Malteser Kreuz

Drei Monate als Volontärin im Hôpital Sainte Famille in Bethlehem

Bei meinem ersten Besuch im Heiligen Land im September 1999 hat mich dieses Land sehr fasziniert, schon damals wußte ich, daß ich einmal hierher zurückkehren werde. Besonders angetan hatte es mir das von französichen Maltesern in Bethlehem betriebene Hôpital Sainte Famille. Wir wurden mit orientalischer Gastfreundschaft empfangen und durften auch alle Einrichtungen besichtigen.

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Mitarbeiterabendessen bei Dr. Keutgen (Bildmitte), rechts DiplGuKrSr. Katharian Bauer.

Dieses Krankenhaus ist eine reine Geburtsklinik und damals hat mich der hohe Standard und die tolle Atmosphäre in dieser Klinik sehr fasziniert. Von Anfang September 2004 bis Ende November 2004 bin ich nach Bethlehem in das Hôpital Sainte Famille zurückgekehrt. Ich arbeitete dort ehrenamtlich als Krankenschwester auf der Frühgeburtenstation.

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So klein und schon ein Mensch.

Das Krankenhaus liegt in den palästinensischen Autonomiegebieten und daher setzt sich auch das gesamte Personal fast ausschließlich aus Palästinensern zusammen. Der Direktor, Dr. Robert Tabash, ist ein christlicher Palästinenser, das zugehörige Klosters wird von Sr. Sophie, die ursprünglich aus dem Libanon stammt, geleitet. Die administrative Leitung hat im Moment Dr. Jacques Keutgen, ein belgischer Kinderarzt und Malteserritter, inne. Er arbeitet seit mehr als einem Jahr ehrenamtlich in diesem Krankenhaus. Das Personal besteht aus ca. 90 Personen, teils Christen, teils Muslim. Die Patientinnen sind hauptsächlich muslimische Frauen, da die Zahl der Christen in Palästina drastisch sinkt. Eine christliche Frau bekommt meist 3 oder 4 Kinder, während eine muslimische Frau bis zu 10 Kinder bekommt. Dementsprechend arm sind diese Familien und der politische Konflikt verstärkt die schwierige Situation noch mehr. Wie einstmals im Hospital zum Heiligen Johannes in Jerusalem werden auch hier alle Hilfesuchenden, egal welcher Abstammung und Religion, behandelt. Viele könnten sich eigentlich eine Geburt im Krankenhaus gar nicht leisten, jede Patientin zahlt jedoch nur, was sie entbehren kann und für den Rest kommt das Krankenhaus auf. Es gibt natürlich staatliche Krankenhäuser in Palästina, doch laut Angaben der palästinensischen Bevölkerung, sind die Zustände dort so schlecht, dass man sie nur als "Sterbekliniken" bezeichnet. Das Einzugsgebiet ist sehr groß und die Frauen kommen auch aus den Flüchtlinslagern und aus der Wüste. Allerdings schaffen es nicht alle bis in das Krankenhaus, da die israelischen Soldaten oft ein Überqueren der Straßensperren (Checkpoints) für Palästinenser unmöglich machen. Für diese Frauen hat das Krankenhaus eine mobile Klinik eingerichtet, die zweimal pro Woche verschiedene Außenstationen betreut.

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An der Mauer.

Ich arbeitete drei Monate auf der Intensivstation für Frühgeburten und kranke Neugeborene. Diese wurde 1998 eröffnet und ist die meiste Zeit komplett überlastet. Von Februar 1990 bis November 2004 kamen 31.450 Kinder im Hôpital Sainte Famille auf die Welt. Aufgrund der großen psychischen Belastung und des schlechten körperlichen Zustandes der Mütter nimmt die Zahl der Frühgeburten immer mehr zu. Obwohl ich keine Kinderschwester bin, wurde ich auf dieser Station eingeteilt, da die sprachliche Barriere zu den palästinensischen Frauen einfach zu groß gewesen wäre. Auch wenn die Arbeit mit den Neugeborenen komplettes Neuland für mich war und ich mich anfangs wirklich sehr schwer tat, erfreute mich die Arbeit mit den kranken Kindern sehr. Zu Beginn beschränkten sich meine Arbeiten hauptsächlich auf Füttern, Baden, Wickeln und dergleichen, doch ich lernte viel dazu und konnte schon bald selbstständig arbeiten. Am schwierigsten aber war für mich die Mentalität der Araber zu verstehen. Besonders die Frühgeburten lagen oft monatelang im Inkubator und es war schwierig für mich zu verstehen, dass manche Mütter in dieser Zeit nur zwei oder drei Mal vorbeikamen um ihr Kind zu sehen. Die meisten muslimischen Frauen müssen so viele Kinder zu Hause versorgen, dass sie entweder keine Zeit finden, ins Krankenhaus zu kommen, oder ihre Männer verbieten es ihnen. Auch sind die Eltern meist zu wenig aufgeklärt, wie wichtig ihre Anwesenheit für die Entwicklung ihres Kindes ist. Es ist nicht einfach, so ein kleines, wehrloses Kind ganz ohne Zuwendung wochenlang im Krankenhaus liegen zu sehen. Auch das Pflegepersonal vernachlässigte meiner Meinung nach die psychische Betreuung dieser Kinder. Es war für mich sehr schwierig das zu akzeptieren, doch wenn man das Leben der Palästinenser einige Zeit verfolgt, kann man ahnen warum sie so verhärtet sind. Ich habe dann versucht, mir so oft wie möglich Zeit für die Kinder zu nehmen, auch wenn ich damit nicht immer auf Verständnis stieß. Diese Babys reagierten sehr stark auf die Zuneigung.

Wie hoch der Standard in diesem Krankenhaus ist, kann man schon daran erkennen, daß Frühgeburten mit einem Gewicht von 1000 Gramm und darunter und heuer auch Fünflinge zur Welt kamen und das Krankenhaus gesund verlassen konnten.

Ich war in diesen drei Monaten anfangs sehr isoliert, was einfach daran lag, dass ich in Bethlehem fast die einzige Europäerin war. So redeten auch meine Mitarbeiter die meiste Zeit untereinander arabisch. Ich wurde nach ein paar Wochen auch sehr oft eingeladen und ich konnte mir wirklich ein gutes Bild vom Leben und der Mentalität der Palästinenser machen. Sie sind ein sehr gastfreundliches Volk, doch es dauert lange, bis sie zu einem Fremden wirklich Vertrauen haben. Wenn sie dann aber Vertrauen gefasst haben, hat man einen guten Freund gewonnen. Der politische Konflikt war immer im Vordergrund und es war schwer für mich, mir ein objektives Bild zu machen, da ich eigentlich nur die palästinensische Seite kennen lernte. Meiner Meinung nach leben die Palästinenser, auch aufgrund der Mauer, wie in einem Gefängnis und es geschahen täglich Menschenrechtsverletzungen. Ich habe dieses Gefühl von Gefängnis nur drei Tage erleben müssen, nämlich als Jassir Arafat gestorben ist. Es wurden alle Straßen und Checkpoints geschlossen und es war zu gefährlich das Krankenhaus zu verlassen. Diese drei Tage waren sehr nervenaufreibend und ich konnte mich gut in die Lage des palästinensischen Volkes hineinversetzen, das nun schon über vier Jahre mit dieser Situation fertig werden muß. Der Aufenthalt in Bethlehem war nicht immer einfach, für mich aber eine wichtige Erfahrung für mein Leben. Es wurde mir bewusst, in was für einem Paradies wir Österreicher wohnen und wie unwichtig der Großteil meiner "Problemchen" im Gegensatz zu denjenigen der Palästinenser ist.

Zum Abschluß noch ein Danke an die Delegation Tirol des SMRO, die mich bei den Reisekosten unterstützt hat.

  •  Katharina Bauer

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Letztes Update dieser Seite: Mittwoch, 23. März 2005 um 18:09:54 Uhr
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