Malteser Kreuz

Die karitativen Aktivitäten des Malteser-Ordens

Albrecht Freiherr von Boeselager, Großhospitalier des Souveränen Malteser-Ritter Ordens (1) Teil II (2)

Die Finanzierung der Ordensaktivitäten´
Wegen der außerordentlichen Vielfalt und Unterschiedlichkeit je nach Land, Region und Aktivität ist die Frage nach der Finanzierung der Ordensaktivitäten sehr schwer umfassend und eindeutig zu beantworten. Nur in Italien und Österreich trägt altes Ordensvermögen zur Finanzierung der Verwaltungskosten bei.
Ansonsten verfügt der Orden – entgegen vielfältigen Vermutungen – über kein nennenswertes Vermögen, abgesehen vom Eigentum an den eigenen medizinischen und sozialen Institutionen.

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Albrecht Freiherr von Boeselager, Großhospitalier

„Fundraising“ im weitesten Sinne ist daher eine entscheidende Tätigkeit zum Aufbau und zur Sicherung der Ordensaktivitäten. Insbesondere in West- und Südeuropa sind viele medizinische und soziale Einrichtungen bzw. Programme in die nationalen Gesundheits- und Sozialsysteme einbezogen und werden maßgeblich daraus unterhalten.
Spenden von Mitgliedern und Außenstehenden tragen zur Finanzierung vieler Programme zusätzlich oder auch entscheidend bei.
Die Aktivitäten in den sich entwickelnden Ländern finanzieren sich aus Zuschüssen übernationaler Organisationen, wie der EU oder der UN, aus Zuschüssen nationaler Regierungen und privaten Spenden sowie Spenden von Stiftungen.
Ähnliches gilt für die internationale Katastrophenhilfe.
Besonders in Frankreich und Deutschland tragen Hunderttausende privater Spender zur Finanzierung bei.

Während die (Ko-)Finanzierungen durch staatliche und überstaatliche Stellen sowie großer Stiftungen häufig an sehr genau definierte und begrenzte Konditionen gebunden sind und deswegen nur für bereits etablierte Zwecke verwendet werden können, sind es besonders die Spenden von Mitgliedern und anderen Privatpersonen, die den Ordensgliederungen die Beweglichkeit verschaffen, auf neue und wechselnde Nöte schnell und effektiv zu reagieren.
Die großen Institutionen und Aktivitäten des Ordens unterliegen einem regelmäßigen externen Audit, durch das die Ordnungsmäßigkeit der Finanzverwaltung von Fachleuten kontrolliert wird.

Ordensmitglieder zur Tat verpflichtet
Bei der Reform von Ordensverfassung und Codex im Jahr 1997 wurde der Organisation des „obsequium pauperum“ und der Verpflichtung der Ordensmitglieder zur persönlichen Teilnahme am Kampf gegen Not und Armut großer Wert zugemessen.
Dem Codex, der Ordensverfassung wurde ein neues Kapitel VII über die Ordenswerke zugefügt.
Ich möchte daraus den Art 236 zitieren:

Obsequium Pauperum
§ 1 Auf der Suche nach einer konkreten Antwort auf die Liebe Christi
haben die ersten Ordensmitglieder in den kranken Pilgern im Heiligen Land den Herrn erkannt und ihm gedient. Im göttlichen Erbarmen angesichts des Elends der Welt wurzelt das Obsequium Pauperum, das die
Ordensmitglieder verpflichtet, Jesus Christus zu dienen, der in den „Herren Kranken” gegenwärtig ist.
§ 2 Im Hinblick auf das andere Ordensziel, die Tuitio Fidei, sind die
Ordensmitglieder, indem sie in jedem Menschen das Ebenbild Gottes
erkennen, in besonderer Weise gefordert, sich überall dort einzusetzen, wo menschliches Leben in seiner Gottesebenbildlichkeit und Würde bedroht ist.
§ 3 So ist der Orden für seine Mitglieder die konkrete Weise, das Hauptgebot der Gottes- und Nächstenliebe zu befolgen, dadurch Gott zu ehren und sich selbst zu heiligen in der Nachfolge Christi und in der Gemeinschaft der Kirche.
§ 4 Das Charisma des Obsequium Pauperum führt die Ordensmitglieder zur Begegnung mit dem Herrn im persönlichen Krankendienst. Deshalb sind alle Ordensmitglieder aufgerufen, die Werke der leibliche und geistigen Barmherzigkeit persönlich und regelmäßig zu verrichten.

Wir alle müssen uns dieser Verpflichtung immer wieder bewußt werden. Mir ist allerdings darüber hinaus daran gelegen, dies nicht in erster Linie als Verpflichtung, sondern als ein besonderes Geschenk zu sehen.
Denn als Antwort auf unsere Sendung zum „obsequium pauperum“ steht sozusagen die Zusage des Herrn, uns in diesem Dienst auch ganz persönlich zu begegnen, uns aufzurichten und auszurichten, uns an sich zu ziehen und zu stärken.
Der Orden ist ein Geschenk an uns, uns durch das Nadelöhr in den Himmel zu ziehen.
Wir alle gehören in der einen oder anderen Weise zu den Reichen, deren Eintritt in das Himmelreich gefährdet ist - wenn viele von uns auch nicht übermäßig reich an Geld sind - zumindest sind wir reich an Einfluss, Beziehungen, Erziehung und Talenten.

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Der Heilige Vater im Kreise der Ordensregierung

Papst Johannes Paul II.: „Neue Phantasie der Nächstenliebe“
Zum Abschluss möchte ich noch auf einige neuere Äußerungen des Hl.Vaters zu sprechen kommen, die für uns Malteser äußerst wichtig und wegweisend sind.
In seinem Dokument zum Jahr der Caritas 1999 fordert der Hl.Vater eine „neue Phantasie“ der Caritas. Nun, wenn der Heilige Vater eine solche „neue Phantasie“ fordert, heißt das zunächst, daß er sie für erforderlich hält, und zweitens, daß er sie für möglich hält.
In Nr. 49 seines Apostolischen Briefes „Novo millenio ineunte“3 unterstreicht der Papst diese Notwendigkeit noch einmal in erstaunlicher Weise:
„Aus der innerkirchlichen Gemeinschaft öffnet sich die Liebe, wie es ihrer Natur entspricht, auf den universalen Dienst hin und stellt uns in den Einsatz einer tätigen, konkreten Liebe zu jedem Menschen.
Das ist ein Bereich, der das christliche Leben, den kirchlichen Stil und die pastorale Planung gleichermaßen bestimmt und kennzeichnet.
Das Jahrhundert und das Jahrtausend, die im Anbruch begriffen sind, werden noch sehen müssen – und es ist wünschenswert, daß sie das mit größerem Nachdruck tun –, zu welcher Hingabe die Liebe zu den Ärmsten fähig ist.
Wenn wir wirklich von der Betrachtung Christi ausgegangen sind, werden wir in der Lage sein, ihn vor allem im Antlitz derer zu erkennen, mit denen er sich selbst gern identifiziert hat:
»Ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt, und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank, und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen« (Mt 25,35-36).
Diese Aussage ist nicht nur eine Aufforderung zur Nächstenliebe; sie ist ein Stück Christologie, das einen Lichtstrahl auf das Geheimnis Christi wirft. Daran mißt die Kirche ihre Treue als Braut Christi nicht weniger, als wenn es um die Rechtgläubigkeit geht.

Es ist sicher nicht zu vergessen, daß niemand von unserer Liebe ausgeschlossen werden darf. »Denn der Sohn Gottes hat sich in seiner Menschwerdung gewissermaßen mit jedem Menschen vereinigt«.
Wenn wir uns aber an die unmissverständlichen Worte des Evangeliums halten, dann ist in den Armen Christus in besonderer Weise gegenwärtig, was der Kirche eine vorrangige Option für sie auferlegt.
Durch diese Option wird die Art der Liebe Gottes, seine Fürsorge und sein Erbarmen, bezeugt.
Außerdem werden in die Geschichte gewissermaßen jene Samenkörner des Gottesreiches ausgesät, die Jesus selbst in das Erdreich seines Lebens gelegt hat, indem er denen entgegenkam, die sich wegen aller möglichen geistigen und materiellen Nöte an ihn wandten.“

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Die Ordenswallfahrt zum Heiligen Jahr 2000 - der Heilige Vater begüßt die Teilnehmer im Dom zu St. Peter

Die Ansprache des Hl.Vaters anlässlich der Hl. Jahr-Wallfahrt des Ordens rückte uns diese Wünsche des Papstes aber noch einmal näher.
Die Initiativen des Ordens „zeugen von großer Hilfsbereitschaft den Notleidenden gegenüber und machen die Liebe Gottes und der Kirche für sie deutlich und konkret erfahrbar.
Diese Initiativen sind eine wirksame Ermutigung und gleichsam ein Vorbild für diejenigen, die mit ihren Bemühungen zur Verwirklichung einer neuen Welt beitragen möchten, die all jenen Würde und Hoffnung zu schenken vermag, die von modernen Formen der Sklaverei unterdrückt werden und an Leib und Seele Wunden tragen.
Gemeint ist hier vor allem der prophetische Dienst an den Ausgegrenzten und Ausgeschlossenen, den Ihr mit der Leidenschaft eines wahrhaftigen Kampfes für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen vollbringt.
Durch diesen edlen Kampf, der der Verteidigung und Achtung des Menschen dient – einer Aufgabe also, der sich Euer Orden seit mehreren
Jahrhunderten widmet – habt Ihr das Banner der Nächstenliebe in weiten Teilen der fünf Kontinente hochhalten können, überall dort, wo Krankheit und Armut den Menschen demütigen und bedauerlicherweise seine Zukunft gefährden.
Es ist eine wahre Strategie der Liebe, die Euren Einsatz in den Krankenhäusern, den Leprosarien, in Rettungsdienstgruppen, Kindergärten und Altersheimen kennzeichnet.
Überall seid Ihr bestrebt, die vorrangigen Ziele Eures jahrhundertealten Ordens zu verwirklichen.“

Ich bin zuversichtlich, daß unser alter und geliebter Orden diesen Aufgaben mit Gottes Hilfe gewachsen sein wird. Wenn wir den erneuerten Rahmen unserer Ordensverfassung ernst nehmen, liegt das Instrumentarium dafür bereit.
Und wenn wir auf die weltweite Entwicklung des Ordens in den vergangenen Jahren schauen, dürfen wir erstaunt feststellen, daß Gott uns viele neue Aufbrüche geschenkt hat.
Der Heilige Geist ist also kräftig am Werk. Wenn es uns nur gelänge, ihn möglichst wenig zu behindern, wird unser Orden jung bleiben.

1 Gekürzte Wiedergabe eines Vortrages, den S.E. der Großhospitalier vor Mitgliedern des SMRO in Wien gehalten hat
2 Teil I ist im Malteser Kreuz 3/4 2002 erschienen.
3 Apostolisches Schreiben „novo millennio ineunte“ Seiner Heiligkeit Papst Johannes Paul III. an die Bischöfe, den Klerus, die Ordensleute und an die Gläubigen zum Abschluß des Großen Jubiläums des Jahres 2000, veröffentlicht am 6. Jänner 2001

 

 

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Letztes Update dieser Seite: Mittwoch, 28. Mai 2003 um 15:30:14 Uhr
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