Malteser Kreuz

Nachruf auf 78. Fürst und Großmeister Fra’ Andrew Bertie

Andrew Willoughby Ninian Bertie war der erste Brite in der neunhundertjährigen Geschichte des Ordens, als er am 8. April 1988 zum Großmeister gewählt wurde. Am 15. Mai 1929 geboren, wurde er 1956 in den Orden aufgenommen, legte 1981 die ewigen Gelübde ab und wurde sogleich als Mitglied in den Souveränen Rat (die Ordensregierung) berufen.




Seine Hoheit und Eminenz, Fra’ Andrew Bertie, der 15 Sprachen beherrschte, war Wegbereiter der starken Expansion des Malteserordens. Er setzte sich besonders für die Ausweitung humanitärer Projekte und von Hilfseinsätzen zugunsten von Armen und Notleidenden ein. In seiner Amtszeit nahm die Zahl der Ordensmitglieder stark zu und es konnte die Zahl der bilateralen diplomatischen Beziehungen des Ordens auf 100 erweitert werden. Zu den sensiblen Aufgaben der diplomatischen Vertretungen des Ordens gehört u. a. der Beistand nach Naturkatastrophen oder bei kriegerischen Konflikten. Sein Verdienst ist es, die inneren Strukturen und die Verwaltung des Ordens an die neuzeitlichen Bedürfnisse angepasst und die Abhaltung bedeutsamer internationaler strategischer Konferenzen gefördert zu haben. Er hat stets den spirituellen Auftrag des Ordens bei der Hilfe für die Armen und Bedrängten betont und durch sein beispielhaftes Leben die Treue zu den christlichen Werten vorgelebt. Fra’ Andrew Bertie war ein Mann mit vielfachen Interessen, von demütiger Bescheidenheit, mit feinem Humor, auch mit unverkennbar britischer Reserviertheit, doch hoch geschätzt von seinen Mitarbeitern und allen, die ihn kennen lernen durften. Auf seinen Reisen rund um den Erdball, unterwegs zu den humanitären Aktivitäten des Ordens, besuchte er auch häufig Österreich. Dadurch war er auch mit unserem Großpriorat und unseren Hilfswerken bestens vertraut und verbunden. Es war ihm stets ein Anliegen und eine große Freude, den Betreuten und den Jungen zu begegnen. Mit Respekt sprach er oft vom freiwilligen und ehrenamtlichen Dienst und hatte Hochachtung vor den Leistungen, der Professionalität und dem Engagement unserer Helfer. Seine Wertschätzung für unsere Arbeit in Österreich und seine genaue Kenntnis erleichterten zahlreiche Entscheidungen wesentlich und mit großer Dankbarkeit denke ich an die vielen Gespräche und Begegnungen in Lourdes, Wien oder Rom, bei denen Seine Hoheit und Eminenz uns mit einer von Herzen kommenden Güte unterstützt hat. Diese große Ehre ist uns auch eine Verpflichtung für die Zukunft.
Auch mit der Republik Österreich und ihren Bundespräsidenten hatte Seine Hoheit und Eminenz immer eine besonders freundschaftliche Beziehung. So fand nach 1963 unter Bundespräsident Dr. Thomas Klestil 1999 wieder ein offizieller Staatsbesuch des Großmeisters in Österreich statt. Zuletzt war Bundespräsident Dr. Heinz Fischer am 6. Oktober 2006 zu einem Staatsbesuch beim Orden in der Villa Magistrale am Aventin. Der offizielle Gegenbesuch Seiner Hoheit und Eminenz, der zeitgleich mit der 50-Jahrfeier unseres Hospitaldienstes für Juni 2007 geplant war, musste dann wegen einer plötzlichen Erkrankung des Großmeisters leider abgesagt werden.
Der allzu frühe Tod Seiner Hoheit und Eminenz, des 78. Fürsten- und Großmeisters, der den Souveränen Malteser-Ritter-Orden seit fast 20 Jahren segensreich geleitet hat, ist eine große Prüfung für den gesamten Orden und seine Hilfswerke. Es wird an uns liegen, unserem Ordensauftrag gemäß seinem Beispiel folgend für den Glauben einzutreten, Berufungen zu fördern und mit größtem Einsatz unseren „Herren Kranken“ zu dienen, zur Ehre Gottes, für den Frieden in der Welt und zum Wohl unseres Ordens.
R. I. P.

  •  Norbert Salburg-Falkenstein

Seite ausdrucken: einfach hier klicken!

 

Letztes Update dieser Seite: Mittwoch, 23. April 2008 um 19:24:56 Uhr
© 2012 - Malteser Kreuz