Malteser Kreuz

Sonderdienst in die Wachau

An einem Fronleichnamstag, genauer am 26. Mai 2005, machten sich mehrere Malteser mit ihren Betreuten auf den Weg in Richtung Wachau nach Artstetten. Die Abfahrt war um 8:00 Uhr am Börseplatz und hohe Erwartungen wurden an unsere Einsatzleiter Marie Gatnar, Stefanie Foidl und Gaetan d`Harambure gestellt. Auch die Stimmung unserer Betreuten war von Neugier und Ungeduld auf das Bevorstehende gefesselt. Inventar und sonstige Gerätschaften wurden noch von den schon am Böpla eingetroffenen Maltesern geordnet, überprüft und verstaut. Wir warteten, bis auf den letzten Glockenschlag der vollen Stunde, auf noch fehlende Mitfahrende, um schließlich unsere Sachen zu packen und mit unseren angeforderten Sonderdienstfahrzeugen, den M6 und M7, uns auf die Socken zu machen.

DSCN7596
Fronleichnam 2005 - Frühjahrs-Ausflug der Ausbildungsgruppe mit Behinderten nach Maria Taferl und Artstetten.

Die aufgehende Sonne fächerte, während unserem Zusammensein in den Fahrzeugen, auf und erhöhte die aufsteigende Hitze in den Gefährten. Nach einer zweistündigen, von einer Fronleichnamsprozession kurz unterbrochenen, jedoch angenehmen Fahrt durch eine von Wiesen, Wäldern und Blüten durchwachsenen Landschaft, steuerten wir auf die Spitze des Berges, in der Ortschaft namens Maria Taferl, hinauf. Die kurvenreiche Fahrt endete bei einer schon älteren, aber sehr ansehnlichen Kirche, der Wallfahrtsbasilika Maria Taferl. Die beeindruckende Aussicht raubte allen den Atem und bestätigte einigen ihr Verlangen nach einem längerfristigen Platz im Schoß der Mutter Natur. Mehrere lustige und schöne Photos wurden als Erinnerungsstütze geschossen, und schon riefen uns die Glocken des nahestehenden Gotteshaus zur anstehenden Messe und zum stillen Gebet. Die Kühle der Kirche trat uns entgegen und verscheuchte die schweißtreibenden Temperaturen der noch vor kurzem am Firmament stehenden prallen Sonne. Nun wechselte dieses Bild mit faszinierenden Stichen an den Kirchenmauern und deren Gewölben. Noch gefangen von dem Eindruck sprach der Geistliche die erste Lesung der mit einfachen Worten geschilderten Messe, mit einer kurzen Erwähnung unsereins zum Beginn der Predigt. Andachtsvoll lauschten wir dem Vortragenden und der von ihm mit sanften unterstreichenden Bewegungen erläuterten christlichen Lehre. Nach der Eucharistie und einem letzten von Christus handelndem Lied, verließen wir wieder die Kirche und bewegten uns, nach einem gemeinsamen Gruppenphoto, in ein auf einer Anhöhe nahestehendes Cafe. Wir gönnten uns noch ein kühles Getränk und bestiegen wieder unsere Fahrzeuge, um die Fahrt in ein in der Nähe befindliches Lokal und Gasthaus ins benachbarte Nußendorf fortzusetzen und unsere knurrenden Mägen mit Essen zu füllen. Einer der besten Heurigen der ganzen Umgebung wurde uns, von in der Nähe niedergelassenen Bürgern, empfohlen. Die Speisen waren ein wesentlicher Auslöser der neuen Kraftschöpfung und die weitere gute allgemeine Unterhaltung, die unsere Gespräche auslösten, flößten uns neuen Tatendrang ein. Nachdem wir Speis und Trank genossen hatten, ergriffen wir neuerdings unsere "sieben Sachen", verstauten alles wieder in unsere Gefährte und fuhren zum Schloss Artstetten. Dort angekommen, stiegen wir die Treppen zum Schloss hinauf, das gewissermaßen doch ein Museum war und einer der Einsatzleiter, Gaetan, meldete uns beim Empfang an. Einen kurzen Augenblick später stand ein freundlicher Führer zur Verfügung der uns in die "Geheimnisse" des Lebens der ehemals kaiserlichen Familie einweihte. Das herausragende Thema stellte die Geschichte des Schlosses selbst und einer seiner schon beinahe in Nebel der Vergessenheit geratenen Besitzer dar, nämlich der 1914 in Sarajewo ermordete Neffe Kaiser Franz Josefs, Erzherzog Franz Ferdinand. Das Leben, die Erziehung und der Tod wurden mit einfachen und doch beeindruckenden Beschreibungen ausschweifend, jedoch mit bedrückender Stimme des Tutors nacherzählt und ein sanfter Hauch von Dramatik umzog unsere Sinne im letzten Raum wie ein Nebel, der seine kühlen und doch zärtlichen Hände in Form eines Schleiers der Vergangenheit in einem Herbstmorgen über die Lande ziehen lässt. Das Ableben des einstigen Thronfolgers Franz Ferdinands endete in detailreichen von der Phantasie durchwachsenen Gedankensträngen und beschäftigte noch längere Zeit unsere Gemüter.

DSCN7646
Erholung beim Eis im Schloßcafé Artstetten.

Schließlich stellte sich die Frage, was nun nach diesem tief beeindruckenden Museumsbesuch unternommen werden solle. Die Lösung wurde schnell gefunden. Wir setzten uns sogleich in den Gastgarten des Schlosses und genossen ein Eis in der ausklingenden Nachmittagshitze. Erste Momente der Entspannung machten sich breit und mehrere Teilnehmer unserer Gruppe entschlossen sich noch die restlichen, zur Verfügung stehenden Photos ihrer Kamera abzulichten. Nachdem die Getränke kamen und die Eisbecher am Tisch standen, formten sich Unterhaltungen über die Eindrücke und das Erlebte der Anwesenden. Kurz vor der Abfahrt marschierten die meisten Grüpplinge in den, auf den Weg liegenden, Souvenirladen und kauften sich noch viele nette Kleinigkeiten, wie Anhänger, Spiele und Bilder als immer bleibende Erinnerung an das Erlebte dieses außergewöhnlichen Sonderdienstes. Nach unserer Heimreise verabschiedeten wir uns voneinander. Alle sind gut nach Hause gekommen und haben wirkliche Bereicherungen aus den vielen wunderbar erlebten Momenten mitgenommen, welche uns noch lange in Erinnerung bleiben werden.

  •  Marie Gatnar und Norman David Schlatter


 

Seite ausdrucken: einfach hier klicken!

 

Letztes Update dieser Seite: Montag, 15. August 2005 um 17:23:29 Uhr
© 2012 - Malteser Kreuz