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Erste Begegnung mit dem neuen Großmeister
Es war nicht die erste Begegnung mit
Fra’ Matthew Festing, der mir schon von unzähligen Lourdeswallfahrten
als Pilger und Großprior von England bekannt war, aber die erste
offizielle Begegnung im Großmagisterium mit Seiner Hoheit und Eminenz,
dem neu gewählten 79. Fürst und Großmeister des Ordens.
Fröhlich lachend kam er auf unsere kleine Delegation der engsten
Führung des Großpriorates zu, die wir uns zu einem Antrittsbesuch
angesagt hatten und versuchte in seiner unnachahmlichen Art sofort zu
verhindern, dass wir uns tiefer als er selbst verbeugten.
Gleich zu Beginn des freundlichen Gespräches erzählte uns Seine Hoheit
und Eminenz, dass noch alles für ihn hier ziemlich neu und sein
Italienisch so rudimentär ist, dass sein Italienisch-Lehrer schon fast
verzweifelt sei.
 Der Großmeister und unser Prokurator
In der Via dei Condotti wird sicherlich noch vieles durch die effektive
Arbeitsweise des Großmeisters “entstaubt“ werden. Voller Lachen
schildert uns Seine Hoheit und Eminenz, dass seine Unterschrift noch so
unbekannt sei, dass er von einer Sekretärin des Großmagisteriums sogar
schon gefragt worden sei, ob diese kurze Empfehlung auf Englisch mit
dieser unbekannten Unterschrift auf einem Ansuchen um Oboedienz
ausreichen würde.
Direkt und ohne zu Zögern hat seine Hoheit und Eminenz dann die Lage im
Großpriorat angesprochen und sich sehr kundig über alle Vorgänge
gezeigt. Vor allem konnten wir seine Hoheit davon überzeugen, dass man
das Großpriorat in Ruhe arbeiten lassen und allen möglichen Gerüchten
entschieden entgegen treten soll. Der Großmeister sicherte seine
Unterstützung zu und ermutigte uns, den eingeschlagenen Weg
weiterzugehen und dankte für das Erreichte. Besonders erfreut zeigte
sich Seine Hoheit und Eminenz, als wir ihn von den möglichen Kandidaten
für die Profess informierten und gleichzeitig das Ansuchen um
Aspirantenzeit von Gottfried Ritter von Kühnelt-Leddihn vorlegen
konnten. Was vorher undenkbar war, wurde hier sofort umgesetzt. Seine
Hoheit und Eminenz informierte unverzüglich S.E. den Großkomtur und die
Kanzlei und der Antrag konnte bereits am nächsten Tag im Souveränen Rat
behandelt werden. „Solche Anträge dürfen nicht warten. Wenn es Probleme
gibt, bitte mich direkt anzurufen“, so der neue Großmeister.
Schon in Lourdes hatte uns Seine Hoheit und Eminenz informiert, dass er
im Rahmen eines Privatbesuches das Internationale Malteser Sommerlager,
welches heuer zum 25-igsten Mal und in Stams/Tirol stattfindet,
besuchen möchte. Auch hier erkennt man den erfahrenen Businessman, das
Programm wird kurz erörtert und sogleich werden die Flüge von England
fixiert. „Nein, ich komme nicht zur Eröffnung. Ich will die Mitarbeiter
und die Betreuten besuchen und am Camp soweit als möglich 2 Tage lang
teilnehmen.“
Zwei Episoden vom heurigen Lourdeszug zeigen, wie sehr unser
Großmeister mit unseren Herren Kranken verbunden ist. Bei seinem
unangekündigten Besuch im Hospiz kam er eine halbe Stunde früher als
geplant und überraschte das Empfangskomitee, Kanzler Richard Steeb und
mich, im Hemd bei der Ausgabe des Abendessens. Unsere Entschuldigung
kommentierte er lachend mit der Bemerkung: „wie gerne wäre ich an Eurer
Stelle“. Am nächsten Tag beim Einladen am Bahnhof waren wir in
Erwartung Seiner Hoheit und Eminenz korrekt gekleidet und der
Großmeister kam uns im Hemd, unseren Freddy Himmelfreundpointner im
Rollwagen schiebend, entgegen. „Ich habe 15 Jahre lang als Brancadier
geholfen, warum soll ich es als Großmeister nicht machen“, war sein
lächelnder Hinweis. Verständlicherweise waren unsere Pilger und
Mitarbeiter hellauf begeistert.
Unkompliziert, offen, direkt, warmherzig und hilfsbereit, humorvoll und
voller Tatendrang, dabei jedoch respektvoll und bescheiden, so würde
ich ihn beschreiben.
Der Herrgott, unser liebe Frau von Philermos, der Hl. Johannes der
Täufer haben schützend die Hand über unseren Orden gehalten und mit der
Hilfe des Hl. Geistes die rechte Wahl herbeigeführt, davon bin ich ganz
überzeugt.
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Norbert Salburg-Falkenstein

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