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3. August 2005 - 100. Geburtstag unseres Ordensmitgliedes Franz Kardinal König
Am 3. August 2005 hätte der im Vorjahr verstorbene emeretierte Erzbischof von Wien, Franz Kardinal König, seinen 100. Geburtstag gefeiert. Kardinal König besaß als Bailli Ehren- und Devotions Großkreuz Ritter eine der höchsten Ränge im Souveränen Malteser Ritter Orden und hat den Orden in seiner Tätigkeit immer wieder unterstützt und gefördert. Besonders bemerkenswert war sein Gastkommentar in der Tageszeitung "Die Presse" am 17. April 1999. An diesem Tag feierte das Großpriorat ôsterreich des SMRO das 900 Jahre Jubiläum des Ordens mit einem feierlichen oekumenischen Gottesdienst den Kardinal König vorstand, gemeinsam mit dem Johanniter Orden im Dom zu St. Stephan. Der nachfolgende Empfang des Großpriorats stand übrigens ganz im Zeichen der alarmmäßigen Verlegung erster Einsatzkräfte des Malteser Hospitaldienst Austria nach Skhodra in Albanien zum Aufbau des ôsterreich Camps für Flüchtlinge aus dem Kosovo, gemeinsam mit dem ôsterreichischen Roten Kreuz und dem ôsterreichischen Bundesheer.

900 Jahre Dienst am Nächsten
Artikel aus der Tageszeitung "Die Presse" von Franz Kardinal König
Vor nunmehr 900 Jahren gründete Bruder Gerhard in Jerusalem eine Bruderschaft als Ritterorden vom Hospital des hl. Johannes. Die ureigenste Motivation des Ordens bestand darin, dem "Herren Kranken" zu dienen. Im Kranken erkannten nämlich die Brüder ihren Herrn, Jesus Christus. Sie wollten, so weit sie konnten, das Elend in der Welt verringern. Im Verlauf der Kreuzzüge pflegten sie Kranke und Verwundete, gleich welcher Religion. Die Krise auf dem Balkan führt auf äußerst drastische Art und Weise vor Augen, daß der Dienst am Nächsten auch heute eine gesellschaftliche Notwendigkeit darstellt. Oft scheinen wir zu vergessen, ihr zu entsprechen. Um so erfreulicher ist es, daß es Gruppierungen in der Gesellschaft gibt, die mit ihren tagtäglichen Dienst am Nächsten uns diese Notwendigkeit in Erinnerung rufen. Heute, am 17. April, gedenken der Souveräne-Malteser-Ritter-Orden und die ôsterreichische Kommende der Balley Brandenburg des Johanniterorden in einem ökumenischen Dankgottesdienst im Wiener Stephansdom ihrer Gründung vor 900 Jahren. Ein Grund zu feiern. Angesichts des Elends auf dem Balkan ein Grund, sich mit ihren Ideen zu beschäftigen. Sind wir nicht in unserer Zeit zu sehr mit uns selbst beschäftigt? Haben wir es nicht verlernt, den anderen zu helfen, einfach so, ohne Hintergedanken? Ich hoffe nicht. Gerade wenn wir den Einsatz der - vor allem auch der jungen - Mitglieder der Orden und Mitglieder anderer Hilfseinrichtungen betrachten, so können wir erkennen, daß unsere Gesellschaft es noch nicht vergessen hat, dem Nächsten zu dienen. Mit einem Einsatz, der oft wirklich an den Rand der körperlichen Erschöpfung geht, versuchen sie, so gut sie können, dem Nächsten zu dienen. Der Mensch "verwirklicht" sich am Du, und nicht am Ich. Am Du überwindet sich der Mensch, er wächst sozusagen "über sich hinaus" und verwirklicht sich in seiner eigentlichen Identität. Von daher ist der Dienst am Nächsten etwas ganz Menschliches, etwas ganz "Natürliches". Im übertragenen Sinn ist der Dienst am Nächsten der Dienst am eigenen Ich. Es mag einem zunächst schwer fallen, sich mit alten Ritter-Zeichen und Ausdrücken anzufreunden. Die schwarzen Kukullen können schon etwas befremdend auf den modernen Menschen wirken. Aber der Ordensritter, der gerade noch im Dom 2000 Jahr alte Gebete formulierte, koordiniert unter Umständen schon einen halben Tag später den Transport modernster Atmungsgeräte nach Albanien. So verbindet sich alt und neu, und so erkennt man das Zeitlose. Die alte Idee des Bruder Gerhard wurzelt in der Lehre Christi und hat über alle Epochen hinweg nichts an seiner Aktualität verloren. Für die Zukunft glaube ich vielmehr sagen zu können, wird das Richtmaß der gesellschaftlichen "Gesundheit" der Dienst am Nächsten sein. Ich glaube fest daran, daß wir uns immer wieder an die eigentlichen Aufgaben des Lebens erinnern werden. Diese Aufgaben werden auch nicht "nur" von den Orden oder anderen gesellschaftliche Gruppierung mit einer ähnlichen Ausrichtung übernommen werden können. Jeder einzelne wird sich immer wieder darauf zurück besinnen, um sich in seinem ganz persönlichen Dienst am Nächsten zu "verwirklichen". Im diesem Sinne sage ich mit Freude: Auf weitere 900 Jahre!

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