Malteser Kreuz

Sani-Drill-Wochenende der steirischen Ausbildungsgruppe (AB) 2008

Dass die Ausbildung zum Rettungssanitäter nicht nur aus grauer Theorie, sondern auch aus schweißtreibender Praxis besteht, davon konnten sich die Teilnehmer am Sani-Drill-Wochenende von 8.2. bis 10.2. 2008 in Lassing überzeugen.

Freitag 14.00 Uhr: Im Innenhof der Bereichszentrale in Graz fand sich eine Gruppe Rettungssanis und Ausbildungsgruppenmitglieder ein und nachdem das Material in Fahrzeugen und Anhängern verstaut war, begann die Fahrt in die Obersteiermark.


Motivierte Ausbildungsgruppe in der Steiermark

Trotz kurzer Verzögerung schafften wir es planmäßig ins Quartier, das Gästehaus der Stiftung Theresianum. Um keine Langeweile aufkommen zu lassen, nahmen wir den Unterricht gleich nach der Ankunft auf. In Gruppen aufgeteilt wurde der wissbegierige Nachwuchs auf die Fahrzeuge und San-Geräte eingeschult, trotz beträchtlicher Minustemperaturen.
Nach dem Abendessen bildete ein Vortrag von Peter Hohenberg über den Souveränen Malteser-Ritter-Orden den Abschluss des Anreisetages. Anschaulich beleuchtete er das vom Orden seit über 900 Jahren betriebene Sanitätswesen und rundete damit das Programm ab. Vor dem Zapfenstreich bot sich noch die Gelegenheit zum Austausch und sogar ein Wiener AB-Mitglied schaute auf einen Kurzbesuch vorbei.

Gute Koordination

Samstag 08.45 Uhr: Die Übungsleiter wurden durch die beiden nachgereisten Ärzte ( Nikolas Gerstgrasser, Max Jordis) verstärkt, die Teilnehmer in vier Kleingruppen zu maximal vier Leuten aufgeteilt. In Rotation begann der Stationsbetrieb. Während eine Gruppe interne Notfälle, Schock, Blutdruckmessen, Blutzuckermessen, Verbandskunde und Assistenz des Arztes durchnahm, schwitzte die zweite Gruppe beim Megacode Training. Die Ärzte kannten keine Gnade und spielten über die vollelektronische Reanimationspuppe die schlimmsten Szenarien ein. Zum Abschluss übte jede Gruppe eine Reanimation mit Assistenz des Notarztes voll durch. Währenddessen wurde die dritte Gruppe im Keller und im Stiegenhaus mit der Schaufeltragenbergung und Sandwichtechnik vertraut gemacht. Das opulente Mittagsmahl brachte allen die längst nötige Pause.


Einsätze so realistisch wie möglich üben

Frisch geduscht und gestylt (eigentlich nur die Damen) ging’s abends zum Bratl-Schießen. Nach kurzer Autofahrt erreichten wir den Lassinger See, wo bereits der Schweinsbraten auf uns wartete. Nach dem Abendessen ging’s hinaus in die Kälte und nach kurzer Einweisung im Eisstockschießen durch Förster Mündler ergab sich ein erbitterter Kampf der Moarschaften (Mannschaften). Jedoch forderte die Kälte ihre Opfer und nur ein harter Kern blieb auf dem Eis, um den von Herrn Mündler fürsorglich zubereiteten Schützentee zu genießen und sich im sportlichen Kampf zu messen. Rechtzeitig kehrten wir nach Hause zurück.

Am Sonntag noch einmal richtig zupacken

Am Sonntag, nach der Hl. Messe, wurden die Opfer geschminkt und in ihre Rollen eingewiesen. Übungsbeginn: Die Unterkunft stellte eine Rettungsdienststelle dar. Die Teilnehmer wurden in Teams von zwei bis drei Leuten eingeteilt (entsprechend einer RTW-Besatzung). Die Alarmierung der Mannschaften erfolgte über die Leitstelle mittels Funk, die Teamleiter hatten über Funk sämtliche Meldungen wie im Rettungsdienst abzusetzen. (Status, Notarzt Nachforderung, Nachforderung Spezialkräfte etc.)
Station 1: Ein Kletterer ist aus der Wand gefallen und liegt schwerverletzt im Steinbruch Lassing. Bei dieser Station kam es auf die richtige Handhabung von Stiffneck, Schaufeltrage und Vakuummatratze an. Durch das schwierige Gelände und den schwer zugänglichen Unfallort sollten die Übungsteilnehmer gezielt an Grenzen geführt werden, um sie für möglichst kräfteschonende Arbeitsweisen zu sensibilisieren. Diese Station forderte den Teilnehmern einiges ab: allein die Entfernung zum Auto betrug 200m durch schmelzwassernasse Schotterhalden. Jedes Gerät, das vergessen wurde, rächte sich... Zudem war Kommunikation mit der Leitstelle nur über das im Auto eingebaute Funkgerät möglich.
Station 2: Im Wellnessbereich des Hotels ist einem älteren Herrn schwindlig geworden, Übungsannahme Herzinfarkt. Im Ruheraum der Sauna wurde der Herzstillstand simuliert, den es dann an der Megacodepuppe zu bekämpfen galt. Der Arzt überprüfte an dieser Station noch einmal das bereits am Vortag eingedrillte Vorgehen bei der Reanimation und konnte sich so von seinem Lehrerfolg überzeugen.
Station 3: Verkehrsunfall auf der Zufahrt von Burg Strechau. Die Teilnehmer sollten das im Auto sitzende Opfer bergen und anschließend entsprechend versorgen. Der ebenfalls unter Schock stehende Beifahrer war zu betreuen, wurde dies verabsäumt, verschwand er im Gebüsch. Sehr überzeugend gaben die verunglückten Verkehrsteilnehmer durch entsprechende Kleidungsstücke und den veralteten Fiat Panda vor der Kulisse von Burg Strechau ein erschreckendes Bild ab. Der Stationsarzt sorgte mit Liebe zum Detail für ein reales Szenario und nicht der kleinste Fehler entging seinen Augen.
Station 4: Bewusstloser Patient liegt im Schnee, Übungsannahme alkoholisierter Landwirt am Weg nach Hause gestürzt. Hier wurden Versorgungsversuche und Abtransport überwacht.
Nach dem Übungsende gab es ein kurzes Feedbackgespräch, im Anschluss wurde das Material bis ins kleinste Detail gereinigt. Gegen 19.30 Uhr waren wir in Graz und konnten das Material versorgen, und um 21 Uhr war jeder froh, dass ein langes, lehrreiches, aber auch lustiges Wochenende vorbei war.

  •  Jörg V. Binder

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Letztes Update dieser Seite: Mittwoch, 23. April 2008 um 21:04:51 Uhr
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