Malteser Kreuz

Alle Wege führen nach Köln – oder: Wir kommen, um Ihn anzubeten

Im August machten sich 20 Malteser (aus Wien, Innsbruck und Graz) mit 5 Autos und 2 Hängern (inklusive einer kompletten Sanitätshilfsstation) auf den Weg nach Köln, um einer 900 Jahre alten Tradition – Betreuung von Pilgern – Folge zu leisten.

Einsatzvorbesprechun#10011
Jeder Einsatz will gut vorbereitet sein - so auch beim
Weltjugendtag 2005 in Köln.

Die Einsatzleitung über den Sanitätsdienst hatten die deutschen Malteser inne, die uns, sowie die deutschen Johanniter, den deutschen Samariterbund, das deutsche Rote Kreuz und Malteser aus anderen Ländern eingeladen hatte, mit ihnen Dienst zu tun.

Die Anfahrt aus Österreich erfolgte zweigeteilt, denn im Gegensatz zu den Innsbruckern, die nur sieben Stunden unterwegs waren, musste der Rest auf Grund der Länge des Weges und durch die von den Hängern bedingte langsame Fahrweise in Nürnberg (in einer stillgelegten Station des MHD) übernachten.

Ankunft am Marienfeld
Ankunft und Einsatzbeginn auf dem Marienfeld.

Am nächsten Tag (Freitag, der 19.8.2005) langten schließlich alle in Horrem bei Köln ein, das uns für die nächsten drei Tage Quartier bot. Horrem ist ca. fünf km. von dem so genannten „Marienfeld“ entfernt, auf dem der WJT mit Vigil und Papstmesse den krönenden Abschluss fand.

Pilgerstrom zum Marienfeld
Der Pilgerstrom zum Marienfeld.

Gemeinsam mit Maltesern aus Fulda waren wir auf einem großen Areal einer Berufsschule untergebracht und hatten das Glück auf zwei Schulzimmer verteilt zu schlafen, während andere ein Massenquartier in einem Turnsaal fanden. In Horrem waren ca. 700 Malteser untergebracht. Erste Kontakte mit den Deutschen wurden geknüpft, als der Auftrag kam, zwei nasse Zelte zum Trocknen aufzustellen. Angestachelt von den Deutschen stellten wir diese um die Wette auf. Innerhalb von sieben Minuten stand unseres, während die Fuldaer fast doppelt so lange brauchten. Allerdings sei ihnen anzurechnen, dass sie bereits seit einer Woche im Dienst waren, wären wir gerade erst – frisch und motiviert – eingetroffen waren.

Unser Dienstplan sah ursprünglich so aus, dass wir ab Freitag- bis Sonntagabend in Dauereinsatzbereitschaft sein sollten, sowie Samstag und Sonntag jeweils zwölf Stunden Tagdienst machen hätten sollen, doch leider kam es anders. Am Samstag standen wir bereits um vier Uhr in der Früh auf, da wir ab sechs im Einsatz hätten sein sollen. Beim Frühstück wurden wir dann mit der Tatsache konfrontiert, dass wir erst Nachdienst hätten und so rollten wir uns wieder in unsere Schlafsäcke. Leider war uns eine zweite Nachtruhe nicht vergönnt, denn ab sieben Uhr zogen Pilgerscharen, auf dem Weg zum Marienfeld, vier Meter von unserem Haus entfernt vorbei, die uns mit Sprechchören, Gesängen und „Be-ne-detto“-Rufen wach hielten. Da an Schlaf nicht mehr zu denken war, verbrachten wir die Zeit mit Volleyball- und Unospiel und sahen uns den nicht enden wollenden Pilgerstrom von der Schulmauer aus an.

Gegen 18 Uhr fuhren wir endlich zum Ort des Geschehens. Dort angekommen bestaunten wir das Feldspital der Bundeswehr, sowie eine atemberaubende Menge an Einsatzfahrzeugen (Rettungs- und Feuerwehrautos, Fahrzeuge des Technischen Hilfswerks, Notarztmotorräder, etc) in allen Größen, Formen und Farben (von neongelb über dunkelblau bis neongrün). Während wir auf den Einsatzbefehl warteten, aßen wir und sahen uns das Marienfeld aus der Nähe an, ca. 750.000 Menschen waren bereits anwesend.

Pünktlich zur Ankunft des Papstes und zum Beginn der Vigil erfolgte eine abrupte Abfahrt unsererseits zum Bahnhof von Horrem, um ein hungriges Team abzulösen. Wir übernahmen ihre Sanitätshilfsstation (auf deutsch Unfallhilfsstelle) tauschten das Innenleben aus (wir verwendeten unser Material) und teilten uns in unsere Funktionen auf (Arzt, SanHistleiter, Funker und Fußtrupps). Da über Nacht wenige Einsätze am Bahnhof zu erwarten waren, arbeiteten wir in Schichten und so fanden einige von uns auch ein wenig Schlaf. Über Funk konnten wir mithören, was am Marienfeld los war: Die Einsätze dort fingen an bei Unterkühlungen (es hatte frostige acht Grad Celsius) gingen über zu den klassischen Verletzungen (Verstauchungen, Blasen, etc), Herz-Kreislaufbeschwerden, bis hin zu Verbrennungen (einige der Pilger zündeten mit ihren Kochern Zelte an). Insgesamt waren am Marienfeld in der Nacht ca. 180 Einsätze pro Stunde zu verzeichnen. Die Ver sorgung am Bahnhof klappte gut (wir hatten nur vier Einsätze), und auch die Eigenversorgung war gegeben, denn beim Bundesgrenzschutz gab es ein köstliches Risotto und die SanHist auf der anderen Seite des Bahnhofs hatte eine Kaffeemaschine mit immer frisch gebrühten Kaffee. Ab fünf Uhr früh kamen mit den ersten Zügen schon die nächsten Pilger, die sich in der Morgendämmerung auf den Weg zum Marienfeld machten. Im Laufe des Vormittags füllte sich dieses auf 1,1 Mio. Menschen. Gegen neun Uhr kam unsere Ablöse und eine zweite SanHist, da nach der Papstmesse mit einer riesigen Menge an Pilgern zu rechnen war. Nach dem Frühstück fuhren einige zum Marienfeld, um der Papstmesse beizuwohnen und die anderen versuchten zu Schlafen. Gegen 13 Uhr kam der Pilgerstrom vom Veranstaltungsort am Bahnhof von Horrem an, und zwei Stunden später wurde er wegen Überfüllung geschlossen, die Pilger wurden in Schlangenlinien durch Horrem umgeleitet, bzw. auf weiter entfernte Bahnhöfe geschickt. Die Straßen um das Marienfeld und Horrem waren so überfüllt, dass die Diensttuenden Mannschaften nicht mehr abgelöst werden konnten und es sogar ein Verbot gab, sich mit den Einsatzfahrzeugen aus dem Bereich der Schule zu begeben. Trotzdem machte sich der ostösterreichische Teil unserer Mannschaft auf den Weg, da wir am nächsten Abend in Wien ankommen wollten, und wir diesmal auf Grund unserer Müdigkeit auf jeden Fall wieder in Nürnberg übernachten wollten. Wir fanden auch eine kaum begangene Straße, auf der wir schnell auf der Autobahn waren und kamen gegen 23 Uhr in Nürnberg an.

Obwohl der Sanitätseinsatz malteserintern einwenig chaotisch war – so machten am Bahnhof von Horrem Teams Dienst, die in Henneff (ca 1,5 Stunden Anfahrtszeit) untergebracht waren, anstatt Teams aus Horrem einzusetzen, etc. – war von den Pilgern sowie auch Leuten, die den WJT von zu Hause aus miterlebten, eine positive Resonanz zu spüren. Auf dem Weg nach Hause winkten uns Scharen von Pilgern zu und auf den Autobahnraststätten sprachen uns Menschen an, dass wir (die Malteser allgemein) so toll gearbeitet hätten. Insgesamt gesehen war der Einsatz für uns eine ganz besondere Erfahrung, denn obwohl wir über 2000 km für nur 14 Stunden Dienst zurückgelegt haben, war unsere Stimmung ungetrübt. Nicht umsonst bedankte sich der Präsident des MHD, Dr. Constantin von Brandenstein-Zeppelin in der Helferzeitung mit diesen Worten: „In Lepanto haben wir Malteser mit unseren Schiffen gesiegt, in Köln haben wir gemeinsam mit unseren Händen und Herzen gewonnen. Vergelt's Gott!“ 

  •  Cornelia Ruber  

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Letztes Update dieser Seite: Dienstag, 20. Dezember 2005 um 22:34:30 Uhr
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