Malteser Kreuz

"Gutes denken, tun und dichten!" - eine außergewöhnliche Benefizmatinee

Eine außergewöhnliche Benefizmatinee zu Gunsten des Malteser Hospitaldienstes Austria Bereich Wien wurde am 12. September 2004 in der Orangerie des Schlosses Schönbrunn zu einem Fest für Helfer, Heiler und Poeten.


Prof. Heinz Nußbaumer und Dr. Joachim Huber.

Das Wetter war spätsommerlich sonnig, die Gäste des Hospitaldienstes festlich gestimmt. Die Begrüßung und einführenden Worte von Peter Hosek, Geschäftsführer der Orangerie, und VzKdt. Anton F. Gatnar vom MHDA öffneten Herzen und Brieftaschen.

Die Festansprache hielt Prof. Heinz Nußbaumer, der ehemalige Medienberater und Pressesprecher zweier Bundespräsidenten.
Heinz Nußbaumer begab sich nun auf eine launige und gescheite Besichtigungstour, die in Grenzgebiete zwischen Dichtkunst und Medizin führte, um seinen Zuhörern ein Gefühl für das ganze Ausmaß jenes "kleinen Grenzverkehrs" zu vermitteln, der auch den thematischen Mittelpunkt der Malteser-Matinee bildete.

Unausweichlich landete Nußbaumer bei Dr. Arthur Schnitzler: "Die unauslotbare Tiefe der menschlichen Psyche war sein Thema – in und außerhalb der Ordination: ‚Die Seele ist ein weites Land’, schrieb er – ‚und ihre natürliche Ordnung ist das Chaos’" Ja – und nicht ganz vergessen sollten wir jene Dichter und Ärzte, die sich auch noch in der großen Politik versucht haben – Revolutionäre allesamt, wie es ihrem ausgeprägten Sensorium für die Leiden der Menschheit entspricht.

Vernachlässigt, vergessen, haben wir bei unserem Rundgang natürlich all die Abertausenden literaturhistorisch unbekannten Ärzte, die außerhalb ihrer Arbeitszeit – und außerhalb der öffentlichen Aufmerksamkeit – auch geschrieben oder gedichtet haben – und so gut wie keine Spuren hinterlassen haben.

Aber was heißt "außerhalb der Arbeitszeit"? Willam Carlos Williams, einer der Ahnväter der amerikanischen Moderne, hatte sich – lieber Joachim höre – eine im Schreibtisch versenkbare Schreibmaschine zugelegt, um auch während der stark frequentierten Ordinationszeiten in seiner Praxis schreiben zu können. Williams wörtlich: ‚Ich brauchte nur die Platte, auf der die Schreibmaschine befestigt war, hochzuziehen – und schon konnte ich anfangen. Kam, während ich gerade mitten in einem Satz war, ein Patient herein – schwupp war die Maschine versenkt und ich war wieder Arzt. Kaum aber war der Patient draußen, da tauchte meine geliebte Schreibmaschine wieder auf."

Was bleibt als Fazit – und als Erkenntnis dieses kleinen Exkurses aus aktuellem Anlass? Heinz Nußbaumer stellt sich selbst diese brisante Frage: Sind Dichter – Lyriker gar – die besseren, die sensibleren Ärzte?
Nußbaumer dazu: "Eine schöne, überzeugend klingende These. Aber leider ist sie nicht immer mit der Wahrheit deckungsgleich. Von Arthur Schnitzler ist uns folgende frustrierte und frustrierende Tagebuch-Eintragung überliefert – und ich zitiere: ‚Mein Widerwille gegen Publicum, Aerzte, Praxis, Medizin ist erheblich gestiegen. Mich ekelt vor den Patienten, vor den Collegen, vor allem, was mich an den Beruf erinnert’.
Also frage ich umgekehrt: Sind Ärzte die besseren Dichter? Der Blick in die Geschichte scheint das tatsächlich zu bestätigen.

Zuallerletzt aber möchte ich – nach eingehenden Studien natürlich – mit dem Vorurteil aufräumen, dass der Beruf des Mediziners für viele große Dichter nur ein notwendiger Brotberuf war. Die Erfahrung zeigt: All zu oft war es gerade umgekehrt. Das Schreiben war vielen Ärzten nicht nur eine Leidenschaft oder eine Art psychisches Ventil – vielen von ihnen sicherte gerade die Literatur den Lebensunterhalt.

Für Joachim Huber, den Helfer, Heiler und Poeten, ist die letzte Entscheidung, woher künftig der finanzielle Segen einströmt, noch völlig offen. Viel wird also von diesem Fest und der Überzeugungskraft seiner nun folgenden Lesung abhängen!"

Umrahmt und unterstützt vom stimmungsvollen Klangkörper des "Salon Trios", Marcus Pristernik, Paul Hofmann und seinem Sohn Gustl Huber und seiner nicht weniger klangvollen Stimme, trug Dr. Joachim Huber einige Gedichte aus seinem neuen Gedichtband*) vor. Bevor die Gäste zum Büffet schritten wurde ein Werk des Bulgarischen Malers Iskren Iliev zu Gunsten des MHDA versteigert.

Iliev stammt aus Varna und ist seit 1996 in Wien. Zunächst studierte er in der Meisterklasse von Prof. Clemens Hutter, nach dessen Pensionierung bei Prof. Wolfgang Herzig. Iskren Iliev ist seit zwei Jahren freischaffender Künstler und lebt in einer kleinen Wohnung in einem Seitentrakt des Schlosses Schönbrunn.

Wie gesagt, eine außergewöhnliche Veranstaltung für außergewöhnlich spendenfreudige Gäste.

  •  Georg Reichlin-Meldegg


*) Dr. Joachim Huber, "Glaube, Hoffnung, Liebe. 300 mal glauben, lieben hoffen, verzweifeln, sterben und weiterleben", Freya Verlag, Gallneukirchen 2004, 223 Seiten, kart.,
ISBN 3-901876-06-09
Bestellung auch der gleichnamigen CD unter der eMail-Adresse: joachim.huber@gmx.at

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Letztes Update dieser Seite: Mittwoch, 22. Dezember 2004 um 22:16:18 Uhr
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