Malteser Kreuz

Pilgerfahrt zur Papst-Messe nach Pressburg

Am Sonntag, dem 14. September, feierte Papst Johannes Paul II im Rahmen seiner 102. Auslandsreise im Pressburger Stadtteil Petrzalka, inmitten der ehemals kommunistischen Plattenbausiedlung, eine Heilige Messe. Initiiert und unterstützt durch Martin Bolldorf, Ordens- und MHDA-Mitglied sowie zur Zeit österreichischer Botschafter in der Slowakei, entschlossen wir uns, zu diesem Ereignis zu pilgern.

Pressburg_Botschaft

Die österreichische „Delegation“ im Hof
der Österreichischen Botschaft in Bratislava
nach der Papst-Messe.

Da wir viel Verkehr und eine lange Wartezeit an der Grenze zu befürchten hatten, trafen wir einander an diesem strahlend schönen Sonntagmorgen schon um 6:30 Uhr in unserer Wiener Zentrale zur Abfahrt. Unterwegs mit zwei Malteserautos und insgesamt 16 Personen hatten wir wenige Kilometer vor der Grenze einer verunfallten Radfahrerin, die sich ebenfalls auf dem Weg nach Petrzalka befand, Erste Hilfe zu leisten. Nachdem wir die Staatsgrenze ohne Verzögerung passiert hatten, genossen wir in Pressburg den Vorteil, mit einem Einsatzfahrzeug unterwegs zu sein. Durch die heranströmende Menschenmenge und Polizeisperren kamen wir problemlos hindurch und konnten sogar schließlich auf dem V.I.P.-Parkplatz, direkt hinter dem Altar parken. Dies war ein großes Geschenk, denn dadurch erlebten wir wenig später die Ankunft des Heiligen Vaters hautnah mit.

Wir suchten den uns zugewiesenen, aber für uns nicht ganz so leicht erkennbaren Sektor, der sich in der Mitte und relativ weit vorne auf diesem großen Platz befand. Von dort aus hatten wir eine sehr gute Sicht auf den Altar. Durch eine wunderbare Fügung wurden wir zu unserer großen Überraschung abermals beschenkt, denn ein junger Seminarist der griechisch-katholischen Kirche bot sich uns als Dolmetscher an. Somit war auch das Sprachproblem gelöst, und wir konnten voll Freude die Heilige Messe mitfeiern.

Inmitten dieser eigenartig anmutenden Kulisse von Plattenbauten sprach der Heilige Vater, vor über 200 000 Gläubigen, zwei Slowaken selig:

Der griechisch-katholische Weihbischof Vasyl Hopko (1904-1976) wurde wegen seiner Treue zum Papst und seiner Widersetzung gegen die Auflösung der griechisch-katholischen Kirche jahrelang in ein Gefängnis eingesperrt und schwer gepeinigt. Nach seiner Freilassung setzte er sich für die Wiederzulassung der griechisch-katholischen Kirche ein. Der Selige Hopko starb 1976 an den Spätfolgen seiner erlittenen Misshandlungen.

Schwester Zenka Schelingova (1916-1955) vom Orden der Kreuzschwestern wurde ebenfalls Opfer des kommunistischen Regimes, da sie einem inhaftierten misshandelten Priester zur Flucht verhalf. Sie wurde verhaftet, musste ungeheure Folterungen erleiden und wurde zur Zwangsarbeit abgestellt. Um aus ihr keine Märtyrerin zu machen, wurde sie freigelassen, starb aber kaum ein Jahr danach 1955 an den Folgen der ihr zugefügten Marter.

"O Crux, ave spes unica! Heiliges Kreuz, unsere einzige Hoffnung, sei gegrüßt!" - Mit diesen Worten begann der Papst an diesem Sonntag, dem liturgischen Fest der Kreuzerhöhung, seine Predigt. Weiters sagte der Papst "Durch das Kreuz Christi wird der Teufel besiegt, ist der Tod überwunden, wird uns das Leben gegeben, die Hoffnung wiedergeschenkt und das Licht mitgeteilt." Der Heilige Vater rief dem slowakischen Volk, wie auch jedem Gläubigen, zu: "Schäme dich nie des Evangeliums (vgl. Röm 1,16)! Bewahre es in deinem Herzen als den wertvollsten Schatz, aus dem du Licht und Kraft für den Lebensweg im Alltag schöpfen kannst."

Interessant erscheint die bewusste Wahl des Ortes Petrzalka, der in gewisser Hinsicht eine Parallele zum Heldenplatz aufweist. 1938 wurde der Heldenplatz durch Hitler "entweiht" und 1983 durch die Europa-Vesper des Papstes wieder gesegnet. Der besagte Platz in Petrzalka wurde ebenso durch die Faschisten in der Slowakei entweiht, indem er als Sammelplatz für deportierte Juden diente. Nach dem 2. Weltkrieg wurde auf diesem Platz ein Sammellager für Deutsche errichtet, die im Zuge der Benes-Dekrete aus der Slowakei vertrieben wurden. Das kommunistische Regime baute seit den 60er Jahren dort eine trostlose Plattenbausiedlung für Tausende Menschen. Um diesen Boden zu heiligen, zelebrierte Papst Johannes Paul II. dort eine Hl. Messe, wo inzwischen auch eine Kirche errichtet wurde.

  •  Otto Lutterotti

 

 

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Letztes Update dieser Seite: Dienstag, 25. November 2003 um 14:34:20 Uhr
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