|
Unser Orden in Ungarn - Von Beginn bis 1990 (1)
Geschichte der ungarischen Ordensprovinz im XII-XIX. Jahrhundert.
Dr. Karl-Georg von Boroviczény.
Nachdem Raimund de Puy, der zweite Meister des Ordens beim Kauf eines ungarischen Pilgerheimes in Jerusalem 1135 als Zeuge mitzeichnete, haben die Hospitalritter bald, möglicherweise schon 1138 die erste Niederlassung in Ungarn gegründet.
1156 wird eine Johanniterkirche in Stuhlweißenburg gebaut und von der Königin reichlichst ausgestattet. In der Mitte des XII Jahrhunderts gründet König Géza II. die „Cruciferi Sancti Stephani Regis“ einen ungarischen Hospital-(und Ritter)-Orden, der in den Türkenkriegen unterging, in Vergessenheit geriet und heute vielfach mit den ungarischen Johannitern verwechselt wird.
König Andreas II (der Vater der Hl. Elisabeth) war wie nach ihm alle Arpádenkönige und Prinzen Donat des Ordens, der in Ungarn im Hochmittelalter einen großen Einfluß hatte. Die bekannten Ordensniederlassungen im Arpádenreich werden aufgezählt, auch jene die der Orden von den Templern erbte.
Einen Templerprozess gab es in Ungarn nicht, die reiche Ordensprovinz und wohl auch die Ritter gingen in die Johanniterprovinz über und beeinflußten deren Struktur soweit, daß auch der Sitz der Ordensprovinz in die ehemalige Templerburg Vrana (Aurana) verlegt wurde.

Das Palais des Ordens in Ungarn um 1990.
Eine ungarische „Zunge“ hatte der Orden nie, die ungarische Ordensprovinz war – vielleicht wegen der Könige aus dem Hause Anjou – der italienischen „Zunge“ zugeordnet, als sie infolge der Türkenkriege erloschen war, als Titulargroßpriorat in der deutschen „Zunge“. Im XV. und XVI. Jahrhundert wurde die ungarisch-slavonische Ordensprovinz in den Türkenkriegen schrittweise völlig aufgerieben, das letzte Ordenshaus wurde 1636 geschlossen. Versuche, die ungarische Ordensprovinz wieder erstehen zu lassen waren im XVII. und XVIII. Jahrhundert erfolglos geblieben.
Gründung und Geschichte der Ungarischen Vereinigung 1928-1945.
Baron Gaston-Friedrich von Thierry.
Die Verhandlungen begannen 1924, führten zuerst zur Aufnahme voller diplomatischer Beziehungen zwischen dem Orden und dem Königreich Ungarn, dann am 9. Februar 1928 zur Gründung der «Assoziation der Malteserritter in Ungarn». 1931 besuchte der Großmeister Ungarn, das erste Mal seit 1396.
1938 wurde unter der persönlichen Leitung des Großmeisters ein internationaler Kongress des Ordens in Budapest abgehalten. Die ungarische Assoziation hatte ein Haus in Budapest, mehr als 100 Ritter und Damen, die während der Weltwirtschaftkrise der 30er Jahre und während des 2. Weltkrieges die Ordensaufgaben in vorbildlicher Weise erfüllten.
Geschichte der Ungarischen Assoziation seit 1945. Christoph von Kállay
Infolge des Krieges und der Besetzung Ungarns zuerst durch das nationalsozialistische Deutschland, dann durch die Sowjetunion hatte die Assoziation ihre Arbeitsmöglichkeiten in Ungarn völlig verloren, ebenso ihr gesamtes Vermögen. Die Mitglieder der Assoziation waren und sind in alle Teile der Welt zerstreut, der Präsident, Erzherzog Josef legte sein Amt aus Altersgründen (er war über 80 Jahre alt) nieder. In den 50er Jahren gelang es Fra’ Hubert Pallavicini, den Kontakt mit vielen Rittern und Damen wieder herzustellen. Er wurde zuerst von Großmagisterium beauftragt, dann durch Briefwahl als Präsident bestätigt, so daß die Neubelebung der Assoziation im Exil beginnen konnte.
Soweit die Geschichte des Ordens in Ungarn bis zum Ende der Volksrepublik Ungarn. Die gegenwärtige Situation des Ordens werden wir in einer der nächsten Ausgaben darstellen.

|