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Grenzenlose Gnade auf der Pilgerreise nach Lourdes
Was die Mitglieder des Malteser Hospitaldienst Austria (MHDA) bewegt
immer wieder die Fahrt nach Lourdes anzutreten. Ein Panoptikum eines
„alten Hasen“.
Neun Jahre ist es her, als ich das erste Mal
mit den Maltesern nach Lourdes fuhr und jeder einzelne Zug prägte mich
ungemein.
Was ist es nun, das uns junge Menschen dazu bewegt, nach Lourdes zu
fahren und fast eine Woche soviel zu Arbeiten, dass nachher noch eine
Woche Urlaub nötig wäre, um wieder auf die Beine zu kommen?
Es gibt viele Antworten auf diese Frage und die, die mir immer als
erstes einfällt ist: die Gemeinschaft.
 In Lourdes seine Sorgen gemeinsam teilen und Kraft aus dem
Gebet schöpfen …
Bei kaum einem anderen Dienst
wird man so schnell integriert. Es spielt keine Rolle ob man Malteser,
Pilger oder Betreuter ist, ob man das erste Mal mitfährt oder ein
„alter Hase“ ist, oder wie viele Teilnehmer man kennt, denn man wird
ohne „wenn und aber“ Mitglied der großen Familie.
Man lernt die – meist recht beschwerliche – lange Reise im Zug zu
schätzen, da man die Zeit hat sich mit dem Nächsten
auseinanderzusetzen, man erhält einen Gratis-Schnellkurs des
Miteinanders und lernt die Hilfe der anderen einzufordern oder auch
anzunehmen, ohne sich selbst dabei eine Blöße geben zu müssen.
Lourdes und seine kleinen Wunder
Die
Erfahrungen, die jeder auf einem Lourdeszug macht, sind so
unterschiedlich und vielfältig wie die Teilnehmer der Wallfahrt selbst.
Über die anfänglichen Unsicherheiten und Überforderungen wird man
hinweggetragen, immer ist irgendein Malteser in der Nähe, der einem
ganz unauffällig die Steine aus dem Weg räumt und ein Auge auf einen
hat. Und manchmal wird einem die Gnade zuteil, dass es gerade der
Betreute ist, der einem die Kraft gibt, weit über seine eigenen Grenzen
hinaus zu wachsen.
Auch kann man sich der Konfrontation mit dem eigenen Glauben sowie dem
Leid oder den Lebensgeschichten der Teilnehmer nicht entziehen und
stellt oft fest, dass einige der Betreuten trotz ihrer Behinderungen
einen viel festeren und unerschütterlicheren Glauben besitzen als wir
Helfer.
Mein ganz persönliches kleines „Wunder“ jedes Jahr ist, dass ich als
passionierter Morgenmuffel – nach manchmal nur drei Stunden Schlaf –
munter und fröhlich aufstehe. Auch, dass ich als recht ungeduldiger
Mensch im Alltag, in Lourdes – nicht nur den Mitfahrern, sondern auch
mir selbst gegenüber – sehr geduldig sein kann.
Hast Du nichts Besseres zu tun als nach Lourdes zu fahren?
Ich
bin mir sicher, dass ich nicht die Einzige bin, der solche Fragen
gestellt wurden, skurriler Weise wurde sie mir sogar auf einem
Lourdeszug gestellt. Wenn ich an die Zeit denke, die ich schon in
Lourdes verbracht habe, an die vielen Erfahrungen die ich gesammelt
habe und die strahlenden Gesichter, die ich sehen durfte, kann ich mit
Freude sagen: Nein, es gibt nichts Besseres als nach Lourdes zu fahren,
denn es gibt kaum eine andere Woche im Jahr, die ich oder wir
sinnvoller verbringen können. Denn anders als oftmals in der
alltäglichen Arbeitswelt, erfährt man hier, dass die Arbeit, die man
erbringt, Früchte trägt: so bekommt man von einem Betreuten, der durch
seine Krankheit geistig und körperlich abwesend wirkt und bei dem man
nicht weiß, ob er das, was man mit ihm macht überhaupt registriert, auf
einmal ein Lächeln geschenkt, das kein Gold der Welt aufwiegen kann.
Man hat das Richtige getan.
Vorfreude auf Lourdes
In
wenigen Wochen ist es wieder so weit und die Vorbereitungen sind schon
längst in vollem Gange. Bald wird sich wieder der Zug mit alten
Bekannten und guten Freunden füllen sowie mit all jenen, die das erste
Mal mit uns fahren und deren staunende Neugier aus den Gesichtern
strahlt.
Ganz besonders aber freue ich mich auf den Moment, an dem ich die Zeit
habe, allein zur Grotte zu gehen und zu sagen: Da bin ich wieder!
Danke, dass Du das letzte Jahr für mich da warst und dass ich
wiederkommen durfte!

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