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... enormes Potenzial an Begeisterung und Engagement ...
Das MALTESER KREUZ (MK) im Gespräch mit dem neuen Kommando des MHDA – Olivier Loudon (OL), Gunhard Keil (GK) und Richard Mayr (RM) – sowie der neuen Damenleiterin Isabella Hartmann (IH)
MK: Olivier, in der Politik ist es üblich, neu gewählte Amtsträger in den ersten 100 Tagen eher mit Samthandschuhen anzufassen. Wie war das im MHDA, was hat sich in den ersten 100 Tagen des neuen Kommandos getan, und was sind Eure Pläne? OL: Schonfrist hat es für uns sicher keine gegeben. Vom Tag unserer Bestellung an gab es jede Menge zu tun. Ganz oben auf der Agenda stand die Ablöse der Wiener Bereichsleitung, die darum schon vor einem Jahr aus beruflichen Gründen eindringlich ersucht hatte. Nachdem der Wiener Bereich der größte des Hospitaldienstes insgesamt ist, kann man sich leicht vorstellen, dass diese Besetzung nicht ganz einfach zu bewerkstelligen war. Wir haben hier aber mit Christoph Keil, Felix Krainhöfner, Johanna Schlotheim und Constanze Tichy ziemlich rasch ein wie ich denke sehr schlagkräftiges, hoch engagiertes Team gefunden. Der Größe des Bereichs entsprechend liegt die Verantwortung damit auch auf mehreren Schultern. Es freut mich sehr, dass sich dafür vier Leute aus dem bisherigen engeren Führungskreis des Bereichs gefunden haben. Im Zusammenhang damit haben wir uns auch über die Organisationsstruktur des MHDA insgesamt Gedanken gemacht. Für uns gilt hier das Prinzip, dass wir unsere Mitglieder möglichst weitgehend von administrativen Aufgaben freispielen müssen, damit sie mehr Zeit für ihre eigentliche „malteserische“ Arbeit in der Behindertenbetreuung und im Sanitätsdienst haben. Das bedingt, dass man Verantwortung so wie im Bereich Wien auf mehrere Personen aufteilen muss, da unsere durchwegs ehrenamtlichen Mitglieder nicht unbeschränkt belastbar sind. Verstärkt wird die ehrenamtliche Arbeit in Zukunft übrigens durch einen hauptamtlichen Generalsekretär in der Bundeszentrale in der Wiener Johannesgasse, der das Kommando im operativen Tagesgeschäft entlasten wird. Parallel zu alledem hat uns auch das Thema Finanzen beschäftigt – wie immer um diese Jahreszeit beginnen die Vorbereitungen für das nächstjährige Budget, und auch hier mussten wir uns gleich intensiv einbringen. Auch das Thema Steuern ist durch die Abzugsfähigkeit von Spenden an den MHDA deutlich komplexer geworden, und ich bin froh, dass der bisherige Vizekommandant Max Lobmeyr dem Hospitaldienst hier weiter zur Verfügung steht.
Kommando und Damenleiterin bei der Amtsübergabe am 12. Oktober: Richard Mayr, Olivier Loudon, Isabella Hartmann, Gunhard Keil (v.l.n.r.)
MK: Finanzen, administrative und rechtliche Belange werden ja primär von Richard Mayr als Vizekommandant betreut. Richard – welche Themen stehen hier an? RM: Das größte Projekt ist hier sicher eine neue Software für Personalverwaltung, Dienstverwaltung und -abrechnung. Wir haben die Entwicklung vor kurzem in Auftrag gegeben, der Rollout wird voraussichtlich Mitte Februar 2011 beginnen. Ziel ist ein einfacher nutzbares System mit benutzerfreundlicherer Oberfläche, das eine schnellere Eingabe und auch raschere und bessere Auswertungen erlaubt. Damit sollte es entscheidend einfacher werden, nicht nur unsere Diensteinteilungen zu erstellen, sondern auch die geleisteten Dienste und Dienststunden abzurechnen. Das ist vor allem bei entgeltlichen Diensten von großer Bedeutung. Auch die Verwaltung in den Bereichen wird damit deutlich entlastet. Gleichzeitig wird natürlich auch unsere Budgetierung und Finanzplanung durch besseres Zahlenmaterial weiter optimiert. Das ist aber nur der erste Schritt – weitere Tools wie Betreutendatei, Fahrzeugverwaltung, Spenderdatei etc. sollen ebenfalls folgen. Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt im Finanzbereich wird auch eine gezielte Analyse und Bearbeitung der Förderlandschaft sein. Es muss uns gelingen, alle denkbaren Unterstützungen – sei es von der öffentlichen Hand, sei es von anderen Institutionen – in möglichst hohem Maß auszuschöpfen. Denn Förderungen und Sponsorengelder sind für uns in den letzten Jahren immer wichtiger geworden und werden angesichts der limitierten Möglichkeiten, uns über entgeltliche Dienste zu finanzieren, auch in Zukunft ein wesentlicher Pfeiler unserer Tätigkeit sein.
MK: Olivier hat die folgende Frage schon im letzten Malteser Kreuz beantwortet. Was ist für Dich das Motiv, neben einem ausgefüllten Berufs- und Familienleben diese doch auch anstrengende Aufgabe zu übernehmen? RM: Olivier hat in diesem Zusammenhang bildlich und sehr treffend vom Malteser-Virus gesprochen. Auch ich bin vor 25 Jahren davon „befallen“ worden – besser und eigentlich: hat sich mein Leben dadurch in allen entscheidenden Punkten gewandelt. Prägung ist dafür das beste Wort und wird klarer, wenn sich der Dreiklang Gehorsam-Gehorchen-Horchen aus dem gut Hinhören und Zuhören buchstabieren lässt. Die Konsequenz daraus ist: Ja sagen, weitergehen, Neues aufmachen – mit Bedacht und Einsatz und vor allem dem Wissen und der Erfahrung, nicht allein zu sein – in unserer Gemeinschaft wie in meiner Familie, und alles durch und mit Gottes Hilfe. Das ist die Kraft und macht mich – im übertragenen Sinn des großen (!) Wortes – selig.
MK: Gunhard, ein erstes großes Highlight in der Amtszeit des neuen Kommandos war der Romzug – ein großer Erfolg, über den auch in diesem MALTESER KREUZ ausführlich berichtet wird. Worin siehst Du nach der Tätigkeit als einer der drei Einsatzleiter dieses Großeinsatzes nun die größten Herausforderungen in Deinem neuen Amt im Kommando? GK: Ich kümmere mich um das Schwerpunktthema Ausbildung – ein Gebiet, in dem ich auch beruflich tätig bin –, und auch hier sind einige Veränderungen geplant. Nach dem Vorbild der Zertifizierungen und Rezertifizierungen im Sanitätsbereich planen wir z.B. ein ähnliches System für den Bereich der Krankenpflege, um auch hier den hohen Standard, dem wir uns verpflichtet fühlen, lückenlos sicherzustellen. Weiters wollen wir eine Reihe von Zusatzausbildungen im überfachlichen Bereich entwickeln, z.B. Kurse für Rhetorik, Mitarbeiterführung oder Projektmanagement. Damit bieten wir den jungen Menschen, die sehr viel Zeit in ihre Arbeit im Hospitaldienst investieren, einen interessanten Mehrwert und optimieren gleichzeitig unsere Leistung.
MK: Auch an Dich die Frage: Was ist Dein innerer Antrieb, Dich in der Funktion eines Vizekommandanten im Hospitaldienst verstärkt zu engagieren? GK: Die Motivation ist die gleiche, mit der ich die letzten neun Jahre die Aufbauarbeit im Bereich Burgenland unterstützt und gestaltet habe. Im Sinn unseres 900 Jahre alten Leitbildes also die Rahmenbedingungen zu schaffen, dass möglichst viele Menschen aller Altersgruppen mit gleicher Haltung und Einstellung im Glauben Dienst an Armen und Kranken leisten möchten. Und das auf unterschiedliche Art und Weise, sei es im Rettungs- und Sanitätsdienst, im Katastrophenschutz oder in unserer besonderen Sozialarbeit.
MK: Neu in ihrer Funktion ist auch die Damenleiterin des MHDA. Isabella, welche Schwerpunkte wirst Du in den nächsten Monaten und Jahren setzen? IH: Ich werde mich jedenfalls nicht ausschließlich darum kümmern, dass immer alle Häubchen korrekt gebügelt und alle Damen auch mit Cape bewaffnet sind. Mir geht es sehr stark um Jugendarbeit, die für unseren Nachwuchs enorm wichtig ist. Die Hauptfrage ist hier: Wie kann ich Jugendliche früher an den Hospitaldienst und seine Grundhaltung heranführen und für die Arbeit in unserem Kreis begeistern? Unser Eindruck ist, dass wir heute, wo der Arbeitsdruck während des Studiums laufend zunimmt, immer früher an die Jugendlichen herantreten müssen, um sie nachhaltig an uns zu binden. Zusätzlich werde ich mich mit der Frage beschäftigen, ob wir mit unseren aktuellen Tätigkeiten die Elende der heutigen Zeit auch tatsächlich widerspiegeln. Das Bild der „acht Elende“, deren Bekämpfung sich die Malteser unter dem achtspitzigen Kreuz verschrieben haben, ändert sich ja mit der Zeit. Ein Beispiel dafür: Über Armut wurde in Österreich Jahrzehnte lang kaum gesprochen, heute ist sie wieder ein brennendes Thema. Auch mit Migration und Integration müssen wir uns in diesem Zusammenhang beschäftigen – ich denke hier z.B. an die Elende Heimatlosigkeit und Gleichgültigkeit, die dadurch angesprochen sind.
MK: Was ist nun Dein Beweggrund, zusätzlich zu Deiner großen Familie und der normalen Diensttätigkeit im Bereich Salzburg die Funktion der Damenleiterin zu übernehmen? IH: Die Malteser haben mein Leben seit meiner Ausbildungszeit im Bereich Wien im Jahr 1983 stark geprägt. Ich lernte dort meinen Mann Andreas kennen, viele Malteser- und Betreuten-Freunde haben uns seither begleitet, und wir freuen uns besonders, dass sich auch unsere vier Kinder bei den Maltesern ganz zu Hause fühlen. Die Freude am gemeinsamen Dienst ist für mich nach wie vor „die“ Motivation. Gerade im Bereich der Sozialdienste und Jugendgruppen möchte ich zu einer guten Vernetzung der Bereiche untereinander beitragen, denn gute Ideen und Organisationsmodelle sollen bei aller Eigenständigkeit der einzelnen Bereiche durchaus Nachahmer finden. Besonders am Herzen liegt mir natürlich auch die gute Zusammenarbeit des Bereichs Salzburg mit der Bundeszentrale in Wien. Durch die Zusammensetzung unserer neuen Führung mit Mitgliedern aus vier verschiedenen Bereichen wird es uns hoffentlich gelingen, offene Ohren für die kleinen und großen Ideen und Anliegen aller österreichischen Malteser zu haben.
MK: Olivier, abschließend noch eine Frage zur Zukunft. Wohin fährt der Zug, in welchem Zustand möchtest Du den MHDA in vier Jahren übergeben? OL: Ich möchte einen MHDA übergeben, dessen Dienstangebot möglichst optimal an die heutigen Gegebenheiten und Anforderungen angepasst ist und auch einen gesunden Mix zwischen älteren und jungen Menschen mit Betreuungsbedarf aufweist. Mein Ziel ist weiters ein MHDA, der eine stabile und klare Organisationsstruktur hat, die es den Mitgliedern ermöglicht, tatsächlich ihr Ehrenamt auszuüben, ohne in administrativen Aufgaben gefangen zu sein. Und schließlich strebe ich eine gesunde Finanzierungsstruktur an, die jeweils ein Optimum an selbst erwirtschafteten Mitteln sowie öffentlichen und privaten Förderungen mit einschließt.
MK: Und Dein persönliches Fazit nach rund vier Monaten? OL: Es ist mir genau so ergangen, wie das bei vielen ehrenamtlichen Funktionen der Fall ist: Gott sei Dank habe ich bei der Entscheidung nicht ansatzweise gewusst, worauf ich mich einlasse – bin aber jetzt sehr froh, dass ich zugesagt habe. Ich erfülle meine Aufgabe mit Begeisterung, zudem bin ich sehr positiv und mit einem großen Vertrauensvorschuss aufgenommen worden, was mich natürlich auch freut. Großartig sind auch die Unterstützung, die ich von allen Seiten erhalte, und der Einsatz unserer Mitglieder insgesamt. Gerade der Romzug war wieder eine Gelegenheit, das enorme Potenzial an Begeisterung und Engagement zu erleben, die für den MHDA so charakteristisch sind. Das macht auch für die Zukunft sehr zuversichtlich.

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