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Schiller und der Johanniter-Malteser-Orden
Im Jahre 2005 wird im ganzen deutschen Sprachgebiet des 200. Todestages Friedrich von Schillers (1759-1805), von vielen als der populärste und gefeiertste deutschsprachige Dichter angesehen, mit einer Reihe von Veranstaltungen in der ôffentlichkeit gedacht. Nur wenigen Schiller-Spezialisten ist hiebei jedoch bekannt, daß der große Dichter ein ausgesprochen enges historisches und literarische Nahverhältnis zum Johanniter-Malteser-Orden besaß.

Schiller beschäftigt sich in fast allen seinen Werken mit den Spannungsverhältnis des menschlichen Daseins zwischen seiner geistigen Natur (höhere sittlichen Werte, Disziplin etc. ...) und seiner tierischen ("physische" Bedürfnissen wie Wohlergehen, Freiheit, Leidenschaft etc.). Darüberhinaus entwickelte der Dichter ein ausgesprochenes Interesse an historischen Themen, die er eingehend studierte und über die er auch publizierte und Universitätsvorlesungen hielt. Hiedurch kam er auch schon früh in Berührung mit der Geschichte des Johanniter-Malteser Ordens. Schon in seinem zweiten Werk und ersten großen Drama "Don Carlos" (1784), läßt er, in der Hauptperson des Marquis Posa, "einen Malteser Ritter", auftreten., Dessen Mitgliedschaft im ritterlichen Mönchs-Orden der Malteser tritt in moderneren Inszenierungen bis zur Unkenntlichkeit (auch seines Ordensgewandes) in den Hintergrund, war aber von Schiller, der die hohen Ideale des Ordens kannte und anerkannte, durchaus beabsichtigt. In ein besonderes schaffensmäßiges Naheverhältnis zum Johanniter-Malteser- Orden trat Schiller jedoch während seiner Lehrtätigkeit an der Universität Jena (ab 1788), als er die Vorrede zu der deutschen öbersetzung Niethammers (1792) der bekannten Ordensgeschichte von Vertot (1722) verfaßte. In dieser führt der aufgeklärte Schiller zwar aus, daß der historische Kraftaufwand und Heroismus des Ordens in seiner Zeit überflüssig und unmöglich geworden sei, erkennt aber gleichzeitig dessen hohe religiöse, hospitaläre und ritterliche Ideale an. Auch bei den Ordensrittern beschäftigt Schiller besonders das Spannungsverhältnis zwischen Ordensdisziplin und Individualinteressen. Besonders fasziniert ihn die Figur des Großmeisters Fr† Jean de la Vallette während der großen Belagerung von Malta im Jahre 1565. Von 1788 bis 1798, also ganze zehn Jahre lang, beschäftigte sich Schiller mit der Herausgabe eines weiteren großen historischen Dramas mit dem Titel "La Vallette" oder "Die Maltheser". Er überarbeitet den Stoff mehrmals und der inhaltliche Gesamtaufbau seines Dramen-Plans sowie einige ausformulierte Schlüsselszenen sind uns erhalten geblieben. Kernpunkt seines Stücks ist die Bereitschaft der Selbstaufopferung durch den Großmeister als die hoffnungslose, aber strategisch wichtige Verteidigung des Forts St. Elmo von seinen Ordensrittern aufgegeben werden will. Das hohe Beispiel ihres Großmeisters reißt die schwach gewordenen Ritter mit, führt zu ihrem Sinneswandel und sie opfern sich für den kommenden Verteidigungssieg. In dieser Planungsperiode schuf Schiller 1795 auch das bekanntere Gedicht "Die Johanniter", in welchem er den von Demut getragenen Krankendienst der Ritter noch über den oft bewiesenen Kampfesmut stellt. Leider führte die von den Zeitgenossen - anders als heute - als schmählich empfundene kampflose öbergabe der Insel Malta durch den Orden an Napoleon im Juni 1798 zu einer Situtation, welche die Fertigstellung und Aufführung des geplanten großen Dramas über den Orden ("La Vallette") für Schiller praktisch unmöglich erscheinen ließ. Der auch zeitlich gesehen unglückliche Verlust von Malta hat damit die Welt um ein weiteres geplantes großes historisches Drama Schillers ärmer gemacht. Nachdem er sich so lange mit dem Orden beschäftigt hatte, griff Schiller dieses Thema aber unmittelbar nach dem Verlust Maltas doch noch einmal durch Rückgriff auf eine frühere Zeit auf und verfaßte im August 1798 die herrliche Ballade "Der Kampf mit dem Drachen". In ihr wird geschildert, wie im 14. Jhdt. ein junger erfolgshungriger Ordensritter gegen den ausdrücklichen Befehl seines Großmeisters einen, die Bevölkerung von Rhodos heimsuchenden Drachen (Krokodil, Riesenechse) erlegt. Vom Großmeister wegen seines Ungehorsams streng zur Verantwortung gezogen, erlangt er aber durch seine Einsicht und Unterwerfung unter die Ordensdisziplin wieder seinen vorigen Status. Der Drachentöter Fr† Deodoat de Gozon wurde später selbst zum Großmeister auf Rhodos gewählt (1346-1353). 1799 schloß Schiller schließlich seine Dramentrilogie "Wallenstein" ab, in welcher die historischen (zeitweisen) Malteser Ritter General Octavio Piccolomini und sein Neffe eine Schlüsselrolle spielen. Die Spuren dieser beiden Ordensmitglieder finden sich noch heute in den Ordensarchiven auf Malta. Der große deutschsprachige Dichter Schiller hat daher in sechs seiner Werke bewußt Johanniter-Malteser Ritter personifiziert und deren Ideale thematisiert.

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