Malteser Kreuz

Vézelay 2007 - Eine spirituelle Woche in der Burgunder Romanik

Burgund im Sommer war eine große Reise wert – fanden einige unserer Mitglieder … und so begaben sie sich in die berühmte französische Weingegend.

Alles fing damit an, dass mich Moritz Röttinger vor etwa einem Jahr im Rahmen einer Rochusmesse fragte, ob ich nicht Lust hätte, auf eine spirituelle Woche mit Betreuten und Maltesern nach Vézelay ins Burgund zu fahren. Vézelay sagte mir gar nichts, Burgund natürlich schon, und gegen einen Sonderdienst – von Moritz – organisiert, hatte ich absolut nichts einzuwenden. Nach Lourdes 2007 entbrannte ein Emailkrieg zwischen uns, wer von den Betreuten denn Interesse haben könnte, welche Malteser für einen eher kulturell-religiösen Sonderdienst zu haben wären und ganz wichtig: wir brauchten natürlich Fahrer, denn die französische Assoziation des Malteserordens stellte uns großzügigerweise drei Autos zur Verfügung.



Chateau de Villemolin - Schloss des burgunder Delegaten des SMRO.

Nachdem alle Teilnehmer – 7 Betreute in Rollstühlen und 12 Malteser – fixiert waren, stellten sich noch einige Fragen bezüglich des mitzunehmenden Materials, welches dann mit der Spedition Sobolak - wie schon öfter dankenswerterweise kostenlos – zwei Wochen vor uns nach Frankreich geschickt wurde. Und dann ging es schon los:
Wir trafen uns am 28. Juli am Flughafen Paris/Charles de Gaulles, um von dort die gemeinsame Weiterreise anzutreten (vier Teilnehmer flogen Paris von München an, die übrigen von Wien). Am Flughafen wartete Moritz bereits auf uns, ausgestattet mit Lunchpaketen und den drei Autos. Nachdem wir alles Material, Gepäck, Rollstühle, Betreute und Malteser auf die Autos verteilt hatten, ging die vierstündige Reise nach Vézelay los. Der Ort liegt in einer absolut bezaubernden Gegend auf einem Hügel, den man durch den gesamten Ort, durch enge Gassen hindurch erklimmen muss. Untergebracht waren wir im Maison St. Bernard, einer kleinen Herberge, die von den Fraternités Monastiques de Jérusalem betreut wird. Den ersten Schrecken bekam ich (und wahrscheinlich nicht nur ich), als wir dieses süße Häuschen betraten: alle Zimmer waren im ersten bzw. zweiten Stock. Was für uns bedeutete, jeden Tag sieben Rollstuhlfahrer hinauf und hinunter zu tragen, aber wir – oder besser gesagt „Moritz und die starken Männer“ – haben auch diese Herausforderung neun Tage lang großartig gemeistert.

Lange Anfahrt ins romantische Vézelay

Am nächsten Tag wurden wir zuerst von Sr. Colombe in die Geschichte der 1976 gegründeten Fraternités Monastiques de Jérusalem und ihre Aufgaben eingeweiht, dann gingen wir hinauf in die der Heiligen Maria Magdalena geweihte Basilika. Die intensive Weise der Feier der Eurcharistie und die vielstimmigen Gesänge der Schwestern und Brüder faszinierten uns schon bei dieser Sonntagsmesse zu Mittag.
Am Nachmittag brachte uns Sr. Colombe die Geschichte des Ortes und der zu Beginn des 12. Jahrhunderts erbauten Basilika nahe, wir konnten sehen, dass Vézelay eine der Etappen am Jakobsweg ist. Besonders bewunderten wir die romanischen Tympana im Narthex. Im Anschluss daran nahmen wir an der Vesper teil.



Wir genossen die Gastfreundschaft des Marquis de Certaines, der uns auf Villemolin herzlich empfing.

Tags darauf war ein Ausflug geplant: Wir fuhren in den Morvan (einen geschützten Regionalpark im Burgund) und besuchten die im 19. Jahrhundert gegründete Benediktinerabtei von Pierre-qui-Vire (= "Wackelstein") mit über 80 Mönchen, wo wir an der Sext mit gregorianischem Choral teilnahmen. Anschließend genossen wird im Rahmen eines Picknicks die prachtvolle Natur. Den Nachmittag verbrachten wir mit einer von Marquis Etienne de Certaines, dem burgunder Delegaten des Malteserordens, gesponserten Schiffsrundfahrt auf dem Lac des Settons. Zum Abendessen waren wir bei ihm und seiner Familie ins Château de Villemolin geladen und konnten dort in der Schlosskapelle auch eine Heilige Messe feiern.

Fahrt nach Fontenay

Einen weiteren Ausflug der besonders beeindruckenden Art durften wir am dritten Tag unserer Reise genießen: Wir fuhren nach Fontenay, um dort die prachtvolle romanische Zisterzienserabtei zu besichtigen, die seit der französischen Revolution zwar nicht mehr als Kloster besteht, deren Gebäude aber die letzten 200 Jahre ziemlich heil überstanden hatten. Sie gibt einen hervorragenden Eindruck, wie im 12. Jahrhundert eine klassische Zisterzienserabtei ausgesehen hat. Auch konnten wir den für die damaligen Zisterzienserklöster typischen, sehr schlichten und schmucklosen Raum der Kirche mit jenem von Vézelay vergleichen, der seinerseits mit prachtvollen Kapitellen wunderbar ausgeschmückt ist. Vézelay war ursprünglich eine Benediktinerabtei. Nach der Führung durch die ehemalige Abtei von Fontenay genossen wir die Sonne und labten uns mit einem Picknick. Abends besuchen wir wieder die Basilika in Vézelay und nahmen an Vesper und Heiligen Messe teil.
Am Mittwoch, dem 1. August, blieben wir wieder in Vézelay und ließen uns vom Prior Fr. Patrick die Symbolik in der burgunder Romanik erklären. Wenn man ein bisschen die Bedeutung der in der Romanik verwendeten Symbole versteht, eröffnet sich einem das großartige Programm dieser Kirchen: der quadratische Narthex im Gegensatz zur runden Apsis, 10 Querbögen im Hauptschiff, die für die 10 Gebote stehen, 4 x 10 Fenster im Hauptschiff als Symbol für die 40 Jahre bzw. 40 Tage, die Moses und das Volk Israel bzw. Jesus in der Wüste verbracht haben, die Symbolik der Lichtstrahlen, die durch die Seitenfenster einfallend je nach der Jahreszeit in der Mitte des Fußbodens des Hauptschiffs einen Lichterweg bilden oder direkt auf die gegenüberliegenden Kapitelle fallen. Am Nachmittag betrachteten wir an Hand der heiligen Schrift ausgewählte Kapitelle. Moritz erklärte uns die Darstellungen auf den Kapitellen und Rudi Schaffgotsch, der uns während der ganzen Reise als Priester und tatkräftiger Malteser begleitete, las uns jeweils die dazugehörenden Bibelstellen vor.

Meditation und Gebet im Kerzenschein

Einen der Höhepunkte dieser Woche gab es in dieser Nacht: Dank Moritz' engen und durch viele Besuche in Vézelay in den vergangenen zwei Jahren entstandenen freundschaftlichen Kontakten zu den Schwestern und Brüdern der Fraternités Monastiques de Jérusalem, die ja auch die Basilika betreuen, wurde uns ganz ausnahmsweise einer der zwei einzigen Schlüssel zur Basilika überlassen. So durften wir ganz alleine mitten in der Nacht die dunkle Basilika mit Kerzen in der Hand besuchen, in der Stille beten und meditieren und nochmals die Kapitelle betrachten und die grandiose Raumwirkung im Schein unserer Kerzen in uns aufsaugen. Sehr beeindruckt fielen wir in dieser Nacht in unsere Betten.
Nach dem eher ruhigen Vortag flogen wir wieder aus und fuhren nach Autun. Dort angekommen wurden wir von Pierre Boilard, dem Verantwortlichen des Malteserordens von Autun, aufs begrüßt und gleich zu einem köstlichen Mittagessen eingeladen. Im Anschluss daran wurde uns die Geschichte des Ortes und die Kathedrale St. Lazare mit ebenfalls beeindruckenden Kapitellen und einem wunderschönen Tympanon näher gebracht, letztere besichtigten wir ausgiebig. Auf der Rückfahrt nach Vézelay machten wir noch einen kurzen Stopp in Saulieu, um uns die dortige Basilika mit besonders gut erhaltenen polychromen Kapitellen anzusehen und rundeten den Abend wieder bei Vesper und Messe ab. Auch diese Nacht verbrachten wir in der Basilika von Vézelay, denn in jeder Nacht von Donnerstag auf Freitag ist dort das Allerheiligste zur Anbetung ausgesetzt - eine Gelegenheit, die wir alle gerne ergriffen.

Seele in Villemolin baumeln lassen

Am Freitag ließen wir auf Einladung des Marquis de Certaines und seiner Familie auf Château Villemolin die Seele baumeln. Etienne de Certaines führte uns zuerst durch sein Schloss, dann gab es einen köstlichen Mittagsimbiss, und den Nachmittag verbrachten wir im Swimmingpool und bei einer ausgeprägten Siesta im Schatten alter Bäume. Am späteren Nachmittag zogen wir wieder unsere Uniformen an, denn Etienne de Certaines hatte Gäste für uns eingeladen, unter anderen den Präsidenten der französischen Assoziation des Malteserordens Comte et Prince Dominique de La Rochefoucauld-Montbel und seine Frau, sowie den Delegaten des Johanniterordens im Burgund. Gemeinsam mit diesen Ehrengästen durften wir die Heilige Messe wieder in der Schlosskapelle feiern und wurden dann zuerst zu einem kleinen Champagnerempfang und später zu einem köstlichen Abendessen auf die Terrasse des Schlosses gebeten. Sehr schweren Herzens trennten wir uns von unseren reizenden Gastgebern, die uns nach Strich und Faden verwöhnt hatten, und den anderen Gästen und versprachen uns gegenseitig, uns im kommenden Jahr in Lourdes zu treffen.



Teilnehmer der Burgundreise in guter Stimmung.

Den letzten Tag verbrachten wir noch mit Spaziergängen durch Vézelay, sonnten uns bei Kaffee oder Cidre, konnten noch ein paar kleine Einkäufe machen und trafen uns bei einem Picknick auf der Terrasse vor der Basilika mit einem wunderbaren Blick über die Weinberge des Burgund. Am Nachmittag besuchten einige von uns noch den entzückenden Nachbarort St. Père am Fuß von Vézelay mit einer kleinen, aber architektonisch sehr interessanten gotischen Kirche und dann ging es schon ans Kofferpacken.

Heimreise nach einer beeindruckenden Woche

Nach dem Abendessen hatte sich Moritz etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Wir feierten eine Abschlussmesse in der Chapelle Sainte Croix ("Chapelle de la Cordelle") am Fuße des Hügels von Vézelay. Diese Kapelle ist der einzig erhaltene Rest der ersten Franziskanerniederlassung in Frankreich, die dort vom Hl. Franz von Assisi selbst gegründet worden war. Jetzt gehört sie zu einer kleinen Franziskanereinsiedelei. Das soll auch der Ort gewesen sein, wo 1146 der Hl. Bernhard von Clairvaux den 2. Kreuzzug gepredigt hat. Nach der Eucharistiefeier ließen wir den Abend bei Kerzenschein, Käse und Champagner im Garten vor der Kapelle ausklingen.
Die Tage im Burgund werden uns noch lange in Erinnerung bleiben, da uns der Aufenthalt durch die französischen Malteser besonders angenehm bereitet wurde! Ein herzliches Dankeschön geht natürlich auch an unseren Einsatzleiter Moritz Röttinger, der in gewohnter Manier diese Woche so wunderbar organisiert hat!

  •  Cornelia Ruber
Besonderer Dank gilt den zahlreichen Sponsoren und Unterstützern, die diese doch recht aufwändige Reise überhaupt erst ermöglicht haben, insbesondere der französischen Assoziation des Malteserordens, Marquis und Marquise Etienne de Certaines, der Spedition Sobolak, der Österreichische Vereinigung in Belgien, Rotary, der Delegation Wien/Niederösterreich des Großpriorates Österreich des Malteserordens, der Fraternités Monastiques de Jérusalem sowie etwa 40 privaten Spendern aus Wien und Brüssel, die sehr großzügig waren! Und ohne das große Interesse und Vertrauen unserer Betreuten und den vorbildlichen Einsatz aller Malteser wäre diese spirituelle Woche in der burgunder Romanik nicht so beeindruckend geworden!

Seite ausdrucken: einfach hier klicken!

 

Letztes Update dieser Seite: Montag, 17. Dezember 2007 um 21:00:14 Uhr
© 2012 - Malteser Kreuz