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50 Jahre Malteser Hospitaldienst Austria
Rede des Prokurators des Malteser Hospitaldienst Austria
Herr Staatspräsident Dr. Solyom, Herr Bundespräsident Dr. Fischer, es
ist mir eine große Ehre, heute hier gleich zwei Staatsoberhäupter
begrüßen zu dürfen, und ich bedauere es außerordentlich, daß es Seiner
Hoheit und Eminenz, dem Großmeister des Souveränen
Malteser-Ritter-Ordens aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich ist,
als drittes Staatsoberhaupt unter uns zu weilen. Er ist aber in
Gedanken und in seinen Gebeten bei uns und hat an seiner Statt den
Großkanzler Jean Pierre Mazery und hohe Mitglieder der Ordensregierung
entsandt, die ich an dieser Stelle gleichfalls herzlich begrüße.
Exzellenzen, sehr verehrte Ehrengäste, liebe Ordensmitglieder Freunde und Mitglieder des Malteser Hospitaldienst Austria:
Als im Oktober 1956 in Ungarn der Freiheitskampf unserer tapferen
Nachbarn zunächst erfolgreich schien, bevor er dann von sowjetischen
Truppen mit aller Gewalt des kommunistischen Regimes niedergeschlagen
wurde, waren es zunächst einige wenige Mitglieder des Malteser Ordens
unter Führung des damaligen Vikars und Generalrezeptors des Ordens in
Österreich, Hans Graf Trapp, die spontan mit Hilfe für die Betroffenen
in Ungarn und dann für Flüchtlinge begannen.

Prokurator Norbert Salburg-Falkenstein
Daraus hat sich eine der großen europäischen Hilfsaktionen des Ordens
entwickelt, unser Großmeister Fra’ Andrew Bertie hat damals zum
Beispiel als Mitglied der britischen Assoziation ebenso an der Grenze
geholfen, wie Ordensmitglieder aus Deutschland, Frankreich, Italien und
vielen anderen Ländern.
Aber auch in Österreich selbst hat diese spontane Hilfe in einem damals
selbst noch keineswegs reichen Land etwas bewegt. Viele junge Freunde
aus Familien von Ordens¬mitgliedern, deren Freunde und Mitglieder des
eben gegründeten St. Johanns Clubs bewährten sich in der Erstversorgung
der Flüchtlinge ebenso, wie bei der laufenden Betreuung bis weit in das
Jahr 1957 hinein.
Und in dieser Phase reifte der Entschluß, im Orden ein eigenes
Hilfswerk, die Malteser Einsatzstaffel zu gründen: Im Rahmen der
Rettungskolonne Hietzing des Roten Kreuzes unterzogen sich junge Herren
der Ersten Hilfe Ausbildung, um zunächst noch im Verband des Roten
Kreuzes im Krankentransport in Wien mitzuwirken.
Das Großpriorat von Österreich, das noch im I. Weltkrieg selbst tätig
war und 8 Lazarettzüge, Autoambulanzen und Spitäler geführt und rund
400.000 Verwundete versorgt hatte, war ja durch die Auswirkungen des
II. Weltkrieges bis dahin nur durch Ausspeisungen, Sozialaktionen und
Hilfe für Bedürftige tätig. Nun verfügte es über ein neues eigenes
Hilfscorps, eben die Malteser Einsatzstaffel, mit eigenen Uniformen,
eignem Emblem und eigener Führung.
Ferdinand Graf von Arco, erster Kommandant bis 1960 schaffte die
Grundlagen, die es der Staffel ermöglichten, schon bald auch ihren
ersten Einsatz im Ausland, nämlich anläßlich des Eucharistischen
Kongresses in München, zu absolvieren.
Unter Gideon Freiherr von Loudon als zweiten Kommandanten wird die
Staffel in Malteser Hilfsdienst umbenannt, und nimmt nun auch
Pflegedienste auf. Auch Damen bilden von allem Anfang an einen
wesentlichen Teil der Malteser.
Der entscheidende Schritt zum Aushängeschild des Ordens gelingt dann
unter dem dritten Kommandanten Dr. Berthold Graf Waldstein-Wartenberg,
der die heute noch geltende Gliederung in Bereiche in den Bundesländern
umsetzen kann. Salzburg, Steiermark, Tirol, später Oberösterreich und
Burgenland werden neben Wien und Niederösterreich zu neuen
Einsatzgebieten. Der MHD erhält neue Fahrzeuge und Aufgaben: Erste
internationale Einsätze im Katastrophenfall, wie bei dem Erdbeben in
Friaul finden ebenso statt, wie die Teilnahme an der alljährlichen
internationalen Ordenswallfahrt nach Lourdes mit Kranken und
Behinderten, Wallfahrten nach Rom zum Hl. Vater.
Der Malteser Hilfsdienst wird zur besseren Unterscheidung zum Malteser
Hospitaldienst umbenannt und mit Beschluß der Ordensregierung als Werk
des Großpriorates mit eigenem Statut und Rechtspersönlichkeit
ausgerüstet. In Österreich erhält er als kirchliches Werk nach dem
Konkordat staatliche Anerkennung als Körperschaft öffentlichen Rechts.
Seit 1977, mit zunächst Sandor Markgraf Pallavicini, dann Alexander
Graf von Mensdorff-Pouilly und schließlich mit mir als Kommandanten,
hat der Hospitaldienst seine Tätigkeiten ständig ausgeweitet, seine
Kerngebiete Sanitätsdienst, Kranken- und Behindertenbetreuung erheblich
verstärkt und in zahlreichen Katastrophen im In- und Ausland geholfen.
Das Zeichen des Ordens, das achtspitzige Kreuz, steht für die acht Elende der Menschheit, die es zu bekämpfen gibt:
• Krankheit,
• Verlassenheit,
• Heimatlosigkeit,
• Lieblosigkeit,
• Hunger,
• Schuld,
• Unglaube und
• Gleichgültigkeit.
Dieses uralte Zeichen des nunmehr annähernd 910 Jahre alten Souveränen
Malteser-Ritter-Ordens ist in den letzten 50 Jahren besonders durch die
Tätigkeit des MHDA in Österreich bekannt geworden.
Das Wappenschild auf den zahlreichen Einsatzfahrzeugen im Kranken- und
Rettungstransport, im Notarzt und Ärztefunkdienst, bei
Behindertentransporten, auf den Schildern der Sonderzüge nach Lourdes
und Rom, bei den vielen Ausflügen und Behindertenreisen, dieses
Wappenschild ist heute unverwechselbar.
Dem früheren österreichischen Bundes¬präsidenten Dr. Adolf Schärf wird
der private Ausspruch zugeschrieben, ihm gefalle unter allen Orden am
besten, der ihm vom Malteser Orden verliehene Orden „Pro Merito
Melitensi“, denn der Orden stehe für 900 Jahre Menschlichkeit.
Lange selbst für die Führung des MHDA zuständig, kann ich heute als
Vertreter des Ordens in Österreich stolz feststellen, daß dieses unser
„Hilfswerk“ mit der Menschlichkeit seiner Mitglieder ganz wesentlich
dazu beigetragen hat, auch den Orden in Österreich zu stärken.
Ich will mich an dieser Stelle ganz besonders bei den unter uns
weilenden ehemaligen Kommandanten Percy Graf Pachta-Rayhofen,
Botschafter Dr. Martin von Bolldorf-Grazigna, Ernie Graf Blanckenstein
und auch beim jetzigen Kommandanten General Hubertus Freiherr von
Trauttenberg dafür bedanken, daß „Ihr“ Hospitaldienst, die Tätigkeit
unseres Ordens in Österreich prägt und in so hohem Ausmaß unterstützt.
Besonders bedanken will ich mich aber bei allen Mitgliedern: Ich darf
Ihnen – hohe Festgäste – in Erinnerung rufen, daß alle Mitglieder des
Malteser Hospitaldienstes, ohne Ausnahme – ehrenamtlich, freiwillig und
unbezahlt arbeiten.
Die Malteser sind somit eine der bedeutendsten Freiwilligenorganisationen in Österreich.
Alle Funktionsträger üben, oft verantwortungs¬volle, Berufe aus und
widmen ein hohes Maß ihrer Freizeit dem Dienst an unseren „Herren
Kranken“ wie wir es in uralter Ordenstradition formulieren.
Wir haben heute Vormittag – viele von Ihnen waren dabei – mehr als
sechzig teils ganz junge Menschen neu aufgenommen, die mit großer
Begeisterung zu uns gestoßen sind, nachdem sie sich einer intensiven
und zeitraubenden Ausbildung unterzogen haben.
Wenn man die Hilfsbereitschaft, den liebevollen Umgang mit Kranken,
verunfallten und in schwierigen Situationen befindlichen Menschen durch
unsere Malteser erlebt, dieses stets fröhliche Auftreten in mühevollen
und oft anstrengenden und erschöpfenden Diensten, dann ist das
Schlagwort von der „verlorenen Generation“ eigentlich ein Fremdwort für
uns.
Unsere Malteser sind aber nicht nur fröhliche und hilfsbereite Helfer,
ihr Fachwissen ist beachtlich: Wir haben hoch qualifizierte Rettungs-
und Notfallsanitäter, die in eigenen Sanitätsschulen aus- und
weitergebildet werden und die auch zusammen mit unseren Seelsorgern in
Kriseninterventionsteams wie beispielsweise nach der
Tsunami-Katastrophe zum Einsatz kamen.

Der ehemalige Vizekanzler Dr. Erhard Busek spendet anlässlich der Malteser Straßensammlung in den 1990ern.
Ob wir mit 500 Menschen im Sonderzug eine Woche nach Rom oder mit 300
Pilgern nach Lourdes fahren, immer sind Kranke und oft
Schwerst-Behinderte in großer Zahl dabei, die ohne die aufopfernde
Tätigkeit unseres Pflegepersonals keine Möglichkeit hätten, solche
Reisen zu unternehmen. Und alles – von der Planung, über Logistik,
Pflege, ärztliche Hilfe, bis hin zur Versorgung in jeder Hinsicht wird
von unseren Ehrenamtlichen mit Freude und großem Einsatz organisiert
und durchgeführt.
Meine Damen und Herren, der Malteser Hospitaldienst Austria hat heute
rund 350 aktive Mitgliedern, die regelmäßig Dienste leisten, und ca.
600 Altmitglieder, die gelegentlich zur Verfügung stehen. Dazu kommen
50 Ärzte, 70 Mitglieder in Ausbildung und 350 ehemalige Mitglieder, die
den MHDA als fördernde Mitglieder unterstützen.
Die ausnahmslos freiwillig und unentgeltlich arbeitenden Mitglieder
haben im Jahr 2006 zusammen mit dem notwendigen Verwaltungsaufwand fast
150.000 Dienststunden erbracht, als Betreuer von Kranken und
Behinderten, im Pflegedienst, im Rettungsdienst, bei Ambulanzen und im
Katastropheneinsatz.
Die so von den Mitgliedern kostenlos erbrachten Leistungen entsprechen
den Leistungen eines Mittelbetriebes mit mehr als 100 Mitarbeitern und
theoretischen Kosten von fast 5 Mio. Euro.
Oder anders gesagt: jedes Mitglied hat monatlich fast 40 Stunden im Einsatz der Nächstenliebe verbracht.
Verzeihen Sie die vielen Zahlen, aber ein bisschen Stolz auf „meine
Malteser“ sei mir doch erlaubt. Noch ein Satz zu der Motivation: Es ist
nicht nur Humanismus, der uns Malteser bewegt: Der Orden ist den
Grundsätzen „Bezeugung des Glaubens und Hilfe für Arme und Kranke“
verpflichtet. Seine Mitglieder verbindet die Berufung und Verpflichtung
zu Solidarität, Gerechtigkeit und Friede nach der Lehre des Evangeliums
in enger Gemeinschaft mit der Kirche durch tätige Nächstenliebe und
Gebet.
Man ist nicht Ordensritter oder Ordensdame durch das Privileg der
Geburt oder durch erworbene Verdienste, sondern weil man dem Ruf
gefolgt ist, dort zu dienen, wo materielle und moralische Not herrscht,
wo das Mysterium des Leidens offenbar wird.
Dieser Grundsatz des Ordens gilt auch für sein wichtigstes Hilfswerk in
Österreich, den Malteser Hospitaldienst. Seine Mitglieder, die nun
schon manchmal in zweiter und dritter Generation Malteser sind, lernen
bei ihrer Tätigkeit unendlich viel: nicht nur Solidarität und Hilfe,
auch Führung und Verantwortung.
Lassen Sie mich am Schluss noch zwei Bemerkungen machen: Wir sind doch
sehr enttäuscht, dass es nicht gelungen ist, den Dienst an der
Allgemeinheit, den unsere Mitglieder leisten, gar nicht zu reden von
den Kosten denen sie dem Staat ersparen, diesen Dienst als
ausreichendes Argument zu sehen, sie von den Studiengebühren zu
befreien. Eine großzügigere Geste der Republik wäre hier gerne gesehen
worden – vielleicht ist das ein Nachdenk-Anstoß.
Und zweitens: Österreich ermöglicht es, als eines der ganz wenigen EU
Länder, Steuerpflichtigen nicht, ihre Spenden an soziale und karitative
Unternehmen – wie die Malteser – steuermindernd geltend zu machen. Eine
diesbezügliche Regelung scheint sanft entschlafen zu sein – vielleicht
kann man sie wieder aufwecken!
Hohe Festversammlung:
50 Jahre Malteser Hospitaldienst sind bemerkenswert – dies zeigt Ihre
Anwesenheit – 50 Jahre zeugen aber auch von der Qualität unseres
Geburtstagskindes und seiner Mitglieder!
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Norbert Salburg-Falkenstein

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