbrachen. Da wurden wir, der Blick von der vorangegangenen Predigt nachgeschärft, des Ausmaßes der Schönheit gewahr. Im Kessel zwischen Trisselwand und Loser lag das vom Wind leicht aufgekräuselte dunkle Wasser, vom Südwesten her glänzte der Gletscher des Dachsteins unter dem kühlen Frühsommerlicht.

Spannende Bewertung der vorbeifahrenden Schiffe.
Für den folgenden Korso, dessen schönstes Werk prämiert werden sollte, saßen wir in der ersten Reihe. Eingekreist von ORF Kameras und Moderatoren, die das Spektakel lederbehost kommentierten, waren wir im Mittelpunkt des sonnigen Geschehens.
Die Geigenmusi spielte auf, gepascht wurde mehr als einmal und selbst Narzissenprinzessinnen winkten artig zu uns her. Eine aus Tirol die andere aus Kärnten wohlgemerkt. Der noch recht junge Brauch des Narzissenfestes (erst in den 50er Jahren mit geschmückten Automobilen eingeführt) entfaltete in kuriosen Steckfiguren, die auf Boote geschnallt oder diesen nachgezogen wurden, große Phantasie.
Der Ausflug nach Altaussee war gleichsam als Abschiedsvorstellung des aus Salzburg scheidenden Einsatzleiters Oktavian Eiselsberg angekündigt. Seine Führung war von gelassener Eleganz. Ihr ist vor allem die "Bruchlosigkeit" des Tages anzurechnen. Dieser schloß in angemessener Dankbarkeit ab, als wir in der, nur noch wenig von der tiefliegenden Sonne belichteten Kirche das Magnifikat beteten und klang im Kirchhof davor - orare et bibere - bei einem Glas Prosecco heiter aus.
Die Wesenzüge des Tages scheinen mir einer Gegenüberstellung wert: fürsorglich aber nicht betulich, heiter aber nicht dämlich, lässig aber nicht nachlässig, würdig aber nicht steif, freundschaftlich aber nie kumpelhaft. Das Ausflugsanliegen "Malteser und Freunde" erschien dadurch mühelos und selbstverständlich. Ein Tag mit Vorbildcharakter. Oktavians Weggang wird auch deshalb verlustreich sein.

|