Malteser Kreuz

Unsere eigene Berufung - Gedanken zum Jahr der Berufung

Die österreichische Bischöfe haben das Jahr 2002 unter das Thema "Berufung" gestellt.

Am Freitag, dem 5. April, wurde P. Rudolf Schaffgotsch CO in der Rochuskirche in Wien durch den Erzbischof von Wien Kardinal Christoph Schönborn zum Priester geweiht. Er ist innerhalb weniger Jahre der vierte Priester, der aus dem MHDA hervorgeht. (1991 wurde Konstantin Spiegelfeld, jetzt Bereichsseelsorger des MHDA in Wien, 1998 Stephan Turnovszky, 2000 Alfons Pachta-Rayhofen, Sohn des langjährigen Kommandanten des MHDA, Parzival Pachta-Rayhofen, geweiht.)

Auch zwei Schwesternberufungen gab es in den vergangenen Jahren: Sr. Thèrese (Helene) Schuschnigg (Gemeinschaft der Seligpreisungen) und Kleine Schwester Alma (Barbara) Bubna-Litic (Novizin in der Gemeinschaft der Kleinen Schwestern vom Lamm). Frà Johannes Graf Orssich hat vor wenigen Monaten seine ewige Profeß im Souveränen Malteser Ritter Orden abgelegt.

Photo-Priesterweihe

Kardinal Christoph Schönborn begrüßt P. Rudolf Schaffgotsch CO
nach seiner Weihe zum Priester am 5. April 2002

Diese geistlichen Berufungen aus unseren Reihen sind sehr ermutigend. Sie bezeugen einen guten religiösen Geist im Orden und seinen Hilfswerken, der im Idealismus vieler (oft junger) Mitglieder, aber auch in echter Wertschätzung des priesterlichen Dienstes und des Ordenslebens Ausdruck findet. Die österreichischen Bischöfe haben das Jahr 2002 unter das Thema "Berufung" gestellt. Wenn sie damit auch sicherlich das Klima stärken wollen, in dem "geistliche Berufungen" vermehrt entdeckt werden und gut gedeihen können, so wollen sie gleichzeitig alle Katholiken Österreichs ermutigen, sich über ihre eigene spezifische Berufung Gedanken zu machen.

Berufung heißt im neutestamentlichen Griechisch klesis, was uns wiederum an das verwandte Wort ekklesia die "von Gott zusammengerufene heilige Gemeinde", die Kirche, erinnert. Jeder Christ ist von Gott berufen, wie die Bibel und insbesondere Paulus nicht müde werden zu verkünden. Gott ruft in souveräner Freiheit und aus grundloser Liebe nach ewigem Beschluß den Menschen. Er ruft ihn nicht aufgrund etwaiger Verdienste, sondern Ruf und Auswahl Gottes schaffen die Liebenswürdigkeit im Menschen.
Der Mensch ist frei, dem Ruf Gottes Folge zu leisten oder nicht. Wer aber Gottes Ruf annimmt und in seinem Leben konkretisiert, gehört nach einem Wort Jesu zu den Auserwählten. "Viele sind berufen, wenige aber auserwählt" (Lk 13, 23)

schaffgotsch

Pater Rudolf Schaffgotsch CO,
Neuprister aus unseren Reihen

Wozu beruft Gott? In den biblischen Berufungsgeschichten läßt sich der einzelne als ganzer von Gott erfassen, auch ohne noch im einzelnen zu wissen, zu welcher Aufgabe dieser ihn rufen wird. "Hier bin ich" antwortet Samuel einfach dem Herrn, und es ist einer der ergreifendsten Augenblicke bei einer Diakonen- oder Priesterweihe, wenn viele Jahrhunderte später auch heute der Weihekandidat vor den Bischof tritt und dieses Wort Samuels wiederholt. Wer getauft ist, weiß sich von Gott gerufen. 
Das Leben aus dem Geist der Taufgelübde ist die wichtigste und grundlegendste Antwort des Christen. Erst an zweiter Stelle steht die dem einzelnen urtümlich zugedachte Aufgabe. Sie hängt mit seinen Talenten und Gaben zusammen und trägt zum Aufbau des Gottesreiches bei. Daher gibt es innerhalb der Kirche eine unendliche Vielfalt an Berufungen. Zu lehren, zu leiten, zu verkünden, zu heilen, zu trösten...
Im sakramentalen Stand der Ehe oder unverheiratet, ehelos "um des Himmelreiches willen", in der täglichen Arbeit, in Armut und im Gehorsam, im Dienst an den Armen und Kranken, ja auch im Leiden "für die Kirche" finden Christen ihre Aufgabe.

Der Malteser versucht seine Taufe in der "tuitio fidei" und im "obsequium pauperum" zu verwirklichen. Er weiß sich gerufen zum Kampf gegen das achtfache Elend. Die junge Karmelitin Thérèse von Lisieux wählte bei der Betrachtung der vielen verschiedenen Aufgaben im Leib Christi sozusagen "alles" - die Liebe. Sie wollte im "Herzen der Kirche" die Liebe sein, ihre Berufung sah sie im Lieben; aber diese innere Auslieferung an Gott vollzog sie innerhalb einer sehr konkreten Lebensweise als kontemplative Ordensfrau. Es gibt nicht wenige Eheleute, ja Ehepaare, die wiederum ihr Familienleben in einer ähnlichen Haltung verstanden haben und von der Kirche ebenso heiliggesprochen worden sind wie Sr. Thérèse vom Kinde Jesu.

Wie entdeckt man seine ureigene Berufung (womit nicht nur die Frage nach dem Lebensstand, sondern wohl auch oft der Berufswahl zusammenhängt)? Religiös entscheidend ist die ehrlich gemeinte und ausgesprochene Vaterunser - Bitte "Dein Wille geschehe!".
Genauso wichtig aber ist die mit Verstand und echter Selbstliebe geübte Beobachtung der eigenen Persönlichkeit, der Gaben und Neigungen, der Stärken und Schwächen. Gewisse Empfindungen wie innerer Friede, Freude und Trost beim Gedanken, etwas Konkretes für Gott und die Mitmenschen zu tun, spielen eine wichtige Rolle. Dennoch ist im letzten entscheidend, ob man auch die nötige Eignung und Ausdauer besitzt.

Christliche Brautleute stellen sich vor der Eheschließung nicht nur die Frage, ob sie sich im Augenblick lieben, sondern auch, ob sie spüren, daß sie einander helfen, bessere Menschen zu werden. Sie prüfen sich, ob sie wohl nach bestem Wissen und Gewissen die menschliche Reife zur dauerhaften Treue besitzen.
Bei der Frage nach einer Priester- bzw. Ordensberufung kommt neben der konkreten (freien) Absicht noch die Berufung durch die Kirche hinzu, welche durch die dafür verantwortlichen Amtsträger geschieht. Diese haben die oft schwere und äußerst verantwortungsvolle Aufgabe, die Kandidaten auf ihre innere und äußere Eignung zu überprüfen. Es ist wichtig, die Frage nach einer geistlichen Berufung (wie auch etwa die Wahl des Ehepartners) von falschen Vorstellungen wie etwa eines vermeintlich dazu notwendigen mystischen Zeichens von Gott zu lösen.
Don Bosco war zum Beispiel überzeugt, daß fast die Hälfte der Buben eine Berufung zum Priestertum in sich trägt und führte dementsprechend viele zu einem geglückten priesterlichen Lebensdienst. Umgekehrt meinen manche zunächst irrtümlich, zum Priester- oder Ordensberuf gerufen zu sein, obwohl Gott ihnen einfach die Schönheit der Taufgnade begreiflich machen möchte und will, daß sie heiraten.

Worin immer sich die Berufung des Christen im Leben in dieser Welt konkretisiert, sie hat nach einem Wort des hl. Ignatius von Loyola das einzige und wesentliche Ziel, das Gott in seinem Heilsplan für alle Menschen vorsieht: "Der Mensch ist dazu erschaffen, Gott unseren Herrn zu loben, Ihn zu verehren und Ihm zu dienen und so seine Seele zu retten" (zitiert nach der Übertragung von H. U. v. Balthasar. Ignatius v. Loyola, Die Exerzitien, Prinzip und Fundament, Einsiedeln 1954). Es kann wohl keiner seiner Berufung durch alle Krisen hindurch innerlich treu bleiben, wenn er dieses eigentliche Ziel aus den Augen verliert, das in die Zukunft und auf das kommende, unverhüllte Heil hinausweist (vgl. 1 Thess 2,12; 2 Thess 1,11; Eph 1,18; Kol 1,5; Hebr 3,1; 9,15; 1 Petr 2,9; 5,20).
Es ist der besondere Wunsch unseres Großmeisters Frà Andrew Bertie, daß in den verschiedenen Zweigen und Werken des SMRO regelmäßig um Berufungen zum Orden und ganz allgemein um geistliche Berufe gebetet wird. In der bewußten Verwirklichung des melitensischen Charismas als persönliche Berufung zu einem Leben aus der Taufe werden die einzelnen Ordensmitglieder und Angehörigen der Malteser - Hilfswerke diesem Gebet eine glaubwürdige Grundlage geben. Wir dürfen dann getrost erwarten, daß Gott unserem Gebet Gehör schenkt.

  •  P. Felix Selden CO

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Letztes Update dieser Seite: Freitag, 13. Juni 2003 um 16:45:32 Uhr
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