Malteser Kreuz

15 Jahre Aids-Dienst Malteser

Aus einer Begegnung am Mozartsteg wuchs der ADM
zu einer fixen Größe der Malteser Nächstenliebe heran.

Im Juli 1992 hatte ich in Salzburg eine mich tief berührende Begegnung mit einem blutjungen Aidskranken. Zusammengekauert saß er unter Bettlern am Mozartsteg. Die Verzweiflung in seinen Augen ließ mich fortan nicht mehr los. Zur selben Zeit machte ein befreundeter Mitarbeiter des Malteser Alten- und Krankendienstes eine ähnlich einschneidende Erfahrung. Wir beide waren uns einig, dass wir etwas tun müssten.


Waldspaziergang mit dem ADM

In der festen Absicht dieser Not zu begegnen, holten wir Rat. Neben der beherzten Antwort von Daisy Waldstein: „Da müsst ihr eben ein Hilfswerk gründen“, wies uns ein Vortrag von Kardinal O’Connor, damals Erzbischof von New York, den Weg.

Vorbild Kardinal O’Connor

Der Kardinal hatte diesen im Rahmen einer auf Wunsch von Johannes Paul II veranstalteten Konferenz zur Pastoral an AIDS-Kranken 1989 in Rom gehalten. Er selbst saß damals, trotz vieler Anfeindungen, nächtelang am Krankenbett sterbender AIDS-Patienten.
Da sich das neue Aufgabenfeld nicht in die bestehenden Strukturen eingliedern ließ, mussten wir ein eigenes Hilfswerk gründen.
Die folgenden Monate waren ausgefüllt mit Vorbereitungen, sowie mehreren Vorsprachen bei Kardinal Groer, intensive Kontaktaufnahmen mit Prim. Dr. Norbert Vetter, der Oberschwester und einem Dipl. Krankenpfleger an der Lungen- und Aidsstation im Otto-Wagner-Spital, Beratungen mit Dr. Hubert Hartl (damals Assistent am Institut für Sozial- und Arbeitsmedizin der Univ. Wien), mit Pater Ulrich Zankanella OFM und Pater Clemens Kriz OSSTr. Ein befreundeter Rechtsanwalt half uns bei der Erstellung der Statuten.


Tiere im Programm …

Über allem aber stand von Anfang an das Wohlwollen unseres unvergessenen Fürstgroßprior Frà Wilhelm von und zu Liechtenstein und des Souveränen Rates in Rom.
Unsere Gruppe bestand damals aus sechs Damen und vier Herren.
Die Tätigkeit des ersten Jahres erstreckte sich hauptsächlich auf drei Bereiche:
* Aufklärungsvorträge über das HI-Virus (Humanes Immundefiziens Virus) und die Erkrankung
* Kontaktaufnahme zu anderen auf diesem Gebiet bereits tätigen Organisationen,
* Suche nach geeigneten Mitarbeitern und Sponsoren
Von einem spontanen Besuch beim damaligen Bürgermeister
Dr. Helmut Zilk führte uns der Weg bis hin zu schillernden Faschingsfesten und sonstigen Veranstaltungen.

Gründliche Vorbereitungen

Nach einer gründlichen Vorbereitungszeit absolvierte die erste Gruppe des ADM im Juni 1993 eine theoretische und praktische Ausbildung an der Aidsstation Annenheim auf der Baumgartner Höhe, Otto-Wagner-Spital. Ab September 1993 begannen wir dann mit einem geregelten Betreuungsdienst im Annenheim.
Bis 1998 stand keinerlei HIV Therapie zur Verfügung. Daher war in diesen Jahren unsere Arbeit ausgefüllt von tätiger Sterbebegleitung. Durch Gespräche, stundenlanges Beisammensein, finanzielle Unterstützung, unterschiedliche persönliche Hilfsdienste wie z.B. Maniküre und Haare schneiden, Anschaffung eines bequemen Sessels, Rollstuhls oder einer Blindenuhr, bemühten wir uns, die Lage der Patienten zu erleichtern.
Auch war es uns immer ein dringendes Bedürfnis, durch geeignete Aufklärungstätigkeit in der Gesellschaft auf die Würde der Patienten hinzuweisen. Zu dieser Zeit war eine positive Diagnose HIV das absolute Todesurteil mit einer Lebenserwartung von höchstens 2 Jahren.
Die Not und Einsamkeit der meist jungen Patienten, die soziale Ausgrenzung und vermeintliche Gottverlassenheit waren unser Antrieb. Die Panikmache der Medien, verbunden mit der verständlichen Angst der Gesellschaft, man könnte angesteckt werden, sowie das vorschnelle Urteil, der Lebenswandel der Betroffenen sei deren eigene Schuld, machte die Situation der Kranken noch schwerer.
Doch sind Vorurteile und Angst die falschen Ratgeber AIDS zu begegnen. Nach wie vor beträgt die Inkubationszeit 10 – 15 Jahre. Nach wie vor wird das Virus durch alle Körperflüssigkeiten weitergegeben, auch durch Muttermilch.

Aufklärung weiter notwendig

Vor allem heute, da die Seuche auch in Europa schon lange nicht mehr auf Risikogruppen alleine beschränkt ist, erfahren die betroffenen Frauen und Männer von ihrer positiven Diagnose oft erst beim Ausbruch des ersten Infektes. Einer unwissentlichen Weitergabe der Krankheit ist damit Tür und Tor geöffnet.
Besonders gefährdet sind in diesem Fall ganz junge Menschen in jenen Momenten, in denen die Leidenschaft über den Verstand siegt. Die Einsamkeit und Orientierungslosigkeit vieler Jugendlicher leistet dieser Situation Vorschub.
Mit den ersten HIV-Therapiemöglichkeiten seit 1998 veränderte sich unser Aufgabengebiet grundlegend. Trotz der drastischen Verlängerung der Lebenserwartung begegnen wir in hohem Maße nach wie vor sozialer und finanzieller Unsicherheit, Einsamkeit und Depression. Heute ist der Anteil der infizierten Frauen im Alter von 18 – 25 Jahren in erschreckendem Maß gestiegen. Trotz vieler Todesfälle ist die Anzahl der von uns Betreuten mit 50 bis 60 Patienten gleich geblieben.
Auch beteiligten wir uns am Zustandekommen einer HIV spezifischen Heimbetreuung ("HIV MOBIL") in Wien.

Wege zum Glauben

Neben der persönlichen Betreuung, Ausflügen und der schon traditionellen Weihnachtsfeier, veranstalten wir seit eineinhalb Jahren, ohne Sommerpause, einen monatlichen Jour Fixe, der sich großer Beliebtheit erfreut. Uns Betreuer freut und erstaunt die Tatsache, dass sich durch unsere Romfahrten 2001, 2002 und 2004 unsere Patienten für religiöse Lebensfragen offener zeigen, und so mancher seinen Weg zu Gott und seiner Kirche findet.
Durch die große soziale Bandbreite unserer Gruppe, Betreute wie Betreuer, ist der Lernprozess beider Seiten enorm und fruchtbar, wofür wir dankbar sind.

  •  Wilburg Helbich-Poschacher

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Letztes Update dieser Seite: Mittwoch, 23. April 2008 um 20:57:50 Uhr
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