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Das Substitutionsprogramm ist letztlich doch erfolgreich!
"Sind Substitutionspatienten wirklich auch unsere Herren Kranken?" oder ein wenig anders ausgedrückt: "Wie verhalten wir uns gegenüber Substitutionspatienten bzw. Drogensüchtigen während oder außerhalb des Ordinationsdienstes?"
Im Rahmen der Ausbildungsreihe "Gezielte Hilfe, auch für Helfer" referierten und diskutierten zu diesem sehr aktuellen, aber auch problembeladenen Thema im Jänner 2004 Dr. med. Franz Blechinger und Kaplan Mag. Stephan Turnovszky (beide langjährige Mitglieder des MHDA) mit Maltesern in der Wiener Zentrale am Börseplatz.
 Im Leben von Drogensüchtigen werden die "Acht Elende" allesamt durchlebt und erfüllt
"Im Leben von Drogensüchtigen werden die ‚Acht Elende’, die für Malteser große Bedeutung haben, allesamt durchlebt und erfüllt. In dieser Fülle von Leid, das einem Drogensüchtigen im Verlauf seines körperlichen Abstiegs entgegenstürmt, sollten wir nicht Richter spielen, sondern wir sollten diesen Menschen eine positive Begegnung mit uns ermöglichen, ganz gleichgültig wo, auf der Straße oder in der Ordination am Börseplatz!", so Seelsorger Stephan Turnovszky in seinem Einführungsstatement. Doch was löst eine Begegnung mit Drogenkranken in einem selbst aus, Ärger oder Ratlosigkeit? "Wie auch immer", meint Stephan, "man sollte sich ganz offen der Problematik stellen, seine Zweifel, ja auch Ängste offen aussprechen, dazu sind wir auch heute da!"
Dr. Franz Blechinger, der in seiner ärztlichen Tätigkeit oft mit Drogenkranken zu tun hat, brachte es auf den Punkt: "Drogenkranke Süchtige sind dem ‚Normalbürger’ äußerst suspekt, der sogenannte Junkie besorgt sich seine illegalen Drogen ja auf illegalem Weg, das Geld dafür oft durch Diebstahl, Raub, Rezeptfälschung, illegale Prostitution u. a.m. Dieses Misstrauen besteht auch Substitutionspatienten gegenüber, die ihre ‚Ersatzdroge’ vom Arzt über lange Zeit verschrieben bekommen, eigentlich wie andere Patienten auch, z.B. Diabetiker. Der Opiatabhängige ist ein ‚chronisch Kranker’, bekommt sein Methadon in der Apotheke auf Rezept, braucht kein Geld ‚aufstellen’ und kommt so leichter aus dem ,problematischen Milieu’ heraus. Alle profitieren – der Patient und die Allgemeinheit." Das sogenannte "Methadon-Programm" bewährt sich bereits seit 1987 gut in Österreich.
Ein Suchtkranker wird in das Substitutionsprogramm über eine Drogenambulanz oder einen erfahrenen Arzt aufgenommen, die Dosis wird gemeinsam mit dem Patienten individuell festgelegt. "Das müssen erfahrene Therapeuten sein, die sich nicht ‚beschwafeln’ lassen", meint Blechinger. Der Patient muss einen Behandlungsvertrag unterschreiben, der u.a. auch regelmäßige, kontrollierte ,Harn-Analysen’ vorschreibt. Nur so kann man genau kontrollieren, ob der Patient nicht noch andere Drogen z.B. Kokain zu sich nimmt. Dr. Blechinger: "Heute werden in diesem Programm neben dem flüssigen Methadon auch Tabletten, sogenannte retardierte Morphine verschrieben." Der Patient bekommt sein Suchtgift-Dauerrezept, lässt es beim Amtsarzt überprüfen und bekommt täglich in der Apotheke seine Ration mit nach Hause. Alle Beteiligten arbeiten eng zusammen, bis zur Suchtgiftüberwachung im Ministerium.
Derzeit gibt es rund 4.300 Substitutionspatienten im Stadtbereich Wien. Die Patienten kommen aus allen Bevölkerungsschichten, mit meist hoch problematischen sozialen bzw. familiären Konstellationen. Viele sind obdachlos, verlieren ihre Medikamente und bestehlen einander dann oft gegenseitig.
Franz Blechinger abschließend: "Das Methadonprogramm ist vor allem auf Stabilisierung der Patienten ausgerichtet; eine Heilung, d.h. eine dauerhafte Abstinenz als optimales Behandlungsziel, wird nur sehr selten erreicht. Ein erschütterndes Gesamtbild! Für Patienten und Gesellschaft lohnt sich jedoch, die oft mühsame, mit viel ,Frust’ bei allen Beteiligten verbundene Behandlung und Betreuung der Suchtkranken."
Daher - so auch der Tenor in der Abschlussdiskussion - sollte der Kontakt mit den Kranken nicht nur in der Ordination im Wissen um die großen Nöte und Sorgen der Patienten ein freundlicher und positiver sein. Von ganz besonderer Bedeutung: Die Kranken nicht als Bittsteller, sondern als Menschen betrachten. Die Süchtigen treten meist sehr bescheiden auf und sind in der Regel absolut friedlich, eingekapselt in ihre Probleme. Das aggressive Zücken von verseuchten Einwegspritzen zur Bedrohung der Helfer gibt es nur in schlechten TV-Krimis.

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