Malteser Kreuz

„TauchKREUZfahrt“ im Roten Meer

Eine Bootsfahrt unter Malteserflagge fand im Jänner 2007 mit moslemischer Crew in einem moslemischen Land statt! Die Geschichte einer Reise zu Freunden …

Wann wohl ein Schiff unter der Malteserflagge durch ein moslemisches Land gekreuzt ist, wissen wir nicht genau, aber es wird sicherlich schon einige Generationen zurück liegen – und die Mission war damals wohl nicht so friedlich wie heute. Anfang dieses Jahres war es dann wieder so weit. Nach einem kurzen Telefonat mit dem Prokurator des Malteser Hospitaldienst Austria (MHDA), Norbert Salburg-Falkenstein, durften Michael und ich „wieder“ das achtspitzige weiße Ordenskreuz am Mast „eines Schiffes“ hissen.


Gabriel M. Hofstätter und Michael Vesely entspannt an Deck der „Nile Sat II“.

Für meinen lieben Freund, den beinbehinderten Malteserbetreuten Michael Vesely, und mich ein aufregendes Abenteuer. Eine Reise, die uns mit dem Flugzeug von Wien über das ägyptische Marsa Alam, südlich von Hurghada, und dann mit einer Tauchjacht bis an die sudanesische Grenze führte. Ich bat Michael um sein Reise- und Erlebnisfeedback, welches er mit großer Begeisterung für das Malteserkreuz schrieb:

Von einem der auszog, das Tauchen zu lernen …

Eine Tauchsafari zu erleben, in eines der schönsten tropischen und tiefblauen Korallenmeere der Welt, war für mich bis vor kurzem noch in sehr weiter Ferne. Mittlerweile, nachdem ich bereits wieder etliche Wochen in meinen Alltag heimgekehrt bin, wird mir mehr und mehr bewusst, welche Initialzündung dieser Abenteuerurlaub für mich bedeutete.


Der Kapitän der „Nile Sat II“.

Zum Tauchen kam ich 2004, weil ich mir dieses persönliche Ziel in den Kopf setzte. Ganz solide und vorsichtig ging ich das neue Hobby an. Zuerst machte ich einen Tauchlehrer ausfindig, der mit mir und meiner Beinbehinderung diese Herausforderung annahm. Ich fand ihn über eine Tauchorganisation, welche mir die Kontaktdaten gab. Ein besonders großes Dankeschön gebührt aber meinem Orthopädietechniker, der für meinen linken Unterschenkelstumpf eine Flossenprothese, mit der ich das wichtige Austarieren üben und lernen konnte, plante und baute. Nach drei Monaten Training wurde ich schließlich als Open-Water-Diver (nach PADI) zertifiziert. Mein Übungsrevier war, nachdem ich die Stadthalle wie jeder Neuling „verlassen durfte“, der Neufeldersee in Niederösterreich. Eine Saison darauf machte ich bereits die ersten „Meerversuche“ an der Kroatischen Küste auf der Halbinsel Istrien. Aber eine richtige Tauchreise in ein Tropisches Meer machen zu können, blieb für mich vorerst noch ein spannender, immer wiederkehrender Traum!

Vom Traum zur Wirklichkeit …

Das Schicksal aber brachte mich 2006 durch Zufall mit einem mir damals unbekannten Malteser, Gabriel Hofstätter, zusammen, der mich spontan noch im gleichen Sommer auf sein anspruchvolles Wildwassercamp in die Wildalpen in der Steiermark mitnahm. Beeindruckt von diesem Sport und Naturerlebnis erzählte ich vom Tauchen und Gabriel überlegte sofort ein neues Malteserprojekt zu initiieren: eine Tauchfahrt in eine interessante Unterwasserwelt. Er fragte mich, ob ich mich als „Versuchskaninchen“ für eine so spannende Aktion zu Verfügung stellen würde. Da gab es nur eine mutige, für mich waghalsige spontane Antwort: „Mit mir kannst du auf alle Fälle rechnen.“ Gesagt getan, es war für mich gerade so, als bekäme man die einmalige Chance, etwas Neues in einem völlig unbekannten Terrain probieren zu können. Ich hatte keine Ahnung zu diesem Zeitpunkt wie viele schlaflose Nächte ich noch bis zu unserem Abflug haben würde. Ein wackeliges Schiff, enge Wegstrecken, rutschige Böden, steile Stufen, die ich vielleicht alleine nicht so leicht mit meinen fast steifen Beinen überwinden kann, wie würde das „gehen“? Und vor allem quälte mich die Frage, wie ich wohl mit dem wirklich schweren Equipment fürs Tauchen wieder aus dem Wasser, auf das Schiff kommen würde! Doch Gabriel, ausgebildeter Handicap-Diver-Assistent und seit 35 Jahren routinierter Taucher, beruhigte mich diesbezüglich nachhaltig.

Ängste wichen der Aufregung und diese der Faszination!

Aufgeregt, aber Gott sei Dank mit Gabriel, gingen wir schließlich mit dem schweren Tauchgepäck und meinen schwimmfähig gemachten Krücken (für alle Fälle!) an Bord. Für volle 7 Tage richteten wir uns auf unserem Schiff ein – die „Nile Sat II“, ohne den Ruf „Land in Sicht“ erwarten zu können.

Mein erster Blick galt der Tauchplattform des Bootes und der Höhe zum Wasserspiegel. Unendlich viele Szenarien hatte ich mir seit dem Buchungsdatum und diesem Moment ausgemalt: „Scheint nicht so schlimm“, dachte ich, aber wie soll das mit dem vielen Bleigewicht funktionieren. Das Problem begann schon beim Einstieg ins Wasser. Kaum zu glauben, ich brauchte fast 13 kg Blei!!! „Komme ich wieder ordentlich zur Wasseroberfläche zurück und auf diese Plattform und somit aufs Schiff?“, das war meine Überlebensfrage. Ich wollte niemandem diese Frage stellen, ich hätte mich wohl sonst als Newcomer entlarvt. „Gelernt ist gelernt“ sagte ich mir mit einem Pokerface, „dann blase ich eben wie geübt vorsichtig mein Jacket auf“: Voilà! Mein Tauchpartner Gabriel beruhigte mich abermals mit Erfolg, da wir es ja nicht mit den Profisportlern am Boot aufnehmen mussten. Wir hatten genug Zeit, um uns vorzubereiten, langsam ins Wasser zu gehen und vor allem, um in aller Ruhe dann das Tauchen zu erleben.

Und es funktionierte!

Die Eindrücke unter Wasser waren gewaltig. Jetzt verstehe ich, was es heißt, in einem bunten „Aquarium“ selbst zu tauchen. Durch meinen großen Luftverbrauch – ich musste schließlich mit den Armen meine Schwächen an den Beinen ausgleichen – konnte ich nur eine halbe Stunde mit der Pressluft in dieser phantastischen Welt unterhalb des Meeresspiegel verbringen, aber das geht auch anderen Anfängern so. Nach jedem Tauchgang ging mein Selbstwertgefühl weiter in die Höhe. Ich konnte also wirklich „Bootstauchen“. Dies ist auch ein weiteres Kriterium für eine weitere Tauchprüfung. Für die Hilfe, die ich beim Aus und Einsteigen benötigte, wurden auch alle weiteren Mittaucher und die Schiffscrew miteingebunden und so war es eine Selbstverständlichkeit für alle auf mich zu warten. So wurde ich ein richtiger „Tauchprofi“, zwar mit der geringsten Taucherfahrung an Bord, aber doch wohl mit den meisten neuen Eindrücken, die ich in dieser Woche erhalten konnte, und die sich in mein Gedächtnis prägten.

Ein Tauchprofi im Roten Meer

Ich schaffte es, auf einem schwankenden Schiff, auf rutschigen Böden, eine Woche lang mit all meinen Beinproblemen wunderbar zurecht zu kommen und in die blauen Tiefen des Roten Meeres zu gleiten. Herausfordernd war jeder Tag, ich wollte immer mehr! Ich probierte es und schließlich gelang mir auch alles, was ich mir wünschte. Ich benötigte immer weniger fremde Hilfe und Gabriel wäre ja im Notfall immer zur Stelle gewesen. Ein so gewagtes Unternehmen mit solch einem Erfolg abzuschließen wünsche ich jedem behinderten Menschen. Man muss nur etwas wollen, es probieren, und darf Hilfe, die man angeboten bekommt, auch ohne Vorbehalte annehmen. Bei den Maltesern war ich gut aufgehoben und in sicheren Händen.

Als Versuchskaninchen habe ich mich hoffentlich bewährt und bin gerne bereit, mich bei einer neuen „Aktion“ wieder zur Verfügung zu stellen! Vielleicht bei einem angedachten Tauchcamp an einer fixen Tauch-Basis an den Ufern des Roten Meeres …

  •   Michael Vesely und Gabriel Maria Hofstätter

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Letztes Update dieser Seite: Mittwoch, 18. April 2007 um 21:59:29 Uhr
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