Malteser Kreuz

Die karitativen Altivitäten des Malteserordens*

Albrecht Freiherr von Boeselager, Großhospitalier des Souveränen Malteser Ritterordens

Der Orden folgt seiner alten Regel zum "Obsequium Pauperum", zur Hilfe für die in Not geratenen, Hilfsbedürftigen und Kranken heute in mehr als 110 Ländern durch medizinische und soziale Hilfen, durch Katastrophenhilfe in kriegerischen Auseinandersetzungen oder nach Naturkatastrophen, durch Jugendhilfe und Ausbildung. Er baut dabei auf den Einsatz seiner etwa 10.000 Mitglieder, ca. 80.000 gut ausgebildeten Freiwilligen und ca. 11.000 Beschäftigten, hauptsächlich medizinisches Personal.

Nationale Organisationen des Ordens gibt es in 60 Ländern (Priorate, Assoziationen, Hilfsorganisationen, Stiftungen). Diese tragen die operative Verantwortung für die Aktivitäten des Ordens.

Boeselager

Albrecht Freiherr von Boeselager,
Großhospitalier

Die Hilfsdienste oder Ambulance Corps
Seit der Gründung des ersten Ambulance Corps in Irland vor mehr als 60 Jahren hat sich die Führung von Hilfsdiensten zu einer der wichtigsten Aufgaben des Ordens entwickelt. Inzwischen gibt es in etwa 30 Ländern entsprechende Organisationen. In den Hilfsorganisationen wird zudem eine umfangreiche Jugendarbeit geleistet.

Sehr vielversprechend war die Gründung und Entwicklung von Hilfsdiensten in Zentral- und Osteuropa nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. Die bedeutensten sind in Ungarn, Rumänien, Litauen, Polen, Lettland und der Ukraine. Kleinere gibt es in der Slowakei, Slowenien, Kroatien, in der Vojvodina, in Mazedonien, Albanien und in Russland.
Durch die Hilfsdienste kann der Orden sein Aufgabenfeld erheblich ausweiten und zahlreiche Menschen in die Durchführung seiner Mission einbeziehen. Er gibt Ihnen auf diese Weise die Möglichkeit, ihr christlich soziales Engagement in organisierter und gemeinschaftlicher Form auszuüben und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Gerade in den Hilfsdiensten hat sich die Lebendigkeit und Attraktivität der Ordenssendung in neuartiger Weise erwiesen.

Viele neuartige Aufgabenfelder sind im Umfeld der Hilfsdienste entdeckt und entwickelt worden. In Ländern wie Österreich oder Deutschland wird unser acht-spitziges Kreuz von Außenstehenden eher mit dem Hilfsdienst als mit dem Orden selber identifiziert.

Die Krankenhäuser, Kliniken und medizinischen Programme
Die meisten Krankenhäuser des Ordens befinden sich in Deutschland (10). In Europa gibt es darüber hinaus Krankenhäuser in Belgien, England, und Italien. In den meisten Fällen handelt es sich um Allgemeinkrankenhäuser. Das Krankenhaus in Rom ist auf die neurologische Behandlung und Rehabilitation spezialisiert. Die Krankenhäuser in England und Belgien sowie einige in Deutschland haben Spezialabteilungen zur Behandlung terminal Kranker mit entsprechenden Schmerzspezialisten. Überhaupt hat sich die Betreuung Sterbender in Krankenhäusern, Hospizen und zu Hause in den letzten Jahren zu einem wesentlichen Schwerpunkt der Ordensaktivitäten entwickelt.
Entsprechende Aktivitäten gibt es in Argentinien, Belgien, Deutschland, England, Italien, USA, Südafrika und Australien. Der Aspekt ganzheitlicher Betreuung und die Beachtung der katholischen Ethik ist wichtiger Bestandteil der Ordensmedizin.

Weitere Krankenhäuser führt die französische Assoziation in Benin, Togo und Senegal. In Bethlehem, Palästina, wird als Gemeinschaftswerk des gesamten Ordens unter maßgeblicher Beteiligung der französischen Assoziation ein geburtshilfliches Hospital geführt, in dem seit 1990 über 25.000 Babys geboren wurden.
Viele Assoziationen tragen zum Unterhalt dieses Krankenhauses durch regelmäßige finanzielle Unterstützung bei. In diesem Jahr hatten wir auf 4.000 Geburten gehofft. Aber wegen der Intifada sind die Zahlen um 40% gefallen. Zum Glück hat die Initiative, in Amerika eine Stiftung zur Unterstützung des Hospitals aufzubauen, Erfolg gehabt. Von den angestrebten 10 Mio. $ Stiftungskapital haben wir bereits 8,5 Mio. gesammelt.

In Senegal und Kambodscha führt der Orden Spezialhospitäler für Leprakranke. Seit langem bildet die Leprahilfe einen der Schwerpunkte der Ordensarbeit in der Dritten Welt. Durch seine zu diesem Zweck gegründete Spezialorganisation CIOMAL in Genf betreut der Orden das nationale Lepraprogramm in Kambodscha und leistet Leprahilfe in einigen weiteren Ländern, besonders Brasilien und Kuba.
Seit neuestem widmet sich CIOMAL auch der Behandlung schwangerer aidsinfizierter Frauen, um eine Übertragung der Krankheit auf das Baby zu verhindern. Erste Programme wurden in Mexico und Senegal begonnen.

Neben Krankenhäusern führt der Orden zahlreiche Kliniken ohne stationäre Einrichtungen. In Italien sind dies auf die Betreuung von Diabeteskranken spezialisierte Kliniken. Eine ähnliche Einrichtung für Kinder gibt es in Prag, Tschechische Republik.
Die meisten Klinken führt der Orden im Libanon (13) und in El Salvador (8). Diese in den Bürgerkriegen entstandenen Institutionen sind jetzt ein wichtiger Bestandteil des nationalen Gesundheitswesens. Weitere Kliniken gibt es in Polen, Ungarn, den USA, der dominikanischen Republik, Brasilien, Peru und Südafrika. In den sich entwickelnden Ländern werden darüber hinaus eine Vielzahl von Hospitälern, Kliniken und Dispensarien unterstützt sowie auch zeitweise geführt. Insbesondere in Afrika werden an verschiedenen Orten, die unter bewaffneten Auseinandersetzungen leiden, entsprechende Einrichtungen kurzfristig übernommen, rehabilitiert oder beraten.
Im Gebiet der großen Seen in Afrika und den Ländern der Region sowie in Kerala, Indien unterstützt der Orden den Aufbau von Basisgesundheitsdiensten. Träger dieser Aktivitäten sind in den meisten Fällen der deutsche Malteser Hilfsdienst oder die französischen Ordenswerke (OHFOM).

Die französische Assoziation unterstützt medizinische Einrichtungen hauptsächlich in zahlreichen Ländern Westafrikas und in Madagaskar. Eine wichtige Rolle spielt dabei das in Frankreich durch den Orden aufgebaute System zum Sammeln und Sortieren von Medikamenten, das von der Weltgesundheitsorganisation anerkannt ist. Wiederholt hat der Orden durch den deutschen Hilfsdienst die medizinische Betreuung von UN-Friedensmissionen übernommen (Zentralamerika, Kuwait, Osttimor).

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Malteser betreuen Behinderte

Einrichtungen für behinderte Menschen und Behindertenhilfe
In Frankreich unterhält der Orden fünf hochspezialisierte Heime für Schwerstbehinderte.
Von der Betreuung autistischer Personen bis zur Pflege von Alzheimerpatienten im letzten Stadium ihrer Krankheit reicht das Spektrum in jeweils spezialisierten Häusern.

Weitere Behindertenheime gibt es in Ungarn, Ecuador und Libanon. Daneben führt der Orden zahlreiche weitere Aktivitäten für behinderte Menschen durch. Dazu zählen jährliche Wallfahrten u.a. nach Lourdes, Feriencamps für behinderte Jugendliche sowie Fahrdienste besonders in Deutschland und Schottland. Fast alle Hilfsdienste des Orden sind in der Behindertenhilfe in der einen oder anderen Weise aktiv. Von besonderer Bedeutung sind die Feriencamps für die "Ordensjugend".

In immer mehr Ländern begegnen dem Orden nahestehende Jugendliche in Feriencamps mit Behinderten in großartiger Weise unserem Ordenscharisma und begeistern sich dafür. Bei wenigen Gelegenheiten kann man die Lebendigkeit der über 900 Jahre alten Gründungsinitiative von Bruder Gerhard so stark erleben.

Alteneinrichtungen und Altenhilfe
Von wachsender Bedeutung sind auch die Aktivitäten der Altenhilfe. Der Orden führt zahlreiche Altenheime in England alleine bald 60, Deutschland (13), Spanien (2), Österreich, USA, Chile und Mexiko. Desweiteren gibt es in verschiedenen Ländern unterschiedliche Dienste, um alten Menschen ein Leben zu Hause zu erleichtern. Dazu zählen Essen auf Rädern, Fahrdienste, Besuchsdienste, Einkaufshilfen, der Betrieb von Notrufsystemen usw.. Diese ambulanten Dienste werden wiederum hauptsächlich von den Hilfsdiensten ausgeführt.

Kinder- und Jugendhilfe
In Brasilien, Mexiko und Chile widmet sich der Orden in unterschiedlichen Programmen der Betreuung von Kindern, die in Favellas leben. Eine Mustereinrichtung mit umfassenden medizinischen, sozialen und erzieherischen Angeboten sowie Spezialprogrammen zur Ausbildung alleinstehender Mütter führt der Orden seit vielen Jahren in Sao Paolo, Brasilien. In Mexiko führt die dortige Assoziation eine Schule mit Internat. In Porto, Portugal gibt es ein Heim für Mädchen mit sozialen Schwierigkeiten. Neben der Führung normaler Kindergärten (Deutschland, Südafrika) beginnen auch in Deutschland Programme für Jugendliche mit sozialen Problemen; dazu gehört inzwischen ein kleines Internat für Aussiedlerkinder mit Schwierigkeiten.

Ein weiterer wichtiger Bereich ist die Jugendarbeit in den Hilfsdiensten des Ordens, die eigene Jugendgruppen gegründet haben, in denen Kinder und Jugendliche altersgemäß "Erste Hilfe" lernen und an die aktive Ausübung sozialer Verantwortung herangeführt werden. Wiederum waren es die Iren, die mit ihrem Cadett-Corps begonnen haben.

Andere Institutionen und Aktivitäten
In Belgien, Frankreich, der Schweiz und Ungarn führt der Orden Einrichtungen für Obdachlose. Hilfen für Obdachlose gibt es in weiteren Ländern wie Deutschland und den USA. In Deutschland und Portugal engagiert sich der Orden in der Drogenhilfe. In Portugal führt die Assoziation eine Einrichtung zur Rehabilitation Drogenabhängiger.

In Deutschland sind es medizinische Hilfen in Großstädten und Sozialprogramme. Eine traditionelle Aufgabe des Ordens ist die Hilfe für Flüchtlinge und Asylsuchende. In Deutschland und Thailand betreibt der Orden zur Zeit entsprechende längerfristige Einrichtungen oder Programme. Daneben gibt es je nach Notlage immer wieder entsprechende kurzfristige Aktivitäten, zuletzt in Albanien und jetzt vielleicht wieder im Iran.

Katastrophenhilfe und humanitäre Hilfe
Katastrophenhilfe nach Naturkatastrophen und humanitäre Hilfe für die Opfer bewaffneter Konflikte ist eine traditionelle in der Ordensverfassung eigens niedergelegte Ordensaufgabe, die nach der Vertreibung des Ordens von Malta bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts wieder aufgenommen wurde und auch während des 1. und 2. Weltkriegs ausgeübt wurde.

In der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts häuften sich die Einsätze. Einige der wichtigsten Hilfsaktionen waren: 1956 Flüchtlingshilfe in der Ungarnkrise, Aufbau und Führung eines Krankenhauses im Vietnamkrieg, seit vielen Jahren Flüchtlingshilfe in Thailand, medizinische Hilfen in den Bürgerkriegen im Libanon und in El Salvador, Flüchtlingshilfe in der Kurdenkrise, Flüchtlingshilfe im Gebiet der großen Seen, verschiedenartigste umfangreiche Aktionen in der Balkankrise.
Erdbebenhilfe in Friaul, Armenien 1889, Italien 1997, Kolumbien und Türkei 1999, El Salvador 2000, Indien 2001. Überschwemmungs- und Sturmkatastrophen wiederholt in der Ukraine, Ungarn und Rumänien, Honduras 1998, Polen 1999, Mozambique 2000 und 2001.  Zur Verbesserung der Einsatzkraft des Ordens bei der Katastrophenhilfe haben mehrere europäische Priorate und Assoziationen gemeinsam das "Emergency Corps of the Order of Malta (ECOM)" gegründet, in dem die einzelnen Ordensgliederungen entsprechend ihren Schwerpunkten koordiniert und unter einheitlicher Leitung Hilfsaktionen durchführen.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten, die auch in den unterschiedlichen Kulturen der beteiligten Hilfsdienste lagen, kommen wir inzwischen gut voran. Vor kurzem hat in Luzern ein erstes internationales Führungsseminar von ECOM stattgefunden.
Die Neutralität des Ordens und seine unparteiische und apolitische Natur ermöglichen Einsätze in Situationen, die für andere Organisationen nur schwer zugänglich sind. Dabei leisten die diplomatischen Vertretungen des Ordens in den betroffenen Ländern wesentliche Unterstützung.

Wenn sinnvoll und möglich leistet der Orden im Anschluß an die Akuthilfe auch Wiederaufbau- und Rehabilitationshilfen. Besonders umfangreich sind diese Aktivitäten in enger Zusammenarbeit mit dem UNHCR auf dem Balkan. Darüber hinaus werden zur Zeit noch entsprechende Maßnahmen im Gebiet der großen Seen in Afrika, in Mozambique, Honduras, El Salvador und Indien durchgeführt.

Dieser Beitrag wird in der nächsten Ausgabe fortgesetzt.

*Auszüge aus einem in Wien gehaltenen Vortrag.

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Letztes Update dieser Seite: Mittwoch, 11. Juni 2003 um 14:56:33 Uhr
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