Malteser Kreuz

Malteserhilfe bei der größten Hochwasserkatastrophe seit Jahrzehnten

Es war die größte Hochwasserkatastrophe seit Jahrzehnten. Tagelange Regenfälle hatten Teile Österreichs unter Wasser gesetzt. Die ersten Meldungen über Überflutungen erreichten uns am 7. August.
Am 12. August drohte die Salzach in der Stadt Salzburg über die Ufer zu treten. Um allfällig notwendig werdende Evakuierungsmaßnahmen unterstützen zu können, wurde vom Kommando bundesweit Katastrophenalarm ausgelöst - gottlob wurde nach dem wundersamen Rückgang der Salzach ein Einsatz in Salzburg nicht notwendig.

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Liselotte Spiegelfeld und Stefan Jordis
in einer devastierten Wohnung

Weitaus schlimmer traf es am nächsten Tag Niederösterreich. Das Kamptal, die Wachau und der Donauraum standen bald komplett unter Wasser. In der Nacht auf 13. August löste die Landesregierung Katatstrophenalarm aus, und das Rote Kreuz bat auch uns um 05:45 Uhr um die Entsendung von Einsatzkräften.
Um 06:30 Uhr löste der zuständige Vizekommandant Anton Gatnar den Alarm aus und Martin Sturzeis als Sonderbeauftragter für Katastrophenhilfe veranlaßte die ersten Schritte:
Der Bereich Wien konnte ad hoc zwei Einsatzgruppen in Marsch setzen, der Bereich Steiermark folgte mit einer Einsatzgruppe. Der Bereich Tirol hatte auch Kräfte bereitgestellt, diese konnten aber wegen der Sperre der Westautobahn bei Salzburg nicht an das Katastrophengebiet herangeführt werden und verblieben daher in Bereitschaft.

Die zweite Flutwelle im Kamptal an diesem Tag ließ die Verantwortlichen in der Einsatzleitung befürchten, daß umfangreiche Evakuierungen im Bereich des gesamten Tales notwendig werden würden.

Rund 165 Mitglieder des Roten Kreuzes und 25 Malteser standen für diese Aufgabe im Verband des niederösterreichen Roten Kreuzes bereit, kamen aber dann nicht zum Einsatz. Denn man hatte die Selbst- und Nachbarschaftshilfe der Betroffenen unterschätzt, zusätzliche Einsatzkräfte waren in diesem Bereich zunächst nicht notwendig. So wurden die Wiener Einsatzkräfte in der Nacht in verstärkter Bereitschaft in ihre Quartiere entlassen, die Grazer Gruppe leistete Assistenz in Korneuburg.

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Hilfsgüter werden sortiert

Am 14. August hörte der Regen auf, die Ersthilfe trat zu Gunsten der Betreuung der Betroffenen in den Hintergrund. Auf Wunsch des Roten Kreuzes hielten wir einen mobilen Versorgungstrupp, komplett mit Personal, mobile Feldküche, Beleuchtung Zelten und sonstigen technischen Equipment für den Einsatz kurzfristig abmarschbereit.
Gleichzeitig begann die Unterstützung der Verteillager des Roten Kreuzes in der Einsatzzentrale Korneuburg. Die dort eingesetzten Malteser sortierten und verteilten Hilfsgüter und Lebensmittel.

Nachdem das Wasser nach einer Woche langsam zurückgegangen war, zeigte sich das wahre Ausmaß der Katastrophe: Schlamm in den Wohnungen, zerstörte Wände, Böden, Möbel, Küchen, Betten, Kühl- und Heizgeräte, Waschmaschinen, Büroeinrichtungen. Die Caritas der Diözese St. Pölten entschloß sich daher, als Ersthilfe durch Sachspenden der niederösterreichischen Bevölkerung wieder menschenwürdige Lebensbedingungen für die Betroffenen zu schaffen.

Der dringende Aufruf von Propst Maximilian Fürnsinn aus Herzogenburg am 15. August, die Caritas zu unterstützen, veranlaßte den Malteser Hospitaldienst Austria MHDA, auch hier Hilfe anzubieten. Bereits 3 Tage später standen unsere Leute gemeinsam mit der Caritas den Hochwasseropfern zur Verfügung.

Zunächst war nur vorgesehen, bei der Sortierung von Hilfsgütern zu helfen. Doch daraus entwickelte sich rasch viel weitergehende Hilfe: Die Mitglieder des MHDA holten mit ihren Fahrzeugen Sachspenden im Großraum Krems ab und brachten sie direkt zu den Betroffenen. Weiters wurden dem Caritas-Lager in Krems 7 Großzelte aus unserer Katatstrophenausrüstung zur Verfügung gestellt, womit dessen Lagerkapazität um 600 m2 erweitert werden konnte.

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Die Malteser-Zelte vergrößern das Caritas-Lager.

Die Aufgabe der Malteser ging aber über die Linderung der materiellen Not weit hinaus. Die menschliche Betreuung und der persönliche Kontakt halfen den notleidenden Menschen seelisch. Die Malteser konnten ihnen in vielen Gesprächen auch christliche Hoffnung vermitteln.

Die Aktion vereinte Mitglieder des MHDA aus den Bereichen Wien, Oberösterreich, Salzburg und Tirol. Auch zahlreiche Altmitglieder halfen mit, die ärgste Not zu lindern. Gabriel Hofstätter, der eigentliche Initiator dieses Einsatzes, war sieben Wochen rund um die Uhr als Einsatzleiter im Einsatz, seine Leistung ist besonders hervorzuheben.
Die ursprünglich nur für die ersten Tage nach der Katstrophe geplante Aktion dauerte sieben Wochen, bis Ende September. Täglich - auch an den Wochenenden - fuhren insgesamt fast 150 Malteser aus ganz Österreich in den Einsatz und leisteten - wie immer ehrenamtlich und unbezahlt - rund 20.000 Dienststunden. 5 Einsatzfahrzeuge samt Anhänger legten über 15 000 km zurück. Etwa 1700 Menschen konnte geholfen werden.

Einen (zunächst nicht geplanten) Höhepunkt bildete dann zum Schluß die Räumung des Inventars eines ganzen Wiener Bürohauses. Zwei Tage lang wurden von Maltesern, Soldaten und Häftlingen Büromöbel in insgesamt 15 Sattelschlepper verladen, um dann direkt zu den verschiedenen betroffenen Betrieben zugestellt zu werden.

Neben dem Dank der Caritas gab es auch zahlreiche Danksagungen von Politikern und kirchlichen Würdenträgern, die die Hilfe der Malteser positiv hervorhoben.

Dem MHDA hat diese höchst erfolgreiche Aktion die Gewißheit gegeben, auch bei zukünftigen Katastrophen ein wichtiger Teil bei der Umsetzung von Hilfeleistung für menschliche und materielle Not sein zu müssen und daher auch weiter die entsprechenden Vorsorgen zu treffen.
Zu Dank verpflichtet sind wir den Firmen, die uns mit Sachspenden unterstützten, etwa BP Austria für Treibstoffgutscheine

  •  GRM/AFG

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Letztes Update dieser Seite: Mittwoch, 11. Juni 2003 um 13:46:11 Uhr
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