Malteser Kreuz

Mein aller erster Malteserdienst mit Töny Croy

Anfang September habe ich gemeinsam mit Toni Gatnar bei der Seelenmesse für Töny Croy in der Annakirche ministrieren dürfen. Schon auf der Zugfahrt von Salzburg nach Wien sind meine Gedanken in die Erinnerungen an Töny eingetaucht und irgendwann – so auf der Höhe zwischen Enns und Amstetten – hab ich mir die Frage gestellt, welches gemeinsame Erlebnis das älteste davon war. Und da fiel mir sofort mein aller erster Dienst in Malteseruniform ein:

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Das genaue Datum weiß ich nicht mehr, aber die anderen Umstände sind da wie von gestern. Es muss im Winter 1973 gewesen sein, seit dem Frühherbst war ich Mitglied der Ausbildungsgruppe im Bereich Wien. Ähnlich wie es die "Jungen" heute erleben, durfte ich meinen ersten Dienst erst nach dem Konsum von einem erforderlichen Mindestmaß an theoretischer und praktischer Ausbildung machen. Auch an das Ausfassen der Uniform ein paar Tage vorher kann ich mich erinnern, ohne die ging ´s ja nun einmal nicht. Damals hatten wir alle so eine, wie die heutige "1er-Uniform". Und stolz war ich schon, dass ich sie endlich tragen durfte! Ein paar Tage vorher, weil meine Mutter noch einiges zu nähen hatte. Vor allem Abnäher am Uniformrock waren es und beim Saum an den Hosenbeinen, und der Bund der Hose. Der Vorbesitzer hatte eine Figur wie Helmut Qualtinger. Aber sonst waren keine Änderungen nötig.

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Einsatzbesprechung in der Aichhorngasse:
Töny Croy †, zweiter Vizekommandant,
Christian Hauschka-Treuenfels †, Administrativleiter.

Rechtzeitig traf ich am Abend in der Aichhorngasse ein, in der damaligen, erst wenige Monate in Betrieb stehenden Bereichszentrale. Auch mein Bruder Norbert, der schon ein Jahr früher aufgenommen wurde, hatte fleißig am Ausbau mitgewerkelt. Zwei "Altmalteser" waren bereits da, mit denen ich die kommende Nacht verbringen sollte, beide kannte ich schon von den Ausbildungsstunden. Fahrer war Toni Gatnar, Chef der 3er-Partie, also Wagenkommandant und Einsatzleiter war Töny Croy.

Nach einigen Transporten mit dem M-3 von und zu verschiedenen Krankenhäusern lernte ich vor allem zweierlei: erstens das Meistern der Zettelwirtschaft und zweitens das Tragen. Die beiden anderen kannten und konnten das ja schon, weshalb sie sich abwechseln mussten, um mir die unbedingt erforderliche Routine möglichst rasch beibringen zu können. Besonders liebevolles Augenmerk legten die beiden auf den zweiten Aspekt meiner Ausbildung.

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Ein Einsatz wird geplant:
Christian und Töny bei der Arbeit.

Und dann quäkte irgendwann in der Nacht die Stimme des Diensthabenden in der Rot-Kreuz-Funkzentrale in der Spallartgasse aus dem Lautsprecher: "M-3 fahren Sie Richtung. Und ein scharfes Dienststück mit einer Infusion!" Auch das war wichtig – zum ersten Mal hörte ich eine verschlüsselte dienstliche Botschaft, die für Normalsterbliche so lauten muss: "Hallo ihr Malteser! Jetzt ist nicht mehr viel los, ihr könnt zur Zentrale fahren und vielleicht könnt ihr auch ein bisserl schlafen. Und ich hab Appetit auf eine Burenwurst mit scharfen Senf und ein Bier!" Ungefähr so übersetzte mir Töny die geheimnisvolle Botschaft und Toni fuhr am Weg zur Spallartgasse zu einem Würstlstand in der Nähe, damit die Wurst nicht zu kalt und das Bier nicht zu warm wurden.

Dort erfolgte meine Einweisung in das Gebäude selbst: gleich nach der Haustür rechts war ein Fenster, hinter dem der Diensthabende die Transportscheine in Empfang nahm, etwas weiter rechts war ein Aufenthaltsraum mit zeitgemäßem Charme, Marke "Soldatenkantinen der späten 60er". Irgendwo waren die Häusl (auch nicht viel besser) und dann das Wichtigste: im ersten Stock der Schlafraum im gleichen Ambiente: auf 25m2 waren acht bis zehn Stockbetten, dazu ein paar Hocker, auf denen diejenigen (die wenigen), die nicht in der Uniform schlafen wollten, ihre Kleider legen konnten. Und in einer Ecke waren Decken und Pölster gestapelt, zur freien Bedienung nach Wahl.

Toni und Töny blieben noch unten und plauderten mit den RKlern und mich schickten sie als Lehrling gleich ins Bett, " ... weil die Nacht noch sehr kurz werden kann!" Und so suchte ich mir halt ein Bett aus, sah einen alten RKler schon schlafen, eigentlich hörte ich ihn zuerst, dann erst sah ich ihn. Er schnarchte nämlich fürchterlich (so etwa wie Goofy, wie ich einige Monate später "lernen" durfte). Also ging ich zu dem Bett hin, stupste ihn an und grüßte freundlich, teilte ihm meine Anwesenheit mit und bat, mit dem Schnarchen aufzuhören, weil ich jetzt auch schlafen wollte. Die Antwort war gottlob unverständlich, sodass ich den Wortlaut nicht verschleiern muss, sie war aber dem Tonfall nach nicht gerade freundlich.

Dann löschte ich das Licht, legte mich ins Bett und versuchte einzuschlafen. Kurz darauf kam Töny und legte sich in das Bett links neben mir, auf der anderen Seite lag – zwei Betten weiter – der besagte RKler. Und der fing unmittelbar danach wieder zu schnarchen an. Soooooooo laut, dass ich wirklich nicht anders konnte, als zur Selbsthilfe zu greifen – in Form meines Polsters, den ich über zwei Betten hinweg zielsicher im Gesicht als Zentrum der Lärmquelle placierte. Augenblicklich herrschte für einige Sekunden Ruhe. Stille.

Finsternis.

Na also! Warum nicht gleich so?

Und dann tönte eine höchst grantige Stimme aus dem Orkus: "Heast Prinz! Pass auf Dein Klaan auf – weu sunst host zwaa!" Es war der erste von vielen gemeinsamen Diensten, und jeder war schön.

Auch von Dir hab ich die Malteserei gelernt.
Danke Töny, auf Wiedersehen!

  •  Markus Kraus

 

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Letztes Update dieser Seite: Dienstag, 25. November 2003 um 14:41:59 Uhr
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