|
2. Malteser Wildwassercamp im Sommer 2002 in Wildalpen
Der große Erfolg des ersten Malteser Wildwassercamps im Vorjahr ermöglichte heuer eine neuerliche Durchführung. Mit dieser Veranstaltung gelingt es behinderten Menschen drei sonst kaum zugängliche Erfahrungsbereiche zu eröffnen: 1. sportliche Aktivität in Gruppengemeinschaft ohne Rollstuhl, 2. in unmittelbarem Kontakt mit der Natur sowie 3. Selbsterfahrung in gesicherten "Extremsituationen".
Die Salza, mit ihren unterschiedlichen Flußabschnitten bei Wildalpen/Steiermark bietet dafür hervorragende Voraussetzungen. Es bedarf schon eines gewissen Draufgängertums für einen behinderten Menschen, sich auf das Abenteuer Wildwassersport einzulassen. Doch bereits eine Woche nach Ausschreibung des Camps, waren die vier Plätze fix vergeben an Alexander Schneider, Rigel Flamond, Georg Weber und Rudolf Walter.

Zieleinlauf des Hindernisrennens auf der Salza.
Die schlagkräftige Betreuertruppe der Malteser, gebildet von Eleonor Lobmayer, Kinga Krassay, Laura Richardson, Philipp Thomas und Berndt Pokorny wurde von Gabriel Hofstätter (Einsatzleiter) zusammengetrommelt. Zusätzliche Verstärkung brachten Dr. Rudolf Nagel (ein Paddler der ersten Stunde), Dr. Peter Schwammeis (Paddelprofi) und Felix Nickl (Schüler).
Die sportliche Leitung war dem staatlich geprüften Kanuwart Alfred Hell übertragen, der auch die Ausrüstung bereit stellte. Vier dreisitzige Schlauch - Kanadier - Boote, die wir aufwendig behindertengerecht adaptiert hatten, dazu Neoprenanzüge, Helme und Schwimmwesten für jeden Teilnehmer.
Alfreds Theorieunterricht, dem wir uns unterziehen mußten, sollte sich in Verbindung mit einem ersten Training im stehenden Gewässer am Stausee während der nächsten Tage am Fluß als sehr nützlich erweisen. Grundbegriffe der Strömungslehre, und der Verständigung über Handzeichen bilden ebenso, wie das richtige Ansteuern des oftmals rettenden Kehrwassers, Grundvoraussetzungen für einen ungetrübten sportlichen Naturgenuß.
Damit waren auch erste Berührungsängste überwunden, und es ging zum Fluß. Der wildromantische Lauf der Salza, tief eingeschnitten in das enge Tal, bringt es mit sich, daß günstige Einstiegstellen oft weit von der Straße entfernt, nur über schmale Waldpfade zu erreichen sind. Wir Maltis testeten gleichzeitig die Rollstühle auf ihre Geländetauglichkeit und unsere Betreuten auf ihre Bereitschaft, nicht nur auf Gott sondern auch uns zu vertrauen.

Malteser und Betreute im Kampf gegen die Elemente
Unvergleichlich dann die Erlebnisse auf dem Wasser. Zum einen die Fahrten am ruhigen Teil des Flusses, das Vorbeigleiten an Gehöften und Weiden, an Felswänden, die steil ins Wasser stürzen, hindurch unter Holzbrücken. Unter uns Fische, die friedlich in der Strömung stehen. Umgeben vom leisen Rauschen, ließ uns der Fluß zufrieden die Natur genießen.
Zum anderen führte uns Alfred zu wilden Stromschnellen, mit bedrohlich aus dem Wasser ragenden Felsen. Diese oft tückischen Passagen, in denen wir die wahre Gewalt der Elemente erahnten, forderten eine gute Koordination der Bootsbesatzungen. Ein Fehler und schon durfte man Bekanntschaft mit dem kühlen Naß machen. Rudolf und Alex kenterten prompt mit ihren Crews, die kenterten, obwohl sie mit voller Kraft und unter Aufwendung ihres ganzen Geschicks gepaddelt hatten. Die professionelle Ausrüstung, Neoprenanzug, Helm und Schwimmweste garantierte ihre Sicherheit. Dennoch war es die Feuertaufe für die beiden, die damit als Helden der Salza gefeiert wurden.
Daß solche Herausforderungen hungrig machen, versteht sich von selbst. Es gab herrliche Lunchpakete zu Mittag; geschmaust wurde auf einer Schotterbank, an der wir angelegt hatten. Da das Wetter mitspielte, wagte so mancher ein erfrischendes Bad im 15° kalten Fluß. Am Abend stand ein Mal das Feuerwehrfest in Wildalpen am Programm, ein anderes Mal wurde im Garten gegrillt.
Ein Hindernisrennen in den Booten am letzten Tag, natürlich an einer schwierigen Stelle im Fluß ausgetragen, entfachte unseren sportlichen Ehrgeiz. Da keine der vier Mannschaften fehlerlos blieb, wurde Kanulehrer Alfred, dem dieser Mangel in unserer Paddelausbildung vorzuwerfen war, ins Wasser geschmissen. Gott sei Dank hatte Gabriel zufällig für jeden nur Goldmedaillen dabei, die bei der Siegerehrung feierlich überreicht wurden.
Nächtlicher Höhepunkt und krönender Abschluß dieses Abenteuers war das phantastische Feuerwerk, gesponsert von der Firma PINTO das den gesamten Talkessel in unwirklichem Licht erstrahlen ließ. Eine stimmungsvolle Messe in Wildalpen gab schließlich Gelegenheit, Gott für die wundervollen Tage in der Natur zu danken, ehe wir unsere Heimreise antreten mußten.
Das Wildwassercamp 2002 war für uns alle ein unvergeßliches Erlebnis und für vier von uns das erste Mal, dass sie in einem Kanu gesessen sind, in einem Boot, das sie selbständig steuerten, das ihnen wenigstens für kurze Zeit ein Gefühl der Unabhängigkeit vermittelte. All das wäre ohne den Einsatz der Teilnehmer und im Besonderen ohne die großzügige Spendenbereitschaft der Freunde der Malteser nicht durchführbar gewesen. Es sei ihnen an dieser Stelle gedankt.

|