Malteser Kreuz

Herbstausflug des Malteser Alten- und Krankendienstes (MAKD)

Wie jedes Jahr, gab es auch heuer wieder einen Tagesausflug für die Patienten des MAKD. Diesmal ging es auf Einladung der Familie Bolldorf- Grazigna zum Schloß Kobersdorf ins Burgenland. Wir hatten großes Glück mit dem Wetter, denn der 5. Oktober war ein strahlend schöner Herbsttag, an dem sich die Sonne noch einmal mit ihrer ganzen Kraft zeigte.

Morgendlicher Treffpunkt war der Heldenplatz. Die Abfahrt war für 9:00 Uhr vorgesehen, die ersten Patienten und Betreuer fanden sich jedoch bereits um 8:00 Uhr ein, die Behindertentaxis lieferten ihre Passagiere überpünktlich ab. János Thierry, seine Stellvertreterin Christl Hatheyer und alle Mitarbeiter des MAKD begrüßten jeden einzelnen der Ankommenden mit sehr persönlichen und herzlichen Worten.
Man spürte die Verbundenheit und Vertrautheit mit "ihren" Patienten. "Guten Morgen Irmi, Hellmut, Leopoldine, Helga, Wofgang..." Jeder kennt jeden, alle sind per Du, es sind alle sozusagen "Stammkunden", die für einen Tag mit ihrer Behinderung nicht alleine sind. Die Schlaganfall- Muliple Sklerose- und Spastiker kennen sich von den regelmäßigen Treffen und Fahrten des MAKD bereits sehr gut.

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Schloß Kobersdorf bildete die malerische Kulisse eines Ausfluges.

Daß hier mit großer Professionalität und Routine agiert wird, die Chauffeure selbst beim Einladen der Patienten mithelfen (es gibt einen Lifter am Patienten-Bus, der die wertvolle menschliche "Fracht" per elektrischem Knopfdruck einlädt!). Das alles trägt viel zur guten Stimmung bei.
Man fühlt sich hier bestens aufgehoben, die Helfer sind gut gelaunt, alles läuft wie am Schnürchen. Ich zähle 32 Patienten, großteils Rollstuhlfahrer, 25 Betreuer, eine Ärztin und eine diplomierte Krankenschwester. Christl Hatheyer, als Organisatorin, hat alles Notwendige dabei, von warmen Wolldecken angefangen bis hin zum Erste Hilfe- und Arztkoffer, sowie die Treppenschienen, die Alexander Schaffgotsch mitbringt.

Wir starten pünktlich um 9:00 Uhr, erste Station ist Wiener Neustadt, wo noch weitere vier Patienten aus einem Pflegeheim abgeholt und "eingeladen" werden. Jeder einzelne wird mit großem Hallo begrüßt und wieder beeindruckt die familiäre Atmosphäre, die alle Beteiligten dieses Ausflugs empfängt.

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Chauffeure und Helfer
beim Einladen der Patienten.

Mit einer kleinen Verspätung erreichen wir Schloß Kobersdorf, wo um 11:30 Uhr eine Heilige Messe in der Schloßkapelle mit dem Kobersdorfer Pfarrer Muck gefeiert wird. Die Wolldecken finden hier gute Verwendung, alle Patienten werden rund um den kleinen Altar versammelt, der Platz in der Kapelle reicht gerade für uns alle.
Die Heilige Messe wird an der Orgel vom Kobersdorfer Bürgermeister, Professor Manfred Fuchs begleitet, alle singen eifrig mit und sind mit viel Aufmerksamkeit "dabei".

Bei der anschließenden Agape im Schloßpark kommen erste gute Gespräche und Begegnungen zustande. Für viele Patienten sind solche Treffen die einzige Möglichkeit, wenigstens für kurze Zeit ihrer unfreiwilligen Alltags-Isolation zu entkommen und miteinander zu plaudern. Man sieht, wie notwendig das ist und wie sehr das auch angenommen und geschätzt wird.

Das Mittagessen findet - auf Einladung des MAKD - in der gemütlichen Schloßtaverne bei Fritattensuppe, Geschnetzeltem mit Spätzle und einem herrlichen Topfenstrudel statt. Helfer und Patienten entspannen sich hier vom nicht unanstrengenden Schieben der Rollstühle über das unebene Gelände des Schloßparks.

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Eine stimmungsvolle Jause vor der Heimfahrt.

Dr. Anni Schlanitz-Bolldorf führt uns anschließend durch die historischen Räume des Schlosses, wobei sie uns die Entstehungsgeschichte der alten Wehranlage und die Wappen der jeweiligen Besitzer erklärt. Langsam wird es kühler und wir nehmen die Einladung zu einer Jause mit Kaffee und Kuchen gerne an.
Gitti Chizzola hat den Raum in dem wir einkehren, mit viel Phantasie dekoriert, herbstliche Gestecke und Girlanden schaffen auch hier im Schloß eine heimelige und liebevolle Atmosphäre.
Wir fühlen uns sehr wohl, trotzdem muß an die Heimfahrt gedacht werden, denn um 18:30 Uhr warten die Behindertentaxis am Wiener Heldenplatz auf uns. János Thierry erinnert um 16:30 Uhr seine Gruppe daran. Ganz selbstverständlich findet wieder jeder Rollstuhl seinen "Chauffeur" und den Weg zum "Einladen" in die beiden Busse. Die letzten Fotos werden verschossen, Anni Schlanitz-Bolldorf reicht noch das "Gästebuch" herum, erste Abschiedsworte fallen da und dort.

Die Ankunft am Wiener Heldenplatz kollidiert mit dem Auftakt zur "Nacht der Museen". Darauf waren wir nicht vorbereitet, denn es erwartete uns ein Riesenwirbel und Massen von Menschen, die sich um Tickets anstellten. Nicht nur die Busse der "Wiener Linien", sondern auch wir brauchten Platz zum Stehenbleiben, im ersten Moment schien die Situation nicht ganz einfach.
Auf wundersame Weise löste sich jedoch auch dieser gordische Knoten, ein Angestellter der "Wiener Linien" half uns sogar beim Tragen einer Kiste zum Auto von Alexander Schaffgotsch mit der Bemerkung "Aber das ist doch selbstverständlich".
Der Ausflug am 4.Oktober war für alle Beteiligten der Beweis dafür, wie "selbstverständlich" Nächstenliebe sein kann.

  •  Angela Thierry

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Letztes Update dieser Seite: Mittwoch, 11. Juni 2003 um 15:27:16 Uhr
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