Malteser Kreuz

Ein Sommerlager - Bereich Burgenland auf Reisen

Lieber Xandl,
heute ein Brief an Dich, in dem wir Dir von einer Reise erzählen wollen, die uns unter Deiner Leitung über die Hügel des Burgenlandes nach Graz, nach Marburg, in die steirische Weinstraße, in Weinkeller und in hochgelegene Kirchen bishin zu einem Hochamt im Grazer Dom geführt hat.
Doch zurück um Anfang, wie es begann: Tradition verpflichtet, soviel steht fest. Also auch, daß der Bereich Burgenland ein Sommerlager für unsere Betreuten, Mitglieder und Freunde veranstaltet. Irgendwie hat sich im Vorjahr die Idee eingeschlichen, statt Wachau und Umland zu besuchen, die Gegend südlich von Graz zu erforschen.

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Verlorene Post
Vorbereitungen und Kommunikation sind so eine Sache: Da hatten wir die schönsten Pläne, die anerkannt schönste Einladung mit Vorfreude stiftenden Bildern – nur die österreichische Post wollte offensichtlich unser Projekt ein wenig „verhindern".
Über die Flexibilität von Maltesern ist viel Unterschiedliches geschrieben worden. Eines steht fest: Die von Dir Geführten oder Geleiteten waren so flexibel, sich trotz kurzfristigst eingelangter Ankündigungen mit uns auf die Reise zu machen.
Vorankündigungen sind ja allgemein beliebt – ob zwei Wochen an sich reichen, darüber mag man sich uneinig sein … wie der Postlauf laut Stempel jedoch mehr als 14 Tage dauern kann, wird wohl ein Rätsel bleiben …

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Drei Stockwerke
Ankunft in der schönen Stadt Graz, nach historischen und kunsthistorischen Führern die größte historische erhaltene Altstadt in Mitteleuropa. Offensichtlich hat sich das von uns erkorene Hotel an diese Maxime gehalten: möglichst keine Änderungen über die Jahrhunderte.
Was drei Stockwerke heissen, weiß man erst, wenn über drei Stockwerke Gepäck, Rollstühle und Rollstühle mit Menschen zu tragen sind. Der Altkommandant ist, nachvollziehbar, unzufrieden. Der Bereichsleiterstellvertreter, einer der Autoren, wird dafür verantwortlich gehalten und empfängt selektierte Unfreundlichkeiten. Diese sind zumindest nachvollziehbar, vielleicht sogar berechtigt.

1000 Rosen
Lassen wir uns entschädigen: Es ist Freitag, Du, Xandl, stehst vor einer inhomogen munteren Schar von 21 burgenländischen und vier Grazer Maltesern. Es ist 10.30 Uhr, Du meinst: "Sensationell - wir fahren pünktlich!", und streust uns 1000 Rosen. Möge der Tag so bleiben!
Maribor/Marburg (ehemalige) Hauptstadt der Südsteiermark. Wir treffen am Hauptplatz ein und haben einen Führer, der uns die historischen und sportlichen Sehenswürdigkeiten dieser Stadt präsentiert.
Nach einigen historischen Wohnplätzen bedeutender slowenischer Sportler verzückt uns eine mediterran-österreichische Altstadt. Marburg, 750 Jahre österreichisch, 83 Jahre jugoslawisch-slowenisch bezaubert durch seinen intakten, historischen Charme. Trotz McDonald’s, der sich natürlich einschummeln mußte, auch Nordsee und "Illy-Caffee" (dieser schmeckt wenigstens) verlocken wunderschön restaurierte und äußerst gepflegte Spaziergänge in der Altstadt zu sinnierenden Gedanken und fröhlichem Genießen.

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Haidonia kulinaria
Manchmal scheint es, muß man auf die guten Momente ordentlich erwarten.
Organisiert von Dir und auf Empfehlung der österreichischen Botschaft besetzen wir "maltahaft" den Hof eines doch nicht so kleinen und sicher nicht unbekannten Lokals: Novi Slave - neue Welt. Für uns auch, z. B. die Steigerung der Vorfreude auf kaum übertreffbares Essen durch eine Stunde Warten.
Und wie diese belohnt wurde. Wenn es nun jemand als eine Provokation empfindet, daß wir von einer adriatischen Krebssuppe mit Curry, fein marinierten Garnelen oder St. Petersfisch "all forno" sprechen - bitte nicht. Es war einfach zu köstlich, um unerwähnt zu bleiben. Einen Orden für außergewöhnliche Verdienste um kulinarische Kultur gibt es (zumindest in Malta) nicht. Xandl, Du hättest ihn Dir verdient.

Pettau muß warten
"Kein Gewinn ohne Opfer." Die geplante Besichtigung der Altstadt und des Castells von Pettau muß der Verschiebung durch lukullische Verspätung und den spirituellen Verpflichtungen geopfert werden.
Kompensation erfolgt: Nach einem kurzen Verdauungsbummel, der uns durch noch nicht gesehene Teile von Marburgs Altstadt führt, vorbei an einem berauschenden Konzert, einem letzten Kaffee verlassen wir die Hauptstadt der (ehemaligen) Südsteiermark.
Das prachtvolle Wetter, welches uns über den Tag verwöhnte, ist der Dämmerung und leichtem Regen gewichen, wir schlummern in unserem Bus Richtung Graz.

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Der Sohn des Altkommandanten
Die Kirche St. Ägyd im Grazer Lendviertel ist unsere spirituelle Quelle dieses Tages. Alphons Pachta, Altmalteser und Priester, Sohn unseres Altkommandanten Percy Pachta, zelebriert für uns die Hl. Messe.
Gemeinsam mit ihm lassen wir den Abend bei einem gemütlichen Beisammensein ausklingen, bei einem guten Essen, gemeinsamen Gesprächen und viel Heiterkeit.

Samstag: Auf den Spuren der drei Raben
Wieder lacht uns die Sonne, wieder kommen wir pünktlich in Graz weg, wieder sind einige Grazer dabei, die uns begleiten und uns helfen. Max, Severin, "Gurke" und Veronika - willkommen an Bord. Erste Station Ehrenhausen, ehemaliger Heimatort der einst mächtigen Eggenberger, Fürsten und Herzöge von Krumau.
Kaum zu übersehen prangt deren Wappen mit drei Raben, die eine goldene Krone mit ihren Schnäbeln tragen, an jeder zweiten Fassade. Angeblich entstand das Wappen durch eine Bosheit eines ehemaligen Herolds, dem der finanzielle Erfolg der Eggenberger ebenso wie die Nähe zum Kaiser bzw. Regenten von Innerösterreich ein Dorn im Auge war. Also hat er ursprünglich drei Elstern in das Wappen zeichnen lassen. Die diebischen Vögel wurden auf Intervention des Fürsten durch kluge ersetzt; ob der Zeichner strafversetzt wurde, ist nicht bekannt, ebenso, ob diese Geschichte wahr ist.

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Pfarrer Franz Hofer
Wir besichtigen die Kirche, Du, Xandl, bewachst das sportliche Ereignis des Entladens des Busses, so manche Wirbelsäule ahnt schon an diesem Morgen, wie der Zustand nach schließlich fünfmaligem Be- und Entladen sein wird...
In der Kirche treffen wir einen freundlichen älteren Herren, der sich schließlich als Altpfarrer von Ehrenhausen erweist. Hw. Franz Hofer, 85 Jahre alt, zehn Kriegsverwundungen, wie er uns und damit gleich seine leichten Gehschwierigkeiten erklärt. Den Stuhl, den man ihm anbietet, ignoriert er vornehm und präsentiert stolz und routiniert die Kunstwerke seiner Kirche, aufgelockert durch praktische Alltagshinweise.
Am Ende - mit Applaus bedacht - schenkt er uns Kirchenführer, seinen Segen und verabschiedet sich mit dem Hinweis: "Unkraut vergeht nicht". Nochmals Danke, Hochwürden!
Stärkung erfolgt danach Saisongerecht: Maroni und Sturm, Sonne, Lachen - es geht uns gut. Gerade ist Flohmarkt, es werden die unterschiedlichsten Dinge angeboten, als Trophäen weisen wir nach: ein kunstgeschmiedetes CocaCola Schild und eine Glastrompete.

In vino veritas
"Steirische Toskana" nennt man die Landschaft rund um die Weinorte Ehrenhausen, Gamlitz, Lannach und Kitzeck. Wie Spielzeugalpen gruppieren sich malerisch die kleinen Hügel, Weingärten und Höfe. Otto, unser "Bus-eador" manövriert durch immer enger werdenden Kurven, bis wir im Schloßhof Gamlitz als Gäste der Familie Melcher stehen. Doch drehen wir die Zeit eine halbe Stunde zurück: Vereinigt im Weinkeller des Schloßes erhalten wir eine Einführung und eine geleitete Verkostung durch den Hausherrn, Arnold Melcher. Der Wein erwärmt innerlich, schmeckt - offensichtlich allen - himmlisch und erfreut die Gemüter.
Unter großen Schirmen stört uns der Regen nicht, mag er nur herunter purzeln, solange wir bei einer Brettljause, Muskateller und Sauvignon Blanc die Vorzüge des Ortes und die Gunst der Stunde geniessen. Robert können wir dafür gewinnen, Werbephotos für die Melcher’schen Weine zu machen, ein Abzug liegt bei.
Beschwingt und ein wenig "orientierungsfaul" machen wir uns schließlich auf den Weg nach Kitzeck. Im höchsten Weinort Mitteleuropas werden wir in einer entzückenden Bergkirche die Hl. Messe feiern.

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Wieder Glück
Auch wenn wir ein wenig zu spät ankommen - der Bus ist für manche der steirischen Weinstrassen einfach zu hoch und zu breit und überhaupt zu groß - scheint genau das die richtige Strategie gewesen zu sein: In der Kirche übt der junge, begabte Pfarrorganist und lässt sich rasch dazu überreden, für uns alle Lieder der Schubert Messe zu spielen.
Nicht daß wir irgend jemandem zu nahe treten wollen, aber Begeisterung allein reicht manchmal nicht aus, mangelndes Können zu kompensieren. Der Klang der Orgel als musikalische Stütze des Gesanges und Auffang mancher akustischer Disharmonien tut gut.
Danke auch Dir, Pater Johannes, für Deine Zelebration und Deine Predigt.

Letzter Abend
Ein wenig Sitzen, ein wenig Tratschen, wir lassen es einen Tag sein. Bei einem mitgebrachten Wein sitzen wir in unserem Grazer Hotel, alle ein wenig müde, froh, einen schönen Tag gemeinsam verbracht zu haben.

Ausklang
Schubert Messe und Hochamt im Grazer Dom, Begrüßung durch den Canonikus, unsere Abschlußmesse.
Noch ein letzter Kaffee im "Promenade", zu den uns der Delegat der Steiermark und Rezeptor des Ordens, Franz Harnoncourt einlädt, man wünscht sich, daß manch anderer "Finanzminister" auch so großzügig wäre - Danke!
Schließlich die Frage: "Was haben wir erlebt?" Wir haben drei Tage gemeinsam verbracht. Haben gemeinsam gebetet, gegessen, getrunken. Gespräche geführt. Beim Schreiben des Berichts kam spätestens ab der Hälfte der Zweifel, was an diesem Reisebericht interessieren könnte, wenig Spektakuläres, wenig Außergewöhnliches. Aber eine Summe vieler kleiner, manchmal versteckter, netter Momente, und eine heitere, manchmal besinnliche Grundstimmung. Wir haben mit Freunden in melitensischer Gemeinschaft, Malteser und Freunde, eine gute Zeit gehabt. Und Du hast es uns als Einsatzleiter ermöglicht, dafür Danke.

  •  Heinrich Mensdorff-Pouilly und Gunhard Keil

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Letztes Update dieser Seite: Mittwoch, 28. Mai 2003 um 15:03:57 Uhr
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