Malteser Kreuz

Auf der Spur einer alten Ikone in Montenegro: Unsere Liebe Frau von Philermos

Im Ordensgebet hatte ich das erste Mal von der Madonna von Philermos gehört: "Demütig bitte ich Dich auf die Fürsprache Unserer Lieben Frau von Philermos ...". Um Näheres über sie zu erfahren, recherchierte ich im Internet, wo ich herausfand, dass es sich bei dem Gnadenbild der Mutter Gottes von Philermos, der Patronin des Malteser-Ordens, um eine byzantinische Ikone handelt, die sich angeblich in Montenegro befindet.

ikone

Abenteuerliche Suche

Als meine Familie und ich im Sommer auf einer Reise auch einen Tag in Kotor, Montenegro, verbrachten, beschlossen wir nach Cetinje zu fahren, wo das Original des Gnadenbildes der "Lieben Frau von Philermos" zu sehen sein sollte. So fuhren wir auf gut Glück - denn wir hatten ja nur vage Hinweise aus dem Internet - auf einer abenteuerlichen Serpentinenstraße über den Berg Lofen in Richtung Cetinje. Als wir endlich in der verschlafenen Stadt ankamen, besuchten wir das Nationalmuseum. Da wir die einzigen Gäste waren, kamen wir in den Genuss einer privaten Führung durch das Museum: Zu unserer großen Freude befand sich dort tatsächlich die Ikone der Madonna von Philermos! Das Bild war in einem eigenen dunklen Raum ausgestellt, was eine beeindruckende Wirkung hatte: Die byzantinische Ikone (50 mal 37 cm) ist reichlich mit Gold verziert, sodass von der Malerei nur das ovale Gesicht der Madonna zu sehen ist. Ihr Kopf neigt sich leicht über die linke Schulter. Auf dem goldenen Hintergrund ist ein "Malteser-Kreuz" aus Email angebracht, dessen acht Spitzen den Kopf der Madonna wie Strahlen umgeben. Das Gesicht ist von einem Heiligenschein gerahmt, der mit kostbaren Steinen dekoriert ist: neun große Rubine (einer fehlt) abwechselnd mit Diamanten in Form von Blumen. Das Kleid der Madonna ist mit einer Kette aus Saphiren und Diamanten geschmückt, an der sechs Saphire in Form von Tropfen hängen. Der mittlere Saphir fehlt, er wurde jedoch anscheinend durch einen Ohrring ersetzt.

Auf dem goldenen Rahmen, der die Ikone umgibt, befinden sich in den Ecken Engelsköpfe und in der Mitte Insignien des Ordens.

Die Ikone ist samt ihrer kostbaren Dekoration in gutem Zustand. Das ist umso erstaunlicher, wenn man die bewegte Geschichte dieser Ikone bedenkt: Seit dem 14. Jhdt. wird auf dem Berg Philermos auf der Insel Rhodos die Gottesmutter in einem Bild verehrt, das nach einer alten Überlieferung vom Evangelisten Lukas gemalt und im 11. Jhdt. durch einen Einsiedler von Jerusalem nach Rhodos gebracht worden war.

Die Madonna von Philermos wird Ordens-Patronin

Als der Malteser-Orden (damals noch Johanniter-Orden) im Jahre 1306 nach Rhodos kam, baute er auf dem Berg von Philermos auf den Ruinen einer orthodoxen Basilika aus byzantinischer Zeit die Kreuzbasilika, in der fortan die Ikone aufbewahrt wurde. Von da an betrachteten die Mitglieder des Ordens auch die Madonna von Philermos als ihre Patronin.

Als die Türken 1523 Rhodos eroberten und der Orden die Insel verlassen musste, nahm er die Ikone mit. Schließlich fand das Gnadenbild in der Sakramentskapelle der St. Johannes Kathedrale in La Valetta seinen neuen Platz.

Die Wege durch Europa

Infolge der Vertreibung von Malta durch Napoleon im Jahr 1798 gelangte das Madonnenbild zusammen mit zwei weiteren wichtigen Reliquien des Ordens, der Hand des Johannes des Täufers und einem Kreuzsplitter, in die Hände von Zar Paul I. nach St. Petersburg. Das Bild blieb im Winterpalast bis zur russischen Revolution 1917, als es der Mutter des Zaren, Maria Féodorovna, gelang, die Ikone ins Exil nach Kopenhagen mitzunehmen. Nach ihrem Tod ging die Ikone an die russisch-orthodoxe Bischofssynode im Exil in Berlin. Von dort gelangte sie 1929 nach Belgrad, wo sie 1932 offiziell in die Obhut König Alexanders I. von Jugoslawien übergeben wurde, der sie bis 1941 im königlichen Palast in Dedinje aufbewahrte. Wegen der drohenden Invasion der Nazis wurde die Ikone einem orthodoxen Kloster in Montenegro anvertraut. Für viele Jahre verliert sich dann die Spur des Gnadenbildes. Während des Tito-Regimes wurde das Bild in verschiedenen montenegrinischen Klöstern versteckt aus Angst, dass es in die serbische Hauptstadt gebracht würde. Mitte der 90er Jahre tauchten Gerüchte auf, dass sich das Madonnenbild irgendwo in Montenegro befände. Schließlich bestätigte der Bischof von Montenegro, dass die Ikone "Unserer Lieben Frau von Philermos" im Nationalmuseum in Cetinje, Montenegro, sei.

Original nun im Nationalmuseum Cetinje

Am 8. September fand im italienischen Assisi die traditionelle Wallfahrt zur Verehrung der seligen Jungfrau von Philermos, der Schutzherrin des Malteser-Ordens statt. Die Ikone, die sich dort in der Basilika S. Maria degli Angeli befindet, ist eine Kopie, die im frühen 19. Jhdt im Auftrag von Zar Nikolaus I. angefertigt wurde.

Das Original kann nun im Nationalmuseum in Cetinje bewundert werden, ein Besuch, der sich trotz beschwerlicher Anreise lohnt und den ich allen Mitgliedern und Freunden des Ordens sehr ans Herz legen möchte!

  •  Marie-Sophie Richter

(Quellen: Sunday Times, Malta, 28.5.1997 und 26.4.1998)

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Letztes Update dieser Seite: Dienstag, 25. November 2003 um 14:40:42 Uhr
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