Malteser Kreuz

Eine Journalistin begleitet die Malteser im Einsatz

Mag. Bernadette Spitzer, Religionsredaktion von Radio Stephansdom

Als mein Chefredakteur anbot, daß Radio Stephansdom einen Tag lang die Malteser bei ihrem Einsatz begleiten könnte, war ich gerne bereit dazu. Ich wollte mir das Ausmaß der Katastrophe an Ort und Stelle ansehen und darüber berichten, wie der Ordensauftrag der Malteserritter umgesetzt wird.

Am 12. September traf ich mich mit Einsatzleiter Gabriel Hofstätter in der Zentrale des MHDA am Börseplatz. Gemeinsam fuhren wir ins Einsatzgebiet, wo wir mit Mitarbeitern der Caritas und des MHDA den Einsatzplan für den Tag besprachen. Vorgesehen waren Transporte in die Wachau, ins Kamptal und ins Waldviertel. Es sollten Geräte von Spendern abgeholt und zu Hochwasseropfern gebracht werden.

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Die Autorin während eines Interviews.

Die Schilderungen der Caritasmitarbeiter, der Malteser und vor allem der Betroffenen sowie meine eigenen Wahrnehmungen waren erschütternd. Noch immer waren manche Keller voller Wasser, Häuser feucht und vom Schlamm zerstört. Möbel waren nicht mehr benutzbar. Ich hörte von einer Frau, die fünf Nächte auf dem nackten, feuchten Fußboden schlafen mußte, weil ihre komplette Einrichtung "untergegangen" war.
Erst die Malteser verhalfen ihr wieder zu einem menschenwürdigen Dasein, indem sie ihr ein Schlafzimmer brachten. Dieses hatten sie davor aus einem Hochhaus in St Pölten aus dem 14. Stock ohne Lift (der war leider gerade an dem Tag defekt) "bergen" müssen!

Die Not führte zu großer Solidarität unter der Bevölkerung, doch muß leider auch erwähnt werden, daß die Häuser einzelner Betroffener zu allem Leid auch noch geplündert wurden.

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Schlamm und Verwüstungen in einem Garten.

Ich erlebte überall, wo wir hinkamen, Freude. Die Spender freuten sich, mit ihren gebrauchten, aber noch funktionstüchtigen Geräten anderen helfen, die Beschenkten waren froh, wieder einen Schritt in Richtung normales Leben setzen zu können.

Auch die Malteser beeindruckten mich mit ihrem Elan, ihrer Fröhlichkeit, ihrem Idealismus und gleichzeitig ihrer Ernsthaftigkeit, mit ganzer Kraft (wörtlich zu verstehen!) den Menschen zu helfen, die durch das Hochwasser zu Schaden gekommen waren - umso mehr, als sämtliche Helfer ehrenamtlich tätig waren und sich teilweise Urlaub genommen hatten.

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Malteser bringen gemeinsam mit der Caritas Hilfe.

Unsere Mannschaft - Florian Bauer, Margit Schirxsl, Pius Aretin und Gabriel Hofstätter - schaffte an diesem Tag sechs Fuhren, über 400 km legten wir dabei zurück. Die zu holenden/bringenden Geräte reichten von der relativ bequem transportierbaren Tiefkühltruhe bis zu einer kompletten Großküche, die uns alle Kräfte raubte.
"Uns", weil mich Einsatzleiter Gabriel Hofstätter angesichts der Unmengen an Einzelteilen, aus der die Küche bestand, zum Mitschleppen motivierte: "Wenn Jesus für uns gelitten hat, können wir ruhig auch ein kleines Stück von dem tragen, was er getragen hat!"

Ich konnte mir nicht vorstellen, daß die ganze Küche in den Malteserbus und in den Anhänger passen würde, aber die Malteser schafften es mit ihrer Routine, geschickt alles zu verstauen, um nicht noch ein zweites Mal fahren zu müssen.

Am Abend waren wir sehr erschöpft, aber hochzufrieden, geholfen zu haben. Mir ist noch immer Herrn L.´s Stimme im Ohr, dem wir eine Tiefkühltruhe brachten und der uns zum Abschied überglücklich nachrief: "In tausend Jahren bin ich Ihnen noch dankbar!"

  •  Mag. Bernadette Spitzer

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Letztes Update dieser Seite: Mittwoch, 11. Juni 2003 um 13:53:07 Uhr
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