Malteser Kreuz

Höchster Respekt im Umgang mit unseren Herren Kranken

Ein Gespräch über die vielschichtigen Aufgaben und das Selbstverständnis
des Johanniterordens und die Johanniter-Unfall-Hilfe in Österreich führte
Georg Reichlin-Meldegg mit Hubertus Schulz-Wulkow (Jg. 1944), seit rund
13 Jahren Kommendator der Österreichischen Ordenskommende.




Seit der Zeit der Reformation entwickelte sich der nachmalige kath. Malteser-Orden und der evang. Johanniter-Orden in mancher Hinsicht auseinander, um sich heute wieder freundschaftlich anzunähern. Wie sehen Sie diese Entwicklung historisch, – und auf die Gegenwart bezogen?

H. Schulz-Wulkow: Das markanteste zwischen Johannitern und Maltesern ist wohl, dass wir eine gemeinsame Wurzel haben: Eine gemeinsame rund 500jährige Geschichte; das verbindet. Schon bald nach Ausbreiten der Reformation ist die Balley Brandenburg evangelisch geworden. Jeder von uns ging also seinen Weg mit gleichen Zielen und gleichen christlichen Beweggründen.
Sprung zur Gegenwart: Ich träume von einer christlichen Phalanx aller anerkannten Ritterorden, also der Malteser, Johanniter, Deutscher Orden und Grabesritter. Denn die Christen in Europa werden in Zukunft wohl eine Minderheit sein. In dieser auf uns zukommenden Situation sollte man enger zusammenrücken, auch zusammenstehen. Gemeinsam kann man Kräfte bündeln, in der Öffentlichkeit auftreten, und die Hilfsmaßnahmen aller Art koordinieren, so wie wir das mit JOIN (Johanniter International) schon praktizieren, ein Zusammenschluss aller operativen Johanniter-Hilfsorganisationen von Polen bis England und von Italien bis Estland.
Ein Weg mit den Maltesern war unsere gemeinsame 900-Jahr-Feier im Wiener Stephansdom. Kardinal König und unser Landesbischof Sturm haben 1999 – mit anderen – einen wunderbaren ökumenischen Gottesdienst zelebriert
Diese Feier hatte insoweit eine kleine Vorgeschichte, als ich dem unvergessenen Fürstgroßprior Frá Wilhelm Liechtenstein bei einem unserer regelmäßigen Treffen in der Johannesgasse diese gemeinsame Feier vorschlagen konnte. Frá Wilhelm war sofort dafür, die Feier wurde paritätisch von einem 2x2-Team organisiert. Wegen der Kosovo-Krise mit tausenden Flüchtlingen haben wir sodann im Palais Pallavicini nur mit Jourgebäck und Malteser-Wein gefeiert und das so ersparte Budget für die Bosnienhilfe bereitgestellt. Das hatte auch Symbolkraft, da wir in St. Stephan Brot und Wein nicht gemeinsam zu uns nehmen konnten. Im weltlichen Bereich war´s dann doch möglich. So war es ein wirklich stimmungsvolles, brüderliches Miteinander. Im Rahmen der Organisation gab es auch ein gemeinsames Briefpapier für die Presse: das achtspitzige Kreuz in der Mitte, sowie links und rechts unsere Adressen. Das war etwas völlig Neues.
Der Informationsaustausch wird natürlich auch mit dem Prokurator, Norbert Salburg-Falkenstein, weiter gepflogen. Mir schweben gemeinsame Projekte auf Wettbewerbsbasis vor; kurz vorgestellt: Wer leistet mehr, wer tut mehr. Es könnte alle an der Ökumene interessierten Ordensmitglieder ein wenig aus der Reserve locken…! Vorerst nur Träume, die darf man ja haben…

MK: Der Johanniterorden arbeitet nicht nur mit dem Malteserorden- wie dargelegt, sondern auch mit den drei protestantischen Orden des Hl. Johannes in Großbritannien (Anm.: Order of St. John); den Niederlanden (Johanniter Orde in Nederland) und Schweden (Johanniterorden i Sverige) eng zusammen. Was waren die gemeinsamen Aktionen der letzten Jahre?

H. Schulz-Wulkow: In der Ordensallianz vertrete ich auch die österreichischen Fahnen. Dabei sind auch die Schweizer, Ungarn, Franzosen und Finnen, die zur Balley Brandenburg gehören. Eine gemeinsame Aktion betraf z.B. den urheberrechtlichen Schutz des ‚Achtspitzigen Kreuzes‘ in Alicante, der europäischen Markenschutzstelle. Nur so haben wir alle einen Schutz gegen falsche Orden, die heute wie ‚Schwammerln‘ aus dem Boden schießen! Der Malteser Ordenskanzler, Richard Steeb, versorgt mich regelmäßig mit Prozessunterlagen und Informationen über ähnlich klingende Vereine, die als unredliche Trittbrettfahrer auf den ‚Spendenzug‘ aufspringen wollen. Wir pflegen grundsätzlich keinen Kontakt mit falschen Orden, diese fragwürdigen Herrschaften werden von uns nicht einmal ignoriert, ich glaube die Malteser halten es ebenso.
Der Herrenmeister unseres Ordens hat mich im Vorjahr zur Koordinierung der nicht deutschen Kommenden in die Ordensregierung berufen. Hier gibt es sprachliche und historische Unterschiede.

MK: Zum Stichwort Herrenmeister: Seit 1693 wurden ohne Unterbrechung Prinzen des Hauses Hohenzollern zu Herrenmeistern gewählt. In Österreich haben die Habsburger für den Dt. Ritter-Orden ähnliche Bedeutung gehabt: Zuletzt, bis 1929, war bekanntlich Erzhzg. Eugen Hoch- und Deutschmeister. Weshalb wurde diese Tradition bei den Johannitern – über alle historischen Brüche hinweg – fortgesetzt?

H. Schulz-Wulkow: Zur Wahl des heutigen Herrenmeisters, Prinz Oskar v. Preußen, heute 50 Jahre alt, kam es folgendermaßen: Sein Vater hatte eine Kommission eingesetzt, nachdem er gefunden hatte, ein Wechsel an der Spitze sei angezeigt, um herauszufinden, ob einer seiner Söhne für diese Spitzenposition geeignet sei. Diese Kommission hat rund ein Jahr beraten und hat danach dem Kapitel, dem ich auch angehöre, Prinz Oskar als Kandidat vorgeschlagen. Er wurde einstimmig gewählt. Gegen ihn zu stimmen wäre selbstverständlich möglich gewesen. Ich bin heute, zehn Jahre nach seiner Amtseinführung, sehr froh über diese damalige Entscheidung. Das Positive war gleich von Beginn, dass man Prinz Oskar nicht erst lange erklären musste, was der Orden ist und kann, – er ist mit ihm aufgewachsen. Da hat auch ein gewisser Stil des Hauses Preußen eine Vorbildfunktion, die den Orden auch an seine Pflichten erinnert. Rundum ein Gewinn.
Prinz Oskar hat nicht nur Charisma; Einsatzwillen und Humor, er hat auch Managementqualitäten. Er ist in München als Medienfachmann tätig. In Zeiten von E-Mails, Konferenzschaltungen und ähnlichem ist dies möglich geworden. Letztlich hat er auch seine Ordensregierung, den Ordenskanzler, den Ordenshauptmann, kurzum ein gutes Team. Er ist fast jedes Wochenende für den Orden unterwegs.

MK: Unter welchen Gesichtspunkten der Ordenspolitik erfolgte in Österreich die Gründung des Vereins Johanniter-Unfall-Hilfe in Österreich?

H. Schulz-Wulkow: Die Vorgangsweise der Gründung der JUHÖ war wohl einmalig in unserer Ordensgeschichte, da die JUHÖ noch vor dem Orden in Österreich präsent war. Ein österreichisches Unikum. Es war eine durchschlagende Initiative von Studenten, die sich fragten, weshalb es hier keine Unfall-Hilfe gäbe, die doch in Deutschland omnipräsent wäre. Es begann mit vielseitiger Unterstützung und einem ersten Krankentransporter aus Deutschland.
Erst rund 8 Jahre später entwickelte sich die Subkommende Österreich, die von österreichischen Rittern, die zuvor vor allem der bayerischen Kommende angehört hatten, gegründet worden war. An der Spitze dieses neuen Ordenszweiges stand Fürst Heinrich IV. Reuss. Als die Zahl der Ritter 1986 dreißig Personen überschritten hatte, wurde die selbstständige Kommende Österreich endlich Wirklichkeit. Der feierliche Akt unter Anwesenheit des Herrenmeisters fand in der Malteser-Kommende Mailberg statt. Eine wehrhafte Festung, die wir als Orden gemeinsam durch Jahrhunderte besessen haben.
Ich wurde zeitgleich Leiter der Subkommende Wien. Fürst Reuss war sodann bis 1996 Kommendator und hat mich als seinen Nachfolger vorgeschlagen. Ich wurde in geheimer Wahl einstimmig gewählt. Auf Lebenszeit zwar, aber in leitender Funktion sollte man mit 70 gehen; ein ungeschriebenes Gesetz bei uns.

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Letztes Update dieser Seite: Dienstag, 1. September 2009 um 18:20:26 Uhr
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