Malteser Kreuz

Malteser-Ritter auf dem Heldenberg

Die Niederösterreichische Landesausstelldung des Jahres 2005 am "Heldenberg" beim Schloß Klein-Wetzdorf, Gemeinde Groß-Wetzdorf, setzt sich mit dem Thema "Helden" aus heutiger, kritischer Sicht auseinander. In der Zeit der Entstehung des Heldenberges durch den Kriegsindustriellen Pargfrieder wollte dieser jedoch auch herausragenden Offizieren ein Denkmal dafür setzen, daß sie durch ihre militärische Leistungen zur Erhaltung des damaligen Monarchie und des Staates entscheidend beigetragen hatten. Unter den zahlreichen im Freien stehenden Büsten des Heldenbeges befinden sich, für die meisten unbekannt, auch mehrere Malteser Ritter und gleichzeitige kaiserliche Offiziere, auf die und ihre Bedeutung hier kurz eingegangen werden soll.
Kenntlich auch an ihrem Malteser Profeßkreuz ist die in Zink gegossene Büste (an der Balustrade) des Feldmarschalls und Baillis Fr† Joseph Maria von Colloredo Mels und Wallsee (1735-1818). Militärisch stieg er zum Chef und Reformator der kaiserlichen Artillerie auf, mit der er im letzten österreichischen Türkenkrieg erfolgreich die Festung Belgrad beschoß und damit deren kriegsentscheidende Kapitulation 1790 einleitete. Als kaiserlicher Kriegsminister war er wesentlich an der militärischen Niederringung Napoleons beteiligt. Seit seinem vierten Lebensjahr in den Malteser Orden eingeschrieben, wurde er unter anderem zum Komtur von Mailberg und, nachdem er schon Ordensgesandter am Wiener Hof gewesen war, 1791 zum Großprior von ôsterreich-Böhmen gewählt. Als solcher trug er in den schweren Jahren nach der Vertreibung des Ordens aus Malta 1798 und der Auflösung seiner europäischen Strukturen durch die napoleonischen Regimes viel zum öberleben des Ordens und der Beibehaltung seiner Souveränität bei.

Dauber Heldenberg gross

Ebenfalls durch ihre Ordenskreuze deutlich in Erscheinung tretend, ist die lebensnahe Büste (an Rondeau um Siegessäule) des Malteser Profeß-Bailli Fr† Sigmund von Reischach (1808 -1878). Er nahm früh den Militärberuf auf und legte mit 24 Jahren seine Profeß im Malteser Orden ab. Seine Berufslaufbahn führte ihn 1846 zum Obersten und Regimentskommandanten, als welcher er für seine herausragenden Leistungen im Italienfeldzug des Jahres 1848 mit dem Ritterkreuz des Maria-Theresien-Ordens den höchsten österreichischen Militär-Ordens erwarb. Seine Original-Distinktion befindet sich heute im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien, ebenso wie seine Reithosen und sein Leindwandkittel, die er als Divisionsgeneral in der Schlacht von Magenta 1859 trug. Später wurde er noch ehrenhalber zum Feldzeugmeister (General der Artillerie) ernannt. Im Großpriorat von ôsterreich-Böhmen des Malteser
Ordens wurde er unter anderem 1877 Komtur der Kommende St. Johann zu Wien, wo in der Malteser-Kirche noch heute sein Wappenschild als Bailli und Komtur zu sehen ist. Dort ziert auch sein entsprechendes, schön geschnitztes und bemaltes Relief-Wappen noch heute die von ihm gestiftete, so genannte. Kanzlerbank. In der Kanzlei des Großpriorates hängt sein repräsentatives ôlporträt. Fr† Sigmund erreichte als Bailli und Rezeptor die dritthöchste Position im Großpriorat und wirkte auch als Gesandter und bevollmächtigter Minister des Souveränen Malteser Ritter Ordens in Wien, allerdings nur kurze Zeit, da er schon bald darauf, 1878, verstarb. Fr† Sigmund war als Kapitelmitglied auch Mitglied jener Ordensdelegation, die dem Kaiser 1861 die freiwilligen Dienstleistungen des Großpriorates im Kriege vorschlug und wirkte 1875 bei dessen Kapitelbeschluß zur Aufstellung der Hospitalzüge mit.
Weitere bedeutende kaiserliche Offiziere und zumindest zeitweise Malteser Ritter, die am Heldenberg nicht auf den ersten Blick als solche zu erkennen sind, waren: Ocatavio Piccolomini (1599-1656), der große General und kaiserliche Gegenspieler Wallensteins, dem auch Schiller in seinem Drama über den letzteren
einen wichtigen Platz zugewiesen hat. Piccolomini war Malteser Ritter bis zu seiner Erhebung zum Herzog von Amalfi und der geplanten Gründung einer eigenen Dynastie. Piccolomini war der kaiserliche Chefverhandler beim Westfälischen Frieden 1848 und danach der erste Befehlshaber eines erstmals stehenden kaiserlichen Heeres (Büste .in Heldenallee).
Feldmarschall (Fr†) Leopold Graf Daun (1705-66), der wichtigste General Maria Theresias, der erste von ihr mit dem Großkreuz ausgezeichnete österreichische Offizier und Spiritus rector der Maria-Theresianischen Militärakademie, war bis zum Generalsrang, bis zur Entbindung von seinen Gelübden und der nachfolgenden Verehelichung mit der Gräfin Fuchs, der Erzieherin Maria Theresias, Malteser Profeßritter, Komtur und Bailli von St. Josef gewesen (Büste am Abgang Säulenhaus). Fr† Laval Graf Nugent von Westmeath (1777-1862), ein Ire in österreichischen Militärdiensten, war 1809 Generalstabschef bei Erzherzog Johann, eroberte 1813 das Po-Gebiet und illyrische Gebiete von Napoleon, leitete 1815 den rechten Flügel der österreichischen Armee in Italien und besiegte den napoleonischen General und König Murat. 1848 führte er als General ein Armee-Korps unter Radetzky und wurde schließlich 1849 zum Feldmarschall befördert (Büste an Balustrade). Die Gedenkbüsten von Malteser Rittern am Heldenberg sind ein deutlicher Hinweis auf die noch zu wenig bekannte Rolle, die Ordensmitglieder immer wieder in der österreichischen Geschichte gespielt haben.
Die Helden und die Malteser heute? Landeshauptmann Erwin sagte in seiner Ansprache anläßlich der Eröffnung der Ausstellung auf dem Heldenberg dazu: "Die Helden unserer Zeit sind die Freiwilligen!"

  •  Robert L. Dauber

Seite ausdrucken: einfach hier klicken!

 

Letztes Update dieser Seite: Montag, 15. August 2005 um 17:31:04 Uhr
© 2012 - Malteser Kreuz