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Malteser Groß-Einsatz bei der Fußballeuropameisterschaft EURO 2008 in Wien
Ein paar Wochen danach kann der
Malteser Hospitaldienst Austria über den größten Einsatz seiner
Geschichte positiv Bilanz ziehen. Doch zuerst zu den Anfängen …
Seit der Vergabe der EM 2008 an Österreich und die Schweiz stand fest,
dass Wien nicht nur ein sondern der Austragungsort der wichtigen Spiele
sein würde. Um eine ausreichende und, wie sich am Ende herausstellen
sollte, vorbildliche Versorgung der Fans zu garantieren, wurde das
„Sanitätsteam Wien“ ins Leben gerufen. Dieser Zusammenschluss, kurz und
umgangssprachlich „SanTeamWien“, aus den vier Rettungsorganisationen
Wiens (Johanniter, Arbeiter-Samariter-Bund, Malteser Hospitaldienst und
Rotes Kreuz), dem Wiener Krankenanstaltenverbund, der Wiener Rettung,
des Bundesheers und der Magistratsdirektion für Krisenmanagement und
Sofortmaßnahmen (MDKS) wurde mit der Planung und Durchführung der
Sanitätsversorgung zum einen der Fanzone am Ring, und zum anderen der
nicht-polizeilichen Gefahrenabwehr, welche eine
Katastrophenschutz-Reserve an Rettungseinheiten für das Wiener
Rettungssystem und die Fanzone bedeutete, beauftragt.
 Fußballgenuß des Ambulanzteams bei der EURO 2008.
Besonders
erfreulich für die Malteser war es, bei so einem Einsatz auch in der
Organisation vertreten zu sein, da wir – obwohl nur ca. 1% des
Krankentransportwesens, gleichberechtigt, an einem Tisch mit weitaus
größeren Organisationen sitzen und unsere Fähigkeiten unter Beweis
stellen konnten. Als Vertreter der Malteser im Gesamt-Stab konnten
Mario Spanyi ins Personal-, Katharina Aretin ins Logistik- und Philipp
Lütgendorf ins Presse-Team entsendet werden. Die unzähligen Sitzungen,
Übungen, Arbeitstreffen begannen im Sommer 2006, die „heiße Phase“
wurde seit dem Sommer 2007 immer intensiver.
Intensive Vorbereitungen
Nicht nur im Gesamtstab wurde gearbeitet, auch ein „Stab-Rück“, eine
gegliederte Einsatzführung für den Bereich Wien, musste gebildet
werden. Als Einsatzleitung wurde aufgrund der Größe und Tragweite des
Einsatzes die Bereichsleitung von Wien bestellt, die sich alsbald
erfahrene Routiniers und involvierte Referenten ins Team holte. Seit
Jahresbeginn wurde fleißig geplant, kalkuliert, Material und
Medikamente bestellt, Listen geführt, der Börseplatz gedanklich
umstrukturiert, Bekleidung aufgestockt und die Anspannung wurde immer
größer. In der Woche vor Start der EM ging es dann auch sichtbar zur
Sache: das Valletta wurde zum Aufenthalts- und TV-Raum umgestaltet, der
EH-Kursraum im ersten Stock zu einer riesigen Apotheke und
Material-Station umfunktioniert, Lern- und PC Arbeitsplätze im Clubraum
und der Ordination installiert, das Kopierzimmer zu einem zusätzlichen
Schlafraum mit neuen Stockbetten umgebaut, eine vergrößerte Parkzone
inklusive Stromversorgung für alle Autos auf der gegenüberliegenden
Straßenseite errichtet, und – kurz gesagt – vieles auf den Kopf
gestellt um den Börseplatz auch endgültig Euro-fit zu machen.
Dann kam der Startschuss:
am 7. Juni begann der Einsatz auf den so viele – teils gespannt aber
freudig – erwartet haben. In den 3 Wochen des Fußballturniers waren die
Malteser an vielen verschiedenen Orten im Einsatz: in drei
unterschiedlichen Sanitäts-Hilfsstationen (SanHist’s) in der Fanzone am
Ring (Heldenplatz, Burgtheater und Rathausplatz), in der Fanzone im
Hanappi-Stadion, in der MedBV, einem Mini-Spital im Rathaus, in der
SanHist Stadionbad (man müsst schon fast Sanitäts-Stadt sagen), welche
die primäre Versorgung des Praterstadions innehielt, und – in den
Bereitschaftsdiensten – am Börseplatz. Nicht nur die Orte, auch die
Dienste waren unterschiedlich, so konnte man entweder in einer SanHist,
einer mobilen Einheit am Notarzt- oder Rettungswagen, als Schnell- oder
Transporttrupp zu Fuß in der Fanzone, als Beleuchtungs- oder
Betreuungs-Team, oder als Kommando zur Führung weiterer Einheiten im
Ernstfall Dienst tun. Man kann sich nun vorstellen, dass die tägliche
Spannung nicht nur den Ausgang des jeweiligen Fußballspiels, sondern
auch die Diensteinteilung als Grund hatte!
Um diese ganze Vielfalt an Dienstarten- und -orten auch in Zahlen zu
fassen, nun zum wirklich „Unglaublichen“ dieses Einsatzes: in den 23
Euro-Tagen waren nicht weniger als 386 Personen im Einsatz, welche
insgesamt fast 21.000 Dienststunden geleistet haben. Täglich wurden im
Durchschnitt 103 verschiedenen Mann-Dienste und ca. 906 Dienststunden
geleistet. Nicht erfasst sind in diesen Zahlen die unzähligen
Vorbereitungs- und Administrativ-Stunden aller Referenten und
Stabsmitglieder, welche gemeinsam mit der Einsatzleitung in einem
4-wöchigen Dauereinsatz waren. Von den 386 Diensttuenden waren 149
Mitglieder des Malteser Hilfsdienst (MHD) aus Deutschland, ohne welchen
der Einsatz in dieser Größe nicht zu bewältigen gewesen wäre. In
wöchentlicher Rotation kamen zwischen 30- und 60-köpflige Mannschaften
aus ganz Deutschland (von Bayern bis Aachen) zu den Wiener Maltesern
angereist um gemeinsam, bunt gemischt und ebenso ehrenamtlich Dienste
zu machen. Schnell wurde festgestellt, dass das gemeinsame Kreuz auch
das schlimmste Österreich-Deutschland-Match aushält und es war schön zu
sehen, dass nicht nur die meisten Deutschen nach einer Woche nicht
heimfahren, sonder auch die Österreicher die „ausländischen Helfer“
nicht gehen lassen wollten. Mit einem Abschieds-Frühstück, vielen
Handschlägen und Umarmungen und noch mehr Gruppen- und Erinnerungsfotos
wurden wöchentlich die einen verabschiedet und die anderen empfangen.
Große Herausforderungen meistern
Nach all den Zahlen, Namen und Fakten muss man nun Resümee ziehen, „was
von der Euro übrig blieb“: Die Malteser haben bewiesen, dass sie nicht
nur bei einem Einsatz dieser Größe dabei, sondern auch große
Herausforderungen gemeistert werden können. Wir haben gesehen, dass
bereichs-, organisations- und grenzübergreifende Einsätze nicht nur
schön, sondern auch wichtig sind um sich auszutauschen,
weiterzuentwickeln und gemeinsam unter dem achtspitzigen Kreuz Dienst
zu tun. „Es war ein anstrengender aber wunderbarer Einsatz, der uns die
Chance gegeben hat, zu zeigen, was wir leisten können. Den
ehrenamtlichen Mitgliedern des MHDA und des MHD, und dem Sanitätsteam
Wien gilt mein Dank dafür, dass wir die Euro 2008 so reibungslos und
erfolgreich in Erinnerung behalten dürfen“, schließt Erik Bolldorf,
scheidender Bereichsleiter von Wien und Malteser-Einsatzleiter der EM.

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