|
Unser Pilgerflug nach Lourdes 2005
Das diesjährige Motto der Wallfahrt vom 29. April bis 3. Mai 2005 lautete: "Unruhig ist mein Herz bis es ruht in Dir. "Wie Bernadette, das einfache, kränkliche und ungebildete Kind eines verarmten Müllers, sind wir ebenso zur Grotte von Massabielle gegangen.
 Lourdes gab sich in diesem Mai umgewohnt sommerlich - Hitze und nicht der gewohnte Dauerregen machte Pilgern und Betreuern zu schaffen.
Nicht wie das Kind im Februar bei Eis und Schnee zu Fuß mit schlechtem Schuhwerk- aber doch mit einigen Mühen bei der Anfahrt zum Flughafen, beim Einchecken, beim spätnächtlichen Ankommen in Lourdes. Aber versuchen wir uns mit Bernadette zu vergleichen:
- Wir kommen wie Bernadette zum Beten an die Grotte,
- Wir kommen mit einem frohen Lächeln, wie die Mutter Gottes Bernadette anlächelte
- Wir kommen in einer Prozession, wie es die Mutter Gottes Bernadette aufgetragen hat,
- Wir bauen im Gebet ein imaginäres Kirchengewölbe, auch das ein Auftrag Mariens,
- Wir können an der Grotte geheilt werden, jedoch Bernadette wurde nicht gesund ..."
Diese einfühlsamen Zeilen waren am 30. April in der "Tagesreportage" zu lesen, die junge Malteser jeden Abend den Pilgern und Betreuten nach der Complet überreichten. Mit dem etwas verspäteten Abheben eines Charter-Sonderfluges "SkyEurope" um 20.45 Uhr von Wien/Schwechat begann eine Wallfahrt der besonderen Art, die sich im Rückblick - trotz der sehr verkürzten Anreisezeit (mit dem Zug benötigte man für die Anreise 26 Stunden und für die Abreise ebenfalls) - rundum als voller Erfolg darstellen lässt.
 Hochrangige Betreuung für einen hochrangigen Ritter.
Vorweggenommen sollte auch kurz festgehalten werden, dass der Flug, nebst der physischen Schonung für die Betreuten, unter Berücksichtigung des sehr günstig von der Einsatzleitung, Niklas Koutny und Eberhard Toggenburg ausgehandelten Flugtarifes und des Wegfalls verschiedener weiterer Kostenfaktoren (z.B. Verpflegung während der Reise) in Summe sogar ein vergleichsweise günstigeres Kostenergebnis brachte, als eine Wallfahrt mit der Bahn. Von dem Flugfeld in Tarbes wurden Patienten und Begleitpersonal zu mitternächtlicher Stunde mittels bereitgestellter Autobusse in das rund 15 km entfernte Lourdes gefahren. Seit dem Jahre 2000 zum zweiten Mal waren Patienten und Malteser im gleichen Hotel (Albion) im Stadtzentrum untergebracht, was dem Pflegepersonal viele Wegzeiten in das früher für die Patienten gewählte "Accueil Sainte Bernadette" in Ufernähe des Grave de Pau ersparte, vor allem aber dafür sorgte, dass Malteser & Patienten in diesem Jahr ganz speziell eine große, konsistente Gemeinschaft bildeten. Eberhard Toggenburg: "Ganz besonders die mitreisenden Pilger waren wesentlich mehr als sonst integriert und konnten teilhaben und sogar mithelfen bei der Arbeit an unseren Herren Kranken".
 Stimmungsvolle Musik während der Krankensalbung.
Einer der Höhepunkte - neben der Krankensalbung in St. Joseph - war sicherlich am Sonntag die "Internationale Messe" in der unterirdischen Basilika Pius X, die 1958 zur 100-Jahr-Feier der Erscheinungen vom damaligen Patriarchen von Venedig, dem nachmaligen außergewöhnlichen Papst und nunmehrigen Heiligen Johannes XXIII., eingeweiht worden war. In dem etwa 12.000 m2 großen und rund 20.000 Pilger fassenden Betongewölbe (von den jungen Maltesern liebevoll-respektlos "Tiefgarage" genannt) hatten sich unter Führung des Fürsten und Großmeisters Fra Andrew Bertie tausende Malteser aus fast allen Staaten Europas und den USA, sowie rund 1.000 Ordensdamen und Ritter eingefunden um das Hochamt, - geschart um den Hauptzelebranten, den maronitischen Patriarchen von Antiochia, Siri - zu feiern. Die frühlingshafte und trockene Wetterlage ermöglichte die Sakramentsprozession am Sonntag und die Lichterprozession mit anschließendem Besuch der Grotte am Montag ohne Einschränkungen durch wasserfeste Kleidung und Regenschutz durchzuführen. Wie auch in den Jahren und Jahrzehnten zuvor, wurde bei dieser Pilgerfahrt der persönliche Kontakt zu den Betreuten in den Vordergrund gestellt. Zur vielseitigen Betreuung standen bereit: 2 Ärzte (Dr. Sonja Schwarz, Dr. Nikolaus Waldstein), 2 dipl. Krankenschwestern Mariella Pitner u. Elisabeth Wagner), eine dipl. Physiotherapeutin (Gisela Unterrichter) sowie drei Priester (S.E. Weihbischof Dr. Alois Schwarz, P. Rudolf Schaffgotsch CO. u. P. Patrick Bußkamp). Die Patienten hatten somit Gelegenheit sich über ihre individuellen Probleme und Nöte auszusprechen und so mancher Malteser griff zu Zettel und Bleistift, um sich die Heimatadresse des zumeist einsamen Menschen für spätere Kontakte zu notieren. Bei der spirituellen Betreuung hatten Weihbischof Schwarz und die beiden Patres die heikle Aufgabe übernommen, den Kranken angesichts der Basilique Superieure und der darunter gelegenen Grotte den Sinn und die Bestimmung ihrer Leiden und Entbehrungen verständlich zu machen: Nicht die Heilung des Körpers sei das Maß aller Sehnsüchte und Hoffnungen, sondern der wiedergewonnene innere Friede und die Heilung der Seele. So manches hat in Lourdes in dieser kleinen Wallfahrt-Gemeinschaft dazu beigetragen dieses Paradoxon zu verstehen. Der Anblick menschlichen Leides, menschlicher Vergänglichkeit, hat viele Pilger und Helfer zu einer Art "Urchristentum" zurückgeführt: Jeder hilft, jeder packt zu; jeder hat für den Nächsten ein freundliches Wort, eine liebevolle Geste. Ehrenamtliche "Brancardiers" heben die Kranken ebenso wie die Gesunden in die heilbringenden Piscinen; endlos scheinende Kolonnen von Wägelchen schieben sich scheinbar plan- und ziellos durch die rücksichtsvoll zurückweichende Menschenmenge. Am vorletzten Tag wurde das traditionelle Gruppenbild absolviert. Der Nachmittag stand entweder für eine beschwerliche und steile Kreuzwegwanderung am Espeluges oder für Einkäufe zur Verfügung. In den profanen Kitsch-Läden außerhalb des Hl. Bezirkes ließ sich doch auch noch so manch liebes Andenken für Zuhausegebliebene finden. Bevor sich für die Malteser und ihre Betreuten die Reise dem Ende zuneigte, wurde ein Ausflug zu den Jahrmillionen alten Tropfsteinhöhlen von Betharam unternommen. Das erste "unterirdische Stockwerk" konnte bequem mit den Rollstühlen absolviert werden. Auch das anschließende Mittags-Picknick im Freien war durch das fast wolkenlose Wetter begünstigt. So manchem Patienten und Malteser war trotz all der Freude einer gesunden Heimankunft in Wien/Schwechat doch etwas schwer ums Herz, im Bewusstsein, dass das seelentröstende Geschehen der letzten Tage vorbei war. Was bleibt? P. Rudi Schaffgotsch hatte im Vorjahr in Nevers den Sarg der Hl. Bernadette besucht und eine wichtige Erkenntnis in eine Betrachtung eingebaut: Am Sockel des Sarges kann man folgenden eingravierten Satz lesen: "Ich verspreche Dir nicht, in dieser Welt glücklich zu sein, aber in der anderen".
-
Mag. Georg Reichlin-Meldegg

|
 |
|