Malteser Kreuz

"Connect 2002" verbindet Helfer und Unfallopfer zu einer gelungenen Übung

Die diesjährige Malteser-Katastrophenübung "Connect 2002", an der bei St. Veit an der Glan in Kärnten auch zahlreiche andere Einsatzorganisationen mit Engagement teilgenommen hatten, war erstmals den Übungs-Schwerpunkten "psychologischer Einsatz" und "Telekommunikation" gewidmet.

Die Übungsannahme war geprägt von erschreckender Realitätsnähe: Zwei Postbusse, der eine voll besetzt mit einer Schulklasse, waren mit hoher Geschwindigkeit eine Bergstraße hinabgefahren, als plötzlich von einem unübersichtlichen Forstweg ein Holztransporter in die Regionalstraße einbog. Es kam zu einem unvermeidbaren Zusammenstoß mit grausamer Eigendynamik: Zahlreiche Baumstämme hatten sich aus ihrer Verankerung gelöst und waren mit tödlicher Wucht, zumeist durch die Fensterscheiben in das Innere des ersten vorausfahrenden Busses gekracht. Die tonnenschweren Baumstämme hatten ihre verheerende Schadenswirkung voll entfalten können: Menschen wurden aus dem Bus hinausgeschleudert, vom splitternden Holz zermalmt, oder teilweise nur verletzt. Der zweite Bus mit den Schulkindern konnte noch rechtzeitig zum Stillstand kommen.

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Bundesheerhubschrauber fliegen
die "Verletzten" aus.

Samstag, 26. Mai 2002 , 16.00 Uhr. Der Generaltruppeninspektor des Österr. Bundesheeres und bei dieser Übung Malteser-Ehrengast, General Horst Pleiner, setzt einen Notruf über die Landeswarnzentrale Kärnten ab. Alle verfügbaren Rettungskräfte werden simultan raschestmöglich von dem Großschadensfall in Kenntnis gesetzt: der Kärntner Zivilschutzverband, das ÖRK, Teile des ASB O.Ö., das Hubschraubergeschwader 2 in Aigen im Ennstal, die Freiwilligen Feuerwehren von St. Veit und Umgebung, die Exekutive und die aus zahlreichen Bundesländern angereisten Aktiven des Malteser Hospitaldienstes. Insgesamt wurden durch diesen Notruf rund 250 Helfer und Spezialisten zu diesem Einsatz gerufen.

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GTI General Horst Pleiner verständigt
über 122 die Landeswarnzentrale.

"Gerade diese realitätsnahe Übung unter schwierigen Rahmenbedingungen dient primär der Überprüfung von Spezialeinheiten - vor allem im Bereich der Zusammenarbeit verschiedenster Hilfsorganisationen bei der Bewältigung von außergewöhnlichen und komplexen Ereignissen", erklärt Martin Sturzeis, Katastrophenbeauftragter und Pressesprecher des MHDA.

Erstmals wurden bei einer organisationsübergreifenden Übung auch Psychologen zum Einsatz kommen. "Speziell haben wir Situationen in zwei Bereichen geübt: die Betreuung von Familienangehörigen und die Betreuung von Helfern in besonders die Psyche belastenden Einsätzen, wie das 'Drehbuch' in diesem Einsatz vorsah", ergänzt Sturzeis. "Die Katastrophen, - wie zum Beispiel vor fast zwei Jahren in Kaprun haben uns gezeigt, dass der Einsatz von Psychologen ein unabdingbares Element in der Katastrophenhilfe geworden ist. Jetzt gilt es das Zusammenspiel zwischen Sanitätern und psychologischen Teams - aber auch der Unfallseelsorge - als fixen Bestandteil bei Übungen zu institutionalisieren."

Die erwähnte Unfall-Seelsorge wurde von Abt Gregor Henckel-Donnersmark, der aus Stift Heiligenkreuz zur Übung angereist war, in bewährtem Engagement wahrgenommen. "Müssen sich heute die Psychologen in einem Unfallsszenario bewähren, ist die Unfall-Seelsorge schon eine seit Jahrzehnten bewährte, Trost, Zuversicht und Sinngebung spendende Institution", meint Henckel-Donnersmark.

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Ein umgestürzter Postbus, durchbohrt von zahlreichen
Baumstämmen, bot ein schreckliches Bild.

Die Malteser waren an den Schwerpunkten der Rettungsarbeit eingesetzt. Deshalb hatte auch Mag. Mario Spanyi, bewährt im Albanieneinsatz des MHDA 1999, die Einatzleitung vor Ort übernommen. Sein Kommentar bei der Nachbesprechung: "Die beste Übung der letzten Jahre! Die verstärkte Ausbildung hat eine erhebliche Verbesserung gebracht".

Die Einsatzleitung (EL) über die aus Wien, N.Ö., Tirol und der Steiermark angereisten Malteser hatte Erik Bolldorf mit seinem Team übernommen. Sein Stab bestand aus Christine Lattenmayer (Personal), Alexandra Kühnelt (Stationsbetrieb), Laura Richardson (Material) Peter Girrer (Inszenierung Großschaden), Adeline Bolldorf (Versorgung) sowie Alex Nürnberger (Kommunikation).

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Am Weg zur Triage: Feuerwehr und Malteser
im Einsatz.

Neu: der digitale TETRA-Bündelfunk

Apropos Kommunikation: Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt stellte die organisationsübergreifende Kommunikation dar. Dabei konnte der kommende digitale TETRA-Bündelfunk unter extremen Bedingungen zur größten Zufriedenheit der übenden Einheiten getestet werden. "Der Einsatz dieses modernsten Funksystems wird den Hilfsorganisationen in Zukunft eine effiziente Koordination und optimale Hilfeleistung im Katastropheneinsatz bei allen Einheiten ermöglichen. Übungen und Realeinsätze bei Katastrophen haben uns in den letzten Jahren gezeigt, dass eine rasche, präzise und effiziente Kommunikation unverzichtbar ist, insbesonders wenn mehrere Hilfsorganisationen - sowie etwa Hubschrauber des Bundesheeres, wie bei dieser Übung - am Ort des Geschehens tätig sind!", meint Martin Sturzeis.

Aus diesem Schwerpunkt heraus war es demnach nicht unlogisch, dass die Firma MasterTalk, Wien, als Großsponsor dieser Veranstaltung auftrat, galt es auch für dieses hochspezialisierte Unternehmen ihre Geräte unter harten Bedingungen zu testen.

Die Kommunikation zu den zwei im Einsatz stehenden Hubschraubern wurde im Bündelfunk von einer Fernmeldeeinheit des Bundesheeres sichergestellt. Als Beobachter des Innenministeriums, Bereich Fernmeldewesen, unterstrich die Anwesenheit von Polizei-Brigardier Manfred Blaha die Pionierleistung der Bündelfunk-Aktivitäten.
EL Erik Bolldorf: "Die Auswertung des Stationsbetriebes hat gezeigt, dass de Ausbildungsstand gehoben wurde. Doch auch Selbstschutz und persönliche Sicherheit während des gefahrvollen Einsatzes standen diesmal im Vordergrund".

Für eine Teilnehmergruppe stand die persönliche Sicherheit jedoch absolut nicht im Vordergrund: Die als hysterische Opfer nur schwer unter Kontrolle zu bringenden Schulkinder waren alle ganz begierig darauf mit einem der beiden Hubschrauber als "Schwerverwundete" in die Lüfte entführt zu werden. Doch nur drei Kindern war das "gelungen". Kommentar der frustriert am Boden zurückgebliebenen: "Gerade der Seppl hat fliegen dürfen, der einmal fast von unserer Schule geflogen wäre!".

Einer Gepflogenheit der Malteser folgend wurde die Übung am nächsten Morgen mit einer Hl. Messe abgeschlossen, zelebriert von Abt Gregor in der absolut überfüllten Barocken Schlosskapelle von Carlsberg.
Besonderer Dank gebührt abschließend Peter Graf Goess für die großzügige Überlassung des Übungsgeländes und der Räumlichkeiten des Schlosses sowie dem N.Ö. Landesjagdverbandes für die Schenkung von 40 Rehrücken, die am abendlichen Grillfeuer köstlich von der Feldküche "haubengerecht" zubereitet worden waren.
Womit die Rehe als die eigentlichen Massenopfer dieser Übung anzusehen wären.     

  •  Georg Reichlin-Meldegg

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Letztes Update dieser Seite: Dienstag, 17. Juni 2003 um 11:27:42 Uhr
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