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Die Trauerfeierlichkeiten am 11. Dezember 2006 in Wien
Bailli Fra´ Wilhelm von und zu Liechtenstein, der Fürstgroßprior des Souveränen Malteser Ritter-Ordens ist tot. Als sich diese Nachricht am 27. November morgens mit Windeseile durch Wien und durch Österreich verbreitete, war bedrückende Stimmung über den Malteser Hospitaldienst und den Souveränen Malteser-Ritter-Orden gefallen. Viele von uns können sich den Orden ohne Fra´ Wilhelm gar nicht mehr vorstellen. Man bedenke: Er hat sein schwieriges Amt als Fürstgroßprior im Jahr 1990 angetreten und nunmehr 16 Jahre ausgeübt.

Ehrenwache für den Fürstgroßprior in der Wiener Malteserkirche.
Gerade im Hospitaldienst ist die durchschnittliche aktive Dauer eines Mitgliedes 5 Jahre, d. h. er hat mehr als „drei Generationen“ von Maltesern mitgeprägt.
Durch seine innige Verbindung mit dem Hospitaldienst, den er immer besonders geschätzt hat und mit seiner ganzen Autorität zur Seite gestanden ist, war klar, dass das Begräbnis des Fürstgroßpriors ein außerordentliches werden müsste. Kanzler Richard Steeb, der engste und persönlichste Mitarbeiter des Fürstgroßpriors, hat von allem Anfang an sein ganzes Können und Streben in die Vorbereitung einer würdigen Begräbnisfeierlichkeit gestellt.
Am Montag, 11. Dezember um 08:45 Uhr wurde der mit den Liechtensteinischen Farben seiner Manta di Punto, den Ordensmantel der Profeßritter, geschmückte Sarg, davor das Wappenschild des Fürst Großpriors feierlich in der Malteserkirche aufgebahrt. Ehrenwachen des Malteser Hospitaldienstes und des Souveränen Malteser Ritterordens haben von 9:00 Uhr Vormittag bis zur Einsegnung im stündlichen Wechsel dem Verstorbenen die Ehre erwiesen. Zahlreiche Ordensmitglieder haben die Zeit genützt, von „Ihrem“ Fürstgroßprior Abschied zu nehmen. Dies sowohl in der Anbetung, den Rosenkranzgebeten und vor allem auch in den Hl. Messen, die während der Aufbahrung von Pfarrer P. Albin Scheuch OSA und Vizerektor Lic. Christoph Martin zelebriert worden sind.

Der Kondukt von der Malteserkirche zum Stephansdom.
Um 16:00 Uhr erfolgte in der bis auf den letzten Platz mit Familie, Ordensrittern, Freunden und Trauergästen gefüllten Malteserkirche die feierliche Einsegnung durch den Spiritual des Ordens, dem Abt von Heiligenkreuz, Prälat Gregor Henckel-Donnersmarck OCist. Nach der Einsegnung wurde der Sarg, nach wie vor mit diesen Liechtensteinischen Farben bedeckt, aus der Kirche hinaus auf ein Fahrzeug getragen. Die vier Pölster mit den höchsten Orden, die der Verstorbene erhalten hat, dem Großkreuz des Justizritters mit dem Schulterband (Professbailli), dem Großkreuz der Verdienstauszeichung „pro merito melitensi“, dem Großkreuz des päpstlichen Ordens des Heiligen Gregor des Großen und dem Großen Silbernen Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich von Polsterträgern aufgenommen und in feierlicher Prozession vor den Sarg aufgestellt, ebenso das Wappenschild. In der Folge nahm der Kondukt Aufstellung. Das Ganze in der langsam in Dunkelheit verfallenden Kärntnerstraße im wilden Trubel des Vorweihnachtseinkaufs, an der Spitze das Kreuz, gefolgt von der Geistlichkeit, dahinter der Abt von Heiligenkreuz mit Bischofsstab und Mitra, das Wappenschild, vier Hospitaldienstmitglieder in Ausgangsuniform mit den Ordenspölstern, das Auto der Bestattung mit dem Sarg und einer Ehrenwache links und rechts, gestellt vom Hospitaldienst und dem Orden. Dahinter folgte die Familie sowie an der Spitze des Ordens Seine Hoheit und Eminenz der Fürst und Großmeister Fra´ Andrew Bertie, der Großkanzler Jean-Pierre Mazery und unser Prokurator Norbert Salburg-Falkenstein.
Dieser Zug setzte sich knapp nach 16:00 Uhr in Bewegung. Rund 200 Ordensritter und -damen, 100 Mitglieder des Malteser Hospitaldienstes, sowie zahlreiche Gäste bildeten einen eindrucksvollen Kondukt über die Kärntnerstraße und viele Menschen blieben stehen, zogen ihre Hüte und erwiesen dem Verstorbenen ihre Reverenz und verbeugten sich ehrfürchtig. Unter den Klängen der Aspergesglocke traf der Kondukt vor dem Stephansdom ein und wurde durch Domkustos Prälat Dr. Josef Weismayer und Domgeistlichkeit empfangen. Die Ordensmitglieder und die Mitglieder des Hospitaldienstes bildeten ein Spalier unter dem Halleluja von F. Schmidt wurde der Sarg im Dom eingesegnet und aufgebahrt.
Eine Ehrenwache zog auf und neuerlich begann eine von Orden und Mitgliedern der Hilfswerke gestaltete Anbetungsstunde. Gegen 17:30 Uhr trafen als weitere Ehrengäste der regierende Fürst und die Fürstin von und zu Liechtenstein, der Erbprinz und Erzherzog Michael von Österreich und zahlreiche Mitglieder von fürstlichen Familien im Dom ein.
Um Punkt 18:00 Uhr war der Dom bis auf den letzten Platz gefüllt, die Live-Fernsehkameras in Betrieb und unter den Klängen des Mozart-Requiems hervorragend dargeboten vom Chor und Orchester der Wahlfahrtskirche Mariahilf unter dem Management unseres Ordensmitgliedes Prof. Mag. Peter Halbgebauer. Unter der Leitung des Dirigenten Francois Pierre Descamps begann der große Einzug. An der Spitze das Kreuz, gefolgt von den Ministranten, Seminaristen, den Professen des Malteserordens mit dem Prokurator und dem Kommendator des Johanniterordens in Österreich, Priestern in Chorkleidung, dem Domkapitel, Seine Hoheit und Eminenz des Großmeisters, den Konzelebranten Diözesanbischof Egon Kapellari, Chefkaplan des Ordens und der Diözesanbischof von Linz, Ludwig Schwarz SVD, und als Hauptzelebranten, dem Erzbischof von Wien, Kardinal Christoph Schönborn OP, der als Bailli Ehren- und Devotionsgroßkreuz Ritter dem Orden angehört.
Kardinal Schönborn betonte in seiner Predigt die Anliegen des Malteser Orden, dem Fra´ Wilhelm von Liechtenstein seine Kraft, Liebe und Aufmerksamkeit gewidmet hatte. „Einfach zupacken, zugreifen, helfen, ohne viel zu fragen, sich von keinem Hindernis hemmen zu lassen, wenn es um Hilfe geht“ sei sowohl das Credo des Ordens und des von Fra´ Wilhelm so geschätzten Hospitaldienstes als auch im Tagesevangelium wieder zu finden, sagte der Erzbischof.

Kardinal Schönborn und die Konzelebranten beim Pontifikalrequiem.
Wie beim Evangelium (Lk. 5, 17-26) geht es auch bei den Maltesern und beim Dienst am Kranken allgemein einerseits um Hilfe und andererseits darum, Menschen zu Jesus zu bringen. „Es ist die Berufung der Christen heute, wie es damals die Männer mit dem Gelähmten taten, andere zu Jesus zu bringen und für andere zu glauben,“ sagte Kardinal Christoph Schönborn in seiner Predigt.
Nach dem Lied: „Großer Gott wir loben Dich“ und dem Ordensgebet, angestimmt durch den Prokurator, erfolgte die feierliche Aussegnung. Die die Ordens- und Hospitaldienstmitglieder bildeten hierzu wieder ein Spalier. Kerzen wurden verteilt und an der Osterkerze entzündet. Durch einen „Tunnel voll Licht“ wurde der Sarkophag mit dem Marienlied „Segne Du Maria“ auf den Stephansplatz getragen. Als der Sarg in den Bereich des Riesentors kam, erklang der dumpfe Klang der Halbpummerin zur Verabschiedung. Es wurde ein Halbkreis gebildet und zum Halleluja von „Der Heiland ist erstanden“, das der Chor und die Bläsergruppe anstimmten, setze sich schließlich der Wagen der Bestattung in Bewegung. An der feierlichen Verabschiedung im Stephansdom haben rund 3000 Menschen teilgenommen, der Orden und seine Hilfswerke waren mit mehr als 300 Mitgliedern vertreten.

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