Malteser Kreuz

Malteserritter in kaiserlichen Kriegsdiensten

Robert L. Dauber: „Johanniter- und Malteserritter unter kaiserlichen Fahnen 1523–1918“, Weishaupt-Vlg. Gnas 2007, ISBN 978-3-7059-0261-9; 272 Seiten, ca. 200 teils farbige Abb., geb., Preis: Euro 49,90

Die Präsenz der Johanniter/Malteser erstreckte sich - militärgeschichtlich gesehen - vom Ende des Mittelalters bis zum Jahre 1918, also von der Zeit der gepanzerten Ritter bis zur Zeit der Massenheere und auch bis zum Einsatz von damals modernen Johanniter-Malteser-Sanitätszügen. In dieser langen Zeitspanne von vier Jahrhunderten änderte sich nicht nur das Erscheinungsbild der Kriege sondern auch das Berufsbild des Militärs grundlegend.
Der eigentliche biografische Inhalt dieses Buches wird daher in vier militärhistorische Zeitabschnitte gegliedert. Innerhalb dieser Hauptabschnitte versucht der Autor sehr anschaulich, dem Leser in wenigen kurzen Kapiteln die wichtigsten militärhistorischen Charakteristika dieser Zeitabschnitte, die Entwicklung der militärischen Berufsbilder der kaiserlichen Truppenführer einerseits und der sozialen Situation der religiösen Johanniter-Malteserritter andererseits als Hintergrund für die betreffenden Einzelbiografien zu vermitteln.
Den eigentlichen Schwerpunkt dieses Buches bilden mehr als 65 militärische und zugleich ordensbezogene, wissenschaftlich-akribisch recherchierte Einzelbiografien katholischer und evangelischer Johanniter-Malteserritter, welche zwischen 1523 und 1918 unter kaiserlichen Fahnen gedient hatten. Die zeitliche Reihung dieser Persönlichkeiten erfolgte nach Lebensalter und Schwerpunkten ihrer militärischen Tätigkeit.
Bei der Auswahl der einzelnen Biografien von Johanniter-Malteserrittern unter kaiserlichen Fahnen, orientierte sich der Autor nach dem verfügbaren und aufgefundenen Quellenmaterial sowie Wissensstand, ebenso nach der militärischen Bedeutung und dem Rang der betreffenden Ordensritter in den kaiserlichen Heeren. Daher wurden in dem vorliegenden Werk auch mehr Johanniter-Malteserritter in kaiserlichen Generalsrängen als in niedrigeren Chargen behandelt. Innerhalb dieser Sachzwänge war der Autor bemüht, zumindest eine gewisse konfessionelle Ausgewogenheit zwischen den präsentierten katholischen und evangelischen Johanniter-Rittern anzustreben. Die umfangreiche Dokumentation der Bibliographie unterstreicht diese Bemühung.
Wie der Autor in seinem Vorwort erwähnt, erstreckten sich die für dieses Buch notwendigen Forschungsreisen über Jahre und führten ihn in Archive, Forschungseinrichtungen und Ordensbesitzungen in Deutschland, Schweiz, Österreich, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Slowenien, Kroatien, Italien, Spanien - und nicht zuletzt in Malta.
Es ist dem Autor absolut gelungen, die Darstellung der Themen im Sinne des großen Historikers Carl J. Burckhardt auch von „… der Öde der Unterwerfung unter engste Regeln der Dokumentation“ zu befreien, indem er in fundierter Assoziation jene Zusammenhänge und menschlichen Schicksale darzustellen versucht, die sich - aus obgenannten Gründen - einer peniblen Quellenzitierung entziehen. Demselben Zweck, die geschilderten Personen in ihrer menschlichen Dimension näher zu bringen, diente das Eingehen auf einzelne dramatische Lebensschicksale, die vom Sklaven bis zum Vizekönig und Kardinal reichten, sowie auf einzelne menschliche Eigenarten und Skurrilitäten.
Einer zeitgemäßen Anschaulichkeit dient auch die Präsentation von vielfach erstmals veröffentlichtem Bildmaterial, bestehend vor allem aus Porträts oder anderen personenbezogenen Attributen der präsentierten kaiserlichen Offiziere und Johanniter-Malteserritter in Farbe und in Schwarzweiß.
Das Buch demonstriert somit sehr anschaulich, dass es aus dem in der heutigen Diktion durchwegs als religiös-militärisch-fundamentalistisch benennbaren Kreuzfahrerorden, schon seit rund eineinhalb Jahrhunderten gelungen ist, auch in seinen verschiedenen Zweigen und Traditionsnachfolgern, seinen Aktionsradius auf ein heute ausschließlich hospitalär-karitativ-humanitäres, global ausgerichtetes Aufgabengebiet rückzuverwandeln. Der Autor bezeichnet dies als wohl eine der gelungensten Metamorphosen einer über 900 Jahre lang existierenden europaweit agierenden Institution.
Der Abschnitt VIII, „Nachklänge 1918-2006“ fasst die umfassenden und zeitgemäßen Tätigkeitsgebiete der beiden Ritter-Orden nach dem Zusammenbruch der Monarchie zusammen.

  •  Georg Reichlin-Meldegg

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Letztes Update dieser Seite: Montag, 17. Dezember 2007 um 20:17:55 Uhr
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