Malteser Kreuz

Führt das Fasten näher zu Gott?

Für das Fasten gibt es viele Gründe. Der banalste ist, dass ich unbedingt abnehmen möchte. Gibt es ein Fasten, das zu Gott führt?
Jedes Jahr legt uns die Kirche diese Zeit ans Herz als eine "Zeit der Erneuerung und der Vorbereitung auf das Osterfest." Deswegen heißt diese Zeit richtig und korrekt auch "Österliche Bußzeit". Was wird sie dieses Jahr bewirken?
Fasten beginnt im Kopf und hat einen sehr individuellen, einen gemeinsamen Aspekt!

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Der individuelle ist naheliegend: Ich überlege, was ich will, was mir wichtig ist. Ich will freier werden und zwar genau an den Punkten, wo ich am meisten abhängig bin: beim Essen und Trinken, beim Rauchen. Ich faste, um damit Gott eine neue Chance in meinem Leben zu geben.
Der Mangel, den ich spüre, ist wie ein rotes Licht, das mich an das erinnert, worum es in meinem Leben im Tiefsten geht, was das Wichtigste in meinem Leben ist und welchen Sinn dieses hat. Von diesen Gedanken geht ganz Positives aus.
Ich frage mich fast automatisch: "Was willst Du - Gott - eigentlich von mir?" Und schon bin ich mitten im Gebet, das zur Tat führt: Ich merke, daß es einiges zu bereinigen gibt in meinem Leben; ich merke, daß ich mir mehr Zeit nehmen muß für Wesentliches; ich merke, daß es gut täte, dieses oder jenes Gespräch zu führen, das längst fällig ist; ich merke, daß ich wieder einmal zur Beichte gehen sollte, um meinen neuen Anfang mit Gott zu besiegeln. Fasten und Gebet gehören so untrennbar zusammen.

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Neben dem individuellen liegt mir aber heuer besonders der kirchliche und damit gemeinsame Aspekt des Fastens am Herzen. Wir kennen alle die Diskussionen, ob Gott und der Glaube an IHN in der europäischen Verfassung verankert sein kann oder nicht. Ist das neben der Frage der Trennung und Ergänzung von Kirche und Staat nicht ein Zeichen, daß unser christlicher Glaube oft nur mehr als Privatvollzug gelebt und wahrgenommen wird?
Welche Zeichen gibt es, daß gerade der christliche Glaube so stark die Kultur und das menschliche Zusammenleben geprägt hat und prägt?
Manchmal kommt es mir vor, daß die Kirchengebäude fast die einzigen Zeichen in der Welt sind, daß viele Menschen als Getaufte leben. Es ist richtig, daß wir, so wie der Hl. Franz von Assisi seinen Mitbrüdern geraten hat, "mehr durch unser Leben predigen als mit Worten".
Aber: Wird das für uns nicht manchmal zur Ausrede und zum Zeichen, daß wir uns fast des Evangeliums schämen und nicht darüber reden können und wollen?
Leben wir so, daß wir Zeugen dafür sind, daß Jesus Gottes Sohn ist und wir an sein lebendiges und heilsames Wirken und an seine Vergebung glauben?

Diese Fragen haben eine große Relevanz: im Menschenbild, beim Sinn des Leidens, in Fragen der Ehe und Familie, beim Lebensschutz, bei der Sicht der Natur, bei der Hilfsbereitschaft, bei der Selbstverantwortung, bei den politischen Präferenzen, usw.
Die österliche Bußzeit ist eine hervorragende Gelegenheit, um sich mit einigen dieser Fragen auseinanderzusetzen und dann zur Erneuerung unserer Gesellschaft einen qualifizierten Beitrag liefern zu können.

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Konstantin Spiegelfeld


Sie können mir gerne schreiben, damit wir auch Antworten auf diese Fragen finden (konstantin.spiegelfeld@rs6000.inivie.ac.at)!
Die große "Stadtmission" in Wien vom 23. Mai bis zum 1. Juni wird zur Bewußtmachung dieser Fragen und deren Antworten auch wichtige Impulse geben.Ich lade Sie heute schon ganz herzlich dazu ein!

Fastenzeit bedeutet: Das Leben neu an Christus orientieren: verborgen, persönlich und öffentlich. ER ist der Weg, der uns zum Ziel führt, ER ist die Wahrheit, die uns frei macht, ER ist das Leben, das unser Leben nährt, und ER ist der Gekreuzigte und Auferstandene! Für diese Zeit der Gnade und der Erneuerung wünsche ich Ihnen die Liebe und die Nähe Gottes!

  •  Konstantin Spiegelfeld

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Letztes Update dieser Seite: Mittwoch, 28. Mai 2003 um 15:38:40 Uhr
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