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Aufnahme in Stift Rein am 28. Juni 2003
Im Rahmen eines feierlichen Pontifikalamtes im ehrwürdigen Zisterzienserstift Rein in der Steiermark, das der Chefkaplan des Großpriorats von Österreich, S.Exz. Diözesanbischof Egon Kapellari, zelebrierte, wurden durch Fürstgroßprior Fra‘ Wilhelm von Liechtenstein neun Damen und Herren in den Orden sowie 30 Damen und Herren in den Malteser Hospitaldienst aufgenommen. Auch zwei Mitglieder anderer Hilfswerke des Ordens legten ihr Versprechen zur Mitarbeit ab.

Die Aufnahmekandidaten in der Hl. Messe.
Der Fürstgroßprior und verantwortliche Mitglieder des Kapitels konnten in der nachfolgenden, jährlich stattfindenden Generalversammlung des Großpriorats eine positive und zufriedenstellende Bilanz der spirituellen und hospitalären Tätigkeit des Ordens ziehen.
Diözesanbischof Egon Kapellari, Graz-Seckau: Predigt beim Gottesdienst
Es ist im Malteserorden Tradition, neue Mitglieder in der Zeit um den 24. Juni aufzunehmen. An diesem Tag feiert die katholische Kirche die Geburt des Täufers Johannes, des Schutzpatrons des Malteserordens, der mit einem älteren Namen ja Johanniterorden genannt wird. So geschieht es auch im heurigen Jahr innerhalb des Gottesdienstes, den wir jetzt in dieser schönen Kirche der alten Zisterzienserabtei Rein feiern. Das Großpriorat von Österreich und die Malteserhilfswerke vergrößern sich durch die Aufnahme einer stattlichen Anzahl von Damen und Herren, und wir freuen uns über die darin zum Ausdruck kommende Lebenskraft unseres Ordens.

Diözesanbischof Egon Kapellari, Chefkaplan des Großpriorats von Österreich.
Ein christlicher Orden, der den Täufer Johannes als Schutzpatron verehrt, bringt allein schon dadurch etwas vom eigenen Wesen zum Ausdruck. Johannes hat sein Wesen darin, auf Jesus Christus hinzuzeigen. Am Großartigsten hat ihn der Maler Matthias Grünewald am Karfreitagsbild des Isenheimer Altars dargestellt. Da steht er als ragende Gestalt neben dem Kreuz Christi und weist mit dramatisch – expressiv verlängertem Zeigefinger auf den gekreuzigten Herrn hin. Johannes ist ganz versammelt in dieser Geste des von-sich-weg-Weisens auf den Gottes- und Menschensohn. Der Maler hat auf dieses Bild Worte in lateinischer Sprache geschrieben, die als Aussage des Täufers über Jesus durch das Evangelium überliefert sind. Diese Worte lauten - "Illum oportet crescere, me autem minui".– In deutscher Übersetzung bedeutet dies: Christus muss wachsen, ich muss mich zurücknehmen, ich muss kleiner werden."
Das missionarische Hinzeigen auf Jesus Christus ist ein unverzichtbares Element jeder christlichen Spiritualität und so auch der Spiritualität des Malteserordens. Ein weiteres Element solcher Spiritualität kommt im Johanneswort "ich muss kleiner werden" zum Ausdruck.
Dieses Sich-Zurücknehmen hat zwei Dimensionen: Die eine bezieht sich auf das Verhalten des Christen zu Gott. Die zweite auf das Verhalten gegenüber Menschen in Not. Jedes Mal, wenn wir unsere Knie beugen - beim Betreten einer Kirche, in der die heilige Eucharistie im Tabernakel aufbewahrt wird, während der Feier der Liturgie oder im privaten Gebet - vollziehen wir in Symbolen dieses Wort des Täufers. Wir machen uns kleiner, damit Christus wachsen kann - in unseren Herzen und in unserer Welt. Sich vor Gott niederzuknien, seine Größe und Heiligkeit in Ehrfurcht anerkennen läutert uns zu dem, was wir wirklich sind. Dieses Knien ist nicht das Sich-Beugen eines Versklavten, sondern Ausdruck menschlicher Reife. "Nur reife Ähren neigen sich", sagt der Volksmund.
Außer dem anbetenden Knien vor Gott kennt der Christ noch ein anderes Knien. Jesus Christus selbst, der Sohn Gottes, hat es uns vorgelebt. Er, der Meister und Herr, hat sich klein gemacht, um seinen Jüngern die Füße zu waschen, und er hat ihnen und uns aufgetragen, seinem Beispiel zu folgen. "Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben." (Joh 13,34) Seither haben unzählige Christen sich immer wieder klein gemacht, um ihren Mitmenschen, vor allem den Kranken und Gedemütigten, in Liebe zu dienen. In diesem Sinn sprach der selige Gerhard, der im Hospiz des hl. Johannes in Jerusalem den Anfang des Malteserordens gesetzt hat, von den Kranken als "unseren Herren". Sein Leitsatz "Unseren Herren, den Kranken dienen" ist bis heute im Malteserorden gültig und trägt reiche und vielfältige Frucht.
Verehrte Mitglieder unseres Souveränen Malteser-Ritter-Ordens, ich danke Ihnen an diesem Festtag für Ihre Treue zum christlichen Glauben und Ihre Zuwendung zu Menschen in Not, und ich bitte Sie, besonders auch die Damen und Herren, die heute in unsere Gemeinschaft aufgenommen werden, konsequent dazu beizutragen, dass das anbetende Knien vor Gott und das helfende Knien vor den Leidenden für immer mehr Christen ein Beispiel wird, das überzeugt und zur Nachahmung führt. Auf die Fürsprache der Gottesmutter Maria, des hl. Johannes des Täufers und des seligen Gerhard segne der Dreifaltige Gott ihren Dienst Amen.

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