Malteser Kreuz

Papst Benedikt XVI. in Österreich

Großer Einsatz für die Malteser – Behindertenwallfahrt nach Mariazell –
Begleitung des Hl. Vaters

Als die Alitalia Maschine mit dem hohen Gast am Freitag, 7. September bei strömenden Regen in Wien Schwechat landete, waren alle Vorbereitungen der Malteser für den Einsatz um den Papstbesuch weitgehend abgeschlossen. Schon im frühen Planungsstadium in den Gesprächen mit dem Vorbereitungskomitee der Österreichischen Bischofskonferenz waren die drei Aufgaben für den Malteser Hospitaldienst Austria klar geworden:

  • Der Malteser Hospitaldienst war bei den Begegnungen mit dem Hl. Vater in Wien als leitende Sanitätsorganisation vorgesehen,
  • Die zentrale Behindertenwallfahrt nach Mariazell sollte vom MHDA organisiert werden und
  • Zum vierten Mal stellte der MHDA in den rund 60 Stunden, die sich der Hl. Vater in Österreich aufhielt, das Notarztteam, das für jeden Staatsbesuch vorgesehen ist.



Drei Planungsstäbe hatten in zahlreichen Sitzungen den ganzen Sommer über Vorbereitungen auf den unterschiedlichsten Ebenen getroffen: Es galt Absprachen mit Bundesheer, Polizei, Verfassungsschutz, anderen Rettungsorganisationen und natürlich mit dem Veranstalter zu treffen. In Wien war recht rasch klar, daß der Einsatz wieder von den „Vier für Wien“ getragen würde, Johanniter, Rotes Kreuz und Arbeitersamariter Bund hatten sich schon bei ähnlichen Einsätzen zu den vorhergegangenen Papstbesuchen als Partner und Unterstützer hervorragend bewährt. In Mariazell war diesmal vorgesehen, daß das Rote Kreuz Steiermark, unser bewährter Partner vom Mitteleuropäischen Katholikentag, diesmal allein die Sanitätsversorgung durchführen würde, dennoch galt es, Kontakt zu halten, da sowohl der päpstliche Konvoi mit Notarztwagen als auch die Wallfahrt der Behinderten mit den Einsatzplanungen des RK abzustimmen waren. Auch mit der Sicherheitsdirektion mußte in zahlreichen Besprechungen der Zufahrtsweg und vieles andere abgesprochen werden.
Was bei allen Absprachen aber nicht geplant wurde und werden konnte, war das Wetter – wie schon beim MEKT 2004 zeigte sich das Wetter auch diesmal von seiner unfreundlichsten Seite.
Erster Tag, Freitag 7. September 2007:
Schon um sieben Uhr früh trafen sich unser Leitender Notarzt Dr. Joachim Huber, den eine Zeitung gleich großzügig zum „Leibarzt des Hl. Vaters“ ernannte hatte, und sein Notarztteam in der Einsatzzentrale der Wiener Malteser am Börseplatz.
Der mit den neuen Emblemen des MHDA neu beklebte Notarztwagen M 1, ein Mercedes Sprinter mit den technisch und medizintechnisch neuesten Einrichtungen stand bereit, ebenso die notwendige Zusatzausstattung für alle Fälle. Phillip Lütgendorf hatte für diese drei Tage einen exacten Einsatzplan erstellt, galt es doch rund um die Uhr in der Nähe des hohen Gastes für alle Fälle zu Verfügung zu stehen.
Vom Eintreffen des Hl. Vaters am Flughafen „gehörte er uns“, wie es in der Einsatzsprache etwas vorlaut heißt, das heißt wir trugen die Verantwortung. Wohl hatte er seine beiden Leibärzte mit an Bord, aber im Notfall wäre es an unserer Mannschaft gewesen, zu Verfügung zu stehen.

Papst Benedikt XVI. erteilt über 4.000 Gläubigen den Segen bei der Messe am Hof in Wien.


Vorerst machte aber der Regen allen Planungen der Veranstalter schon am frühen Morgen einen Strich durch die Rechnung: Rund 80 Sanitäter, 3 Notärzte, 11 Notfallsanitäter und zahlreiche Helfer standen unter Führung des Bereichsleiters von Wien, Erik Bolldorf, zu Verfügung, um am ersten Platz der Begegnung am Hof die erwartete Menschenmenge betreuen zu können. In der geräumten Feuerwehrzentrale war eine Sanitätshilfsstation eingerichtet, weitere Hilfsstationen gab es auf der Freyung, am Graben und am Tiefen Graben.
Doch das Wetter machte alle Vorbereitungen zunichte: Schon um 10 Uhr waren Helfer und Besucher trotz Regenschutz bis auf die Haut naß, und das sollte sich auch nicht bessern. Als der Hl. Vater um 12 Uhr 45 am Platz eintraf, regnete es nach wie vor in Strömen: Die braven ausharrenden Schüler und vielen Gläubigen die gekommen waren, konnten das Geschehen auf der Terrasse vor der Kirche am Hof aber nur kurz verfolgen: Während der Predigt des Hl. Vaters löste sich unter dem Druck der enormen Wassermassen ein Zeltdach und ein Schwall Regenwasser ergoß sich über eine Hauptsicherung – damit fielen Mikrophon, Bildwände und alle technischen Einrichtungen aus. Große Enttäuschung bei den Ausharrenden, aber der Hl. Vater mußte seinem Zeitplan folgen: Weiter ging es zum Judenplatz, dort ein kurzes Gedenken und eine knappe Vorstellung, dann ging die Fahrt des Konvois weiter zur Apostolischen Nuntiatur in die Thersianumgasse. Der Notarztwagen M1 war schon seit dem Flughafen schließendes Fahrzeug im Konvoi, nun konnte auch seine Besatzung eine kurze Pause machen.
Am späteren Nachmittag dann der Besuch des Papstes bei Bundespräsident Heinz Fischer: Exakt um 17 Uhr 30 traf der Konvoi beim Bellariator der Hofburg ein, gleichzeitig begannen sich 15 Malteser und ein Notarzt auf den nächsten Programmpunkt vorzubereiten, Ambulanz bei der Begegnung des Hl. Vaters mit Vertretern des öffentlichen Lebens und des diplomatischen Corps in der Hofburg zu sein.
Ab 17 Uhr trafen die Gäste, die Bischofskonferenz, die Bundesregierung, das diplomatische Corps, zahlreiche Parlamentarier, im Zeremoniensaal der Hofburg ein, um der Ansprache des Papstes zu folgen. Um 1900 Uhr ging es dann zurück zur Nuntiatur, dort warteten bereits zahlreiche Gläubige, um dem Hl. Vater am Balkon der Nuntiatur zuzujubeln. Auch ein Rettungswagen der Malteser stand hier für die Zuschauer bereit. Das Notarztteam des Tages übergab an das Notarztteam Nacht, das gemeinsam mit dem päpstlichen Gefolge im nahe gelegenen Hotel in der Theresianumgasse Quartier bezogen hatte.
Das anhaltend schlechte Wetter ließ für den nächsten Tag, den Flug nach Mariazell Böses befürchten.
Wallfahrt gefährdet: Aus ganz Österreich sollten am Freitag nachmittag Autobusse rund 100 Behinderte und ihre Betreuer nach Lilienfeld bringen. In einer kleinen Station am Beginn der Wallfahrt sollte in der Stiftskirche eine gemeinsame Einstimmung erfolgen, ein Abendessen und dann Übernachtung in einer Schule und einer Pension in Lilienfeld. Dies sollte nur noch eine kurze Anfahrt am Folgetag notwendig machen.
Weit gefehlt: Ständig steigendes Hochwasser und schließlich die Gefahr der Überflutung Lilienfelds machte es notwendig, noch im Laufe des späten Vormittags die Planung für die Behindertenwallfahrt völlig umzustoßen. Die bereits aus Innsbruck weggefahrenen Pilger, sowie jene aus Salzburg wurden nach Steyregg umdirigiert, Delegat Niklas Salm-Reifferscheidt hatte blitzschnell eine Unterkunft organisiert. Die Pilger aus Graz, Wien und Linz starteten dann direkt zu nachtschlafener Zeit – ein Meisterwerk an Koordination der beiden Einsatzleiter Mario Spanyi und Eleonore Kunstmann, die wirklich alles taten, um die Wallfahrt dann doch noch stattfinden zu lassen.
Zweiter Tag, Samstag 8. September, Mariazell:
Dieser zweite Tag begann für alle recht früh: Unsere Behindertenwallfahrt war seit den späten Nachtstunden unterwegs, erste Teile trafen um 6 Uhr früh im naßkalten Mariazell ein. Gott sei Dank war vereinbart worden, daß die Behinderten den Gottesdienst in der Basilika verfolgen konnten, so daß sie nicht, wie die anderen fast 40.000 Pilger im strömenden Regen auf die Ankunft des Hl. Vaters warten mußten.
Auch für das Notarztteam begann dieser Tag früh: Gegen 0600 Uhr wurde klar, daß die Hubschrauber des Bundesheeres zwar fliegen könnten, die Wetterbedingungen aber so schlecht waren, daß man dem hohen Gast einen solchen Flug nicht zumuten konnte. Statt um 0830 Uhr per Hubschrauber sollte nun auf gesperrten  Straßen im Konvoi nach Mariazell gefahren werden. Unsere Begleitmannschaft, die auf zwei Hubschrauber verteilt war, mußte umdisponieren: Da der eigentliche Notarztwagen schon in Mariazell war, wurde kurzer Hand der Nachtwagen in Einsatz gestellt, das Hubschrauberteam (mit dem Autor am Steuer) übernahm den M1 und hielt tapfer bei einer doch sehr raschen Fahrt über Südautobahn, Semmering, Mürzzuschlag nach Mariazell mit. Jedenfalls traf der Hl. Vater mit nur geringer Verspätung ein, die Messe konnte, immer noch bei strömenden Regen, beginnen.


Ankunft des Papstes mit demWagenkonvoi in Mariazell.

Die behinderten Pilger und ihre Betreuer erlebten jetzt für sie den Höhepunkt des Tages: Der Hl. Vater zog mit seinem Gefolge durch das Haupttor der Basilika ein, verharrte kurz vor dem Gnadenaltar, um sich dann in die Sakristei zu begeben. Einziges Publikum in der Basilika waren unsere Betreuten und ihre Begleitung, ein einzigartiger Moment für viele. Nach der Hl. Messe, die trocken und warm auf den großen Bildschirmen verfolgt werden konnte, zogen alle Pilger aus der Basilika aus und konnten in einem benachbarten Gasthaus, das vorsorglich gebucht worden war, ein warmes Mittagessen einnehmen. Müde aber föhlich traten sie dann am Nachmittag die Heimfahrt in ihre Pfarren an.
Für das Notarztteam gab es am Nachmittag einen überraschenden Höhepunkt des Einsatzes: Der Hl. Vater hatte den Wunsch geäußert, jene Polizisten und Malteser, die ihn persönlich begleiteten, kennen zu lernen. So kam es zu einer bewegenden Vorstellungszeremonie, der Hl. Vater richtete an jeden einige persönliche Worte – ein Erlebnis, das man nicht so rasch vergißt.
Am späten Nachmittag zog dann der Papst aus dem geistlichen Haus wieder hinüber in die Basilika zu einer feierlichen Vesper mit Ordensleuten und Priestern. Es hatte etwas zu regnen aufgehört, aber an Flug war nicht zu denken, deswegen mußte auch die Heimfahrt im Autokonvoi angetreten werden. Mit zuckenden Blaulichtern setzte sich der Konvoi in Bewegung, am Schluß nunmehr drei Malteser Autos, da ja auch die Autos aus Mariazell mitkommen mußten. Wieder ging es in rasender Fahrt nach Wien, und eine müde aber zufriedene Gruppe von Notarztteam und Sanitätern konnte ihr Auto nach dem Betanken an das Nachtteam abgeben.
Dritter Tag: Sonntag, 9. September:
Vorerst schien es, als hätte der Hl. Petrus an diesem Tage mit den Besuchern der Feierlichkeiten mit Papst Benedikt XVI. besser als zuletzt gemeint. Als der päpstliche Konvoi mit dem Malteser Notarztwagen am Ende die Apostolische Nuntiatur verließ, schien sogar ein wenig die Sonne, aber nur kurz, denn bei der Ankunft im erzbischöflichen Palais in der Rotenturmstraße regnete es schon wieder.
Trotz dieses Wetters waren fast 30.000 Menschen gekommen, die sich im bis auf den letzten Platz gefüllten Dom, vor der Festbühne beim Churhaus und am Stephansplatz, der Kärntner Straße und am Graben vor den Videowänden drängten.
So waren es auch weniger Kollapse als durchfrorene Ministranten und Gäste, mit denen die Ambulanzen der eingesetzten fast 100 Sanitäter mit 3 Notärzten zu tun bekamen.
Während der Hl. Messe begann sich dann aber das Wetter zu bessern, von der Einsatzleitung im Churhaus konnte man dann auf der Bühne nach der Hl. Messe den Hl. Vater beim Angelus beobachten, wie er trotz herauskommender Sonne mit Wetter und Wind (vor allem mit letzteren) kämpfte.





Nach einem nicht sehr langen Mittagessen im erzbischöflichen Palais ging es, zum letzten Mal in diesen Tagen, wieder zurück in die Theresianumgasse. Dort wartete bereits das Verabschiedungszeremoniell, zahlreiche gute Geister, wie etwa die Damen aus der Pfarre St. Rochus, die für den Hl. Vater gekocht hatten und ihre Ehemänner, alle Polizisten und auch die Malteser am Notarztwagen die der Hl. Vater noch nicht gesehen hatte, wurden wieder persönlich vorgestellt. Viel zu lange meinte Protokoll und Polizei, ungeduldig wartete man in den Fahrzeugen mit laufenden Motoren, ehe dann, mit 20 minütiger Verspätung, der Wagen des Hl. Vaters („Gastwagen“ im Polizeijargon) die Nuntiatur verließ. In rasender Fahrt ging es nach Heiligenkreuz, über die teilweise gesperrte Südosttangente und dann die A21.
Wenn hier auch hauptsächlich der Malteser Einsatz geschildert wird, so ist es doch sehr erwähnenswert, wie entspannt der Hl. Vater nach den vorhergehenden wahrhaft nicht entspannenden zweieinhalb Tagen plötzlich wirkte. In Heiligenkreuz war er sichtlich spirituell an einem der Höhepunkte seines Besuches angekommen.
Wieder war es das Protokoll, das nach einer kurzen Andacht und einem kurzen Segen für die gekommenen Gäste zum Aufbruch mahnte, noch rasch ein Photo mit den Mönchen und dem Abt, dann ging es in rasender Fahrt über die nunmehr v oll gesperrte A21 wieder zurück nach Wien ins Konzerthaus.

Ehrenamtliche im Konzerthaus

Im Konzerthaus warteten bereits 2000 ehrenamtliche Helfer aus ganz Österreich, ausgewählt von Präsidentschaftskanzlei und Bischofskonferenz. In Gegenwart von Bundespräsident Heinz Fischer, Kardinal Schönborn und des apostolischen Nuntius genoß der Hl. Vater sichtlich neben der beachtlichen Wortmeldungen vor allem die Musik. Wirklich zu überraschen schien ihm der Auftritt der Wiener Sängerknaben. 15 Malteser aus allen Bereichen waren geladen und gekommen, ihre Uniformen waren deutlich unter den Ehrenamtlichen im Fernsehen zu sehen.
Während sich drei andere Konvois bereits am Weg zum Flughafen machten, um zur Verabschiedung bereit zu stehen, begrüßte der Hl. Vater noch 16 Funktionäre persönlich, als letzten unseren Kommandant Hubertus Trauttenberg.
 Beim Verlassen des Konzerthauses eine weitere Überraschung für den Hl. Vater: Die Sängerknaben warteten (frierend) im leichten Regen, um ihn noch einmal mit einer Darbietung zu erfreuen. Auch der von Msgr. Gänswein gereichte Mantel schützte den Papst wohl nur bedingt vor der Kälte, aber er harrte tapfer aus und sprach denn noch kurz mit den Sängerknaben.

Verabschiedung in Schwechat:

Es war bitterkalt und regnerisch, ein schneidender Wind strich über das Rollfeld, als der Papst als Staatsoberhaupt vor der Ehrenformation der Garde die beiden Hymnen (die vatikanische ist besonders lang) hörte und dann mit Bundespräsident Fischer die Formation abschritt. In einem zeltähnlichen Pavillon konnte Papst Benedikt den herzlichen Abschiedsworten von Bundespräsident Fischer folgen, auch er hielt eine kurze Dankesrede.
Nochmals hinaus in die Kälte, mit wehenden Talaren verabschiedete der Papst sich von allen Bischöfen, bis er die Gangway zu seiner Maschine der Austrian Airlines besteigen konnte, ein letzter Gruß, und der Besuch des Papstes in Österreich ging mit dem Start zu Ende.

3 Malteser Tage Hochspannung

Zurückschauend waren diese drei Tage für viele Malteser ein Höhepunkt in ihrem Malteser Leben. Die hervorragende Zusammenarbeit mit der Bischofskonferenz, der Präsidentschaftskanzlei, dem Bundesheer, allen Gliederungen der Polizei, der Feuerwehr und unseren Freunden vom Roten Kreuz, den Johannitern und dem Arbeiter Samariter Bund sowie der Wiener Rettung machten diesen Großeinsatz, der eine rein ehrenamtliche Organisation wieder einmal an den Rand ihrer Möglichkeiten geführt hatte, überhaupt erst möglich.

  •  AFG

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Letztes Update dieser Seite: Montag, 17. Dezember 2007 um 20:47:26 Uhr
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