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L ´Aquila und die Hilfe der Malteser aus Österreich
Wie die Österreichischen Helfer des Malteser Hospitaldienst Austria (MHDA)
im Erdbebengebiet in Italien ihre
Aufgaben rund um das „achtfache Elend“ bewältigen und einen wichtigen
Beitrag zum Wiederaufbau der Krisenregion leisten – ein persönliches Bild von Sebastian Ernest
Auf Anfrage des Administrativleiters des Malteser Hospitaldienstes,
Erik Bolldorf, haben sich Peter Penn und ich dazu bereit erklärt, mit
ihm die Vorab-Besichtigung zu machen und dann gleich das erste
Zwei-Mann-Kontingent der Österreichischen Malteser zu stellen. Und so
ist der Einsatz zur Unterstützung der Italienischen Malteser (Corpo
Italiano di Soccorso dell'Ordine di Malta, CISOM) im Erdbebengebiet von
L´Aquila angelaufen.

Zur Gewährleistung der Mobilität der künftig vor Ort befindlichen
Einheit verlegten wir ein Fahrzeug aus Wien über Innsbruck, wo Peter
zustieg, nach L´Aquila. Nach einer Fahrzeit von ca. 12 Stunden
erreichten wir die Stadt, die eindrucksvoll in den Abruzzen liegt und
von einer schönen Bergwelt umgeben ist. Die Stadt selber hat eine
wunderschöne Altstadt, die leider von Erdbeben stark in Mitleidenschaft
gezogen wurde und bis auf den Hauptplatz gänzlich gesperrt ist. An der
Autobahnabfahrt wurden wir schon von Mitarbeitern der CISOM erwartet
und in das Camp Poggio Roio geleitet. Auf der Fahrt dorthin sah man
schon die stark beschädigten Häuser beziehungsweise Gebäude, die eher
als Ruinen zu bezeichnen sind.
Gute Organisation
Angekommen im Camp trafen wir gleich auf die Kameraden des Malteser
Hilfsdienstes Deutschland (MHD), die aus einem Vorabkommando von 6
Personen bestanden und in der Nacht zuvor angekommen waren. Nach der
Registrierung im Camp wurden wir im Lager herumgeführt und verschafften
uns einen ersten Eindruck über die Situation im Lager Poggio Roio.
Anschließend gab es eine Besprechung bei der entschieden wurde, dass
der MHD im Camp Poggio Roio bleibt und der MHDA das Camp San Felice
d’Ocre unterstützen soll. Dieses sind die beiden Camps die von der
CISOM betrieben und unterstützt werden. Als wir im Camp ankamen, wurden
wir sehr freundlich von den Kameraden der CISOM begrüßt und bezogen
unser Zelt, das mit Heizung und Klimaanlage ausgestattet ist.
Anschließend war es bereits Zeit zum Abendessen und so wurden wir den
Camp-Bewohnern gleich offiziell vorgestellt.
Familiärer Empfang
Trotz der schwierigen Situation, in der sich die Bewohner befinden, war
der Empfang nicht nur freundlich, sondern sogar herzlich. Am Anfang gab
es noch kleinere Verständigungsprobleme, doch im Lauf der Woche legten
sich die Schwierigkeiten und so sprach man miteinander in einer
Mischung aus italienisch, englisch, deutsch und, wenn es sein musste,
mit Händen und Füssen.

Das Camp als solches ist sehr gut ausgestattet und es gibt in jedem
Zelt eine Klimaanlage für die heißen Tage, bei denen es Temperaturen
zwischen 30 und 40°C bekommen kann und eine Heizung für die Nächte, in
denen es schon mal auf 8°C abkühlt. Die Duschen, WC und Waschmaschinen
sind in Containern untergebracht und werden zweimal täglich gründlich
gereinigt und desinfiziert. Die Küche ist ausgezeichnet und sehr
abwechslungsreich, zumal die gute Küchenfee und „Mutter des Camps“
Marion ursprünglich aus Deutschland stammt und vor über 30 Jahren nach
Italien zog. Dass sie und ihr Sohn deutsch sprechen, machte uns die
Sache natürlich um einiges leichter. Und so stellte sich während der
Woche heraus, dass es auch sonst noch einige Bewohner gibt, die ein
wenig deutsch sprechen.
Verschiedene Aufgaben
Unsere Aufgaben im Camp sind vielseitig, vom Reinigen des Camps, Hecken
wegschneiden, Zäune reparieren, Gräben um die Zelte ziehen,
Grasschneiden, über Einkaufen, bis hin zur sanitätstechnischen
Versorgung, die aufgrund des Wetters eine gewisse Priorität erhalten
hat. Der Morgen begann mit einem ruhigen Frühstück, da die meisten
Bewohner bereits um 07:00 zur Arbeit aufbrechen. Anschließend gab es
das erste Meeting um 08:00 Uhr, dort wurden die Aktivitäten für den Tag
besprochen und die Gruppen eingeteilt. Anschließend wurde bis zum
Mittagessen gearbeitet oder gewartet, da die italienische Mentalität
doch eher ruhig und gemütlich ist, solange es einen Kaffee gibt. Im
Anschluss trafen sich alle beim Mittagessen. Danach gab es etwas Zeit
zum Ausruhen und das Nachmittagsmeeting bei dem die restlichen
Tagesaktivitäten durchgegangen und besprochen wurden. Zum Abendessen
war das Gemeinschaftszelt meistens voll gefüllt, da auch die
arbeitenden Menschen zurück waren.
Die Stimmung im Camp ist sehr gut und die Leute gehen sehr höflich und
nett miteinander um, was sehr wichtig ist, wenn so viele Menschen auf
sehr engem Raum zusammenwohnen und versuchen das Beste aus ihrer
Situation zu machen. Man kann sich gar nicht vorstellen, was es heißt,
ein so starkes Erdbeben zu erleben, erst wackelt die ganze Erde, was
sich anfühlt als würde man auf einem extrem stark wankenden Wasserbett
stehen, da man die Erdbebenwellen direkt spüren kann. Einen kleinen
Eindruck konnten unsere deutschen Kameraden beim Beben der Stärke 4,7
nach Richter erfahren, als sie sich sehr nahe dem Epizentrum im Camp
Poggio Roio befanden. Da die Erde um Mitternacht bebte, wurden auch wir
aufgeweckt und in Alarmbereitschaft versetzt, da es auch weitere Beben
hätte geben können. Zum Glück blieben diese aus; allerdings zogen drei
Familien wieder ins Camp ein, da sie sich zuhause nicht mehr sicher
fühlten. Beim großen Beben wackelte es zuerst und dann standen
plötzlich tausende Menschen auf der Straße und hatten nichts mehr. Und
noch immer leben ein großer Teil dieser Menschen – durchschnittlich zu
viert – in einem Zelt mit 5x5 Metern und wartet darauf, dass der Staat
seine Versprechen einlöst und den Menschen rasch und unbürokratisch
hilft.
Unvorstellbare Zerstörung
Nach einer Besichtigung der Sperrgebiete in und um l´Aquila, kann man
sich ansatzweise vorstellen, was diese Leute durchgemacht haben, es
sieht teilweise aus wie nach dem Krieg, eingestürzte Häuser wo man
hinsieht, teilweise stehen nur noch Hüllen der Häuser, innen ist alles
zusammengebrochen. Familienhäuser, Firmengebäude und auch hunderte
Jahre alte Kulturdenkmäler, teilweise so stark zerstört, dass man sie
nur noch abreißen kann. Zutritt bekommen sowieso nur Einsatzkräfte wie
Feuerwehr, Zivilschutz und Rettungskräfte; gesichert wird alles von
Polizei und Militär.
Und trotzdem strahlen die Menschen in unserem Camp eine solche Stärke
und Zuversicht aus, das sie bald wieder in ihre Häuser zurückkehren
können. Wir haben großes Glück in diesem Camp mithelfen zu dürfen. Es
ist wie eine große Familie und wir dürfen ein Teil davon sein. Wenn man
einmal so an die zehn Tage miteinander verbringt, vergisst man fast,
dass man in einem offiziellen Katastrophengebiet ist. Und das liegt
nicht nur daran, dass man die Schäden vergisst, sondern weil man als
Fremder kommt und als Freund geht!
Siehe auch: Daten zur MHDA Erdbebenhilfe in L’Aquila...

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