Malteser Kreuz

Von Paulus zu Petrus: Der Malteser Romzug 2010

Reportage und Pilgermeinungen zu einer beinahe übersinnlichen Reise aus der Sicht eines „altgedienten“ Mitglieds

In der Einleitung des Personalbegleitheftes für die zumeist sehr jungen Malteser-Helfer hatte Bereichsseelsorger Konstantin Spiegelfeld offenbar die richtigen Worte gefunden: „Danke, dass Ihr mitfahrt und damit ermöglicht, dass Rom 2010 zu jenen Ereignissen zählt, die in den Erinnerungen von allen, die dabei waren, weiterleben werden. Die Tage werden aufregend, spannend, besinnlich, intensiv, spirituell konzentriert, fokussiert, heiter, ausgelassen … und anstrengend werden!“

Einsatzleitung
Die Einsatzleitung mit dem Großmeister des SMRO,
S. H. u. E. Fra’ Matthew Festing

Was wohl mehr als Wunsch denn als Prophezeiung formuliert worden war, verwirklichte sich tatsächlich Wort für Wort. Auch eine weitere Bitte des Seelsorgers wurde von den Maltesern mit großem Bemühen umgesetzt: „Jeder von Euch ist nicht nur in der körperlichen Pflege, sondern auch in der geistigen Begleitung wichtig und kann hilfreich sein: Das Zuhören, das persönliche Gespräch, die Ermutigung, die Freude, das gemeinsame Beten, das Mitdenken u.v.m.“

Perfekt organisiert ...

Ohne eine Wortschablone verwenden zu wollen, können die drei Organisationsleiter als absolute Profis bezeichnet werden: Nach der Organisation der Romwallfahrt 2005 haben Max Lobmeyr und Gunhard Keil „… bei einem Glas Wein“ beschlossen, es noch einmal zu wagen. Die Einsatzleitung wurde diesmal noch durch Katharina Radunsky verstärkt. Dieses Dreierteam hat in zweieinhalbjähriger Vorarbeit – Quartierbesichtigung, Busorganisation, Programmerstellung u.v.m. – ganze Arbeit geleistet. Ihre Zielsetzung, rund 400 Pilger und Betreute eine intensive sowie spirituell, kulturell und kulinarisch bereicherte Woche erleben zu lassen, ist voll aufgegangen. Eigene Einsatzteams für medizinische Betreuung, Pflege, Logistik, Küche und Musik sowie neun Betreuungsteams für Bahn, Bus und Pilgerheim sorgten höchst effektiv dafür.

... und durch großzügige Sponsoren unterstützt

Dr. Jörg Jakobljevich, Pro-Hospitalier im Großpriorat Österreich des SMRO, ergänzt: „Das alles ist ohne Sponsoren nicht möglich, denn die meisten Betreuten können sich eine solche Wallfahrt einfach nicht leisten. Ich möchte hier – stellvertretend für so manche Großzügigkeit – Herrn Senator Prof. Dr. Batliner aus Liechtenstein und die Vereinigung der Mund- und Fußmalenden Künstler wegen ihrer schon oftmaligen Hilfestellung besonders hervorheben!“
Auch Abt Gregor Henckel-Donnersmark vom Stift Heiligenkreuz, der die Malteser als Spiritual des Ordens die ganze Woche begleitete, hatte diesen Termin bereits vor zwei Jahren reserviert, um trotz seiner vielen Verpflichtungen mitfahren zu können. Und auch andere Team-Mitglieder tauschten eine Urlaubswoche gegen einen Arbeitseinsatz mit Freude. Sie alle halfen mit, diese Pilgerfahrt für „die Herren Kranken“ zu einem außergewöhnlichen Erlebnis werden zu lassen. So rollte die Pilgerwoche in Rom fast völlig reibungslos ab. Als treuer Begleiter für jeden Teilnehmer diente ein dickes, reich illustriertes Reisetaschenbuch, das auf die wichtigsten Besuchspunkte fokussiert war.

Start beim Paulusgrab in Tre Fontane

Gleich am Ankunftstag stiegen wir in Roma Ostiense von der Bahn auf neun Busse um. Wer den apokalyptischen Verkehr in Rom kennt, wird verstehen, dass die Beamten der Polizia Munizipale, die auf BMW-Feuerstühlen die Busse umschwirrten, für die Einhaltung des straffen Zeitplanes unverzichtbar waren. In zügiger Fahr ging es zur Abtei Tre Fontane, wo im Jahr 67 der Apostel Paulus enthauptet worden sein soll. Nach der Besichtigung wurde im Garten der Casa San Bernardo ein bemerkenswert gutes Mittagessen serviert. In St. Paul vor den Mauern, einer der vier Patriarchalbasiliken Roms, fand nach der Hl. Messe der traditionelle Fototermin statt. Es bedarf keiner besonderen Erwähnung, dass die große Pilgerschar nach dem Abendessen im Pilgerquartier „Fraterna Domus“ (ebenso wie die zuvor besichtigte Basilika „vor den Mauern“ Roms gelegen) nach der Abendpflege leicht ermattet in die Betten sank.

Exklusivführung in der Sixtinischen Kapelle

Am folgenden Montag mussten alle Teilnehmer sehr zeitig aus den Federn: Der Eintrefftermin der Busse vor der Sixtinischen Kapelle – seit rund 500 Jahren Privatkapelle der Päpste – war auf 8.00 Uhr (!) festgesetzt worden. Als Lohn der Mühe winkten eine Exklusivführung und eine Andacht. Umgeben von den wohl monumentalsten und großartigsten Fresken der Menschheitsgeschichte verging die zur Verfügung stehende Zeit wie im Flug. Nach dem Besuch der ebenso weltberühmten Vatikanischen Museen waren die Helferteams ein wenig gefordert: Es ging zu Fuß entlang des Tiberufers in das romantische Stadtviertel Trastevere. Mittagessen in kleinen Gruppen in den zahlreichen sehr gemütlichen Restaurants mit Tischen entlang der Gässchen. Nach der Hl. Messe in Sta. Maria Trastevere und einer Besichtigung von S. Giovanni in Laterano, einer weiteren antiken Patriarchalbasilika, stand vor dem Abendessen im Pilgerquartier der Besuch des Fürsten und Großmeisters des SMRO, Fra’ Matthew Festing, auf dem Programm.
Der folgende Tag brachte den Besuch der frühchristlichen Domitilla-Katakombe, die mit einer Ausdehnung von rund 15 km unterirdischer Gänge die größte Katakombe Roms ist. Nachdem unsere rund 90 Rollstuhlfahrer von einem eigens gebildeten Trageteam die zahllosen Stufen zur unterirdischen Basilika hinuntergetragen worden waren, wurde im Halbdunkel eine Hl. Messe mit Krankensalbung gefeiert, die vor allem dank dem Musikteam besonders stimmungsvoll ausfiel. Das anschließende Mittagessen in den Gärten des Domitilla-Areals brachte nicht nur den Pilgern Tageslicht und Vergnügen, sondern vor allem dem wackeren Küchenteam eine große Herausforderung, die es aber bestens bewältigte. Bevor es ans Abendessen im Pilgerheim ging, besuchten wir noch Sta. Maria Maggiore.

Trotz Verkühlungen ...

Zu diesem Zeitpunkt machten sich auch schon einige Verkühlungen bemerkbar, die dem Ärzteteam einige zusätzliche Einsätze verschafften. Dr. Andreas Hartmann, Unfallchirurg aus Salzburg: „Eine solche Reise stellt auch für die begleitenden Ärzte eine ziemliche Herausforderung dar, denn man muss nicht nur die schon bestehenden Krankheiten und Leiden der Mitreisenden im Blick haben, sondern auch viele zusätzliche Eventualitäten abdecken. Auch diesmal gab es allerlei spezifische Einzelprobleme, z. B. grippale Infekte, und wir mussten auch Überanstrengungen einzelner Teilnehmer in den Griff bekommen.“

... zur Generalaudienz beim Hl. Vater

Da die Generalaudienz des Hl. Vaters seit Papst Johannes Paul II. in der Regel an einem Mittwoch angesetzt wird, zog die Pilgerschar schon sehr zeitig am Morgen des folgenden Tages auf den Petersplatz, um gegen 10.45 Uhr – als einen der Höhepunkte der Pilgerreise – die Begegnung mit Papst Benedikt XVI. zu erleben. Nach der Audienz führte ein Spaziergang durch das Borgo zu einem kleinen Park auf der westlichen Seite der Engelsburg, wo das Küchenteam für rund 400 Personen wieder Großeinsatz hatte. Für den anschließenden freien Nachmittag bildeten sich Kleingruppen, die von der Piazza del Popolo aus durch die Altstadt flanierten.

Hl. Messe im Pantheon

Das Pantheon – der einzige antike Großbau, der relativ unbeschadet die rauen Zeiten überstand und nicht als „Steinbruch“ verwendet wurde – war Schauplatz für die Hl. Messe des folgenden Tages. Zelebriert wurde sie von Erzbischof Edmond Farhat, dem ehemaligen Apostolischen Nuntius in Österreich, im Kreis der zahlreichen Priester, die unsere Wallfahrt begleiteten.
Aus ihrem Kreis erzählte P. Albin Scheuch, Prior des Augustinerklosters in Wien, über seine Eindrücke: „Die Zuwendung, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der jungen Malteser sind heute keine Selbstverständlichkeit. Ihre Disziplin erwächst aus einer inneren Einstellung. Nur so kann man eine derart große Reisegruppe zusammenhalten. Das alles ergibt eine Pilgerreise im wahrsten Sinne des Wortes. Die Betreuten erleben persönliche Gespräche, die auch menschlich in die Tiefe gehen. Ich habe so etwas noch in keinem kirchlichen Bereich erlebt …!“
Nachdem Pizzerias rund um die Piazza Navona Köstlichkeiten geboten hatten, stand einem weiteren freien Nachmittag rund um die Altstadt nichts im Wege.

Grill in der Villa Malta

Als sich dann die Abendstimmung über der Tiberstadt herabsenkte, war das große Abschlussfest im Garten der Villa Malta auf dem Aventin schon in vollem Gang. Das Küchenteam lief noch einmal zu Hochform auf und grillte – rauchschwadenumwölkt – Berge von köstlichem Fleisch. Leichter und trockener Frascati half bei seiner Verdauung ...

Der Bogen schließt sich: Abschlussmesse im Petersdom

Am Freitag, dem Tag der Abfahrt zurück nach Österreich, schloss sich mit einer Hl. Messe im Petersdom der Bogen vom Grabmal des Hl. Paulus, das wir in der Abtei Tre Fontane am ersten Tag besucht hatten, zum Grabmal des Hl. Petrus – so waren wir schließlich am Ziel unserer Pilgerreise angelangt.
Bei der Lourdesgrotte in den für „Normalsterbliche“ geschlossenen barocken Vatikanischen Gärten folgte anschließend noch einmal ein köstliches Picknick. Mit vollem Magen und vollem Herzen begab man sich nach der Aufnahme des Gepäcks im Pilgerheim zum Hauptbahnhof. Um 22.30 schob sich der Sonderzug rumpelnd aus dem Bahnhof Ostiense.

Was bleibt?

Der Prokurator des Großpriorates Österreich des SMRO: „Es war eine wunderbare Pilgerreise, die ihren Namen verdient hat. Sehr gut organisiert, aber auch spirituell auf hohem Niveau. Das alles ist heute notwendiger denn je. Es ist ganz einfach sinnstiftend, auf diese Weise gemeinsam unterwegs zu sein!“ Olivier Loudon, der neu gewählte Kommandant des MHDA, ergänzt: „Die ganze Woche verlief in größtmöglicher Ruhe, ohne Stress. Es war immer genug Zeit, die bei einer solchen Fahrt unvermeidlichen kleinen Probleme schon im Vorfeld zu klären. Unsere Betreuten haben diese und andere Abläufe im Hintergrund erst gar nicht bemerkt. Das zeigt die wertvollen Erfahrungen, die unser Organisationsteam bereits bei früheren Pilgerfahrten sammeln konnte. Diese Professionalität war für alle spürbar!“
Max Lobmeyr, einer der drei Organisatoren der Fahrt, resümiert: „Das Motto ‚Von Paulus zu Petrus‘ hat in seiner strikten Befolgung während dieser Pilgertage das Wirken dieser beiden Heiligen für uns spürbar gemacht!“

  •  Georg Reichlin-Meldegg

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Letztes Update dieser Seite: Mittwoch, 1. Dezember 2010 um 21:41:41 Uhr
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