Malteser Kreuz

Pilgerfahrt nach Rom zur Seligsprechung von Ladislaus Fürst Batthyány-Strattmann

Rom zu besuchen ist an sich schon eine Gnade und eine große Freude. Jedoch, Seligsprechungen in Rom zu erleben, ist ein so einmaliges und tief ergreifendes Geschehen, dass jede Erinnerung daran eine Welle der Dankbarkeit und des Glücksgefühls erweckt. Ja, fromme Menschen, die als „selige Seelen“ aus der Himmelsschar der "Auserwählten" für würdig erachtet angerufen zu werden, gibt es so selten wie Perlen in Austernschalen ...

Wir sind am Freitag, dem 21. März, um 6 Uhr früh in Wien gestartet. Der MHDA-Bereich Burgenland unter Heinrich Mensdorff-Pouillys und Gunhard Keils Betreuung hatte diese außerordentliche Pilgerfahrt gemeinsam mit Giovanna Batthyány für eine Gruppe von Behinderten sowie für mehrere Verwandte des Seligsprechungs-Kandidaten organisiert. Der große Bus füllte sich nach und nach am Weg über Burgenland, an Graz vorbei, Richtung Süden.

romreise_1

Zeit für eine gemütliche Jause.

Im Bus herrschte zuerst große Stille, da die Nacht für alle sehr kurz ausgefallen war. Wegen mehrerer Wochenend-Staus ab Venedig verzögerte sich die Fahrt empfindlich. So kamen wir erst nach 18 Stunden Busfahrt ziemlich erschöpft, knapp vor Mitternacht, im Pilgerhaus "Casa San Pio V - don Calabria" in Rom an.

Der Samstag war zuerst einer Rundfahrt per Bus, mit Führung durch die Ewige Stadt, gewidmet. Nach einem kleinen, lustigen Imbiß, mit typischen, italienischen Köstlichkeiten, folgte ein beeindruckender Besuch der Terme di Caracalla.

Vor 17 Uhr trafen wir dann in der wunderschönen Kirche Santa Maria Maggiore ein, um die feierliche Heilige Messe mit hohen kirchlichen Würdenträgern und mit den ungarischen und österreichischen Pilgergruppen zu feiern. Es zelebrierten für Österreich S. Eminenz Kardinal Christoph Schönborn mit S. Exz. dem Diözesanbischof von Eisenstadt, Paul Iby, und für Ungarn Kardinal László Paskai mit dem Diözesanbischof von Szombathely, István Konkoly.

Der große Chorraum um den prachtvollen Altar war vollbesetzt mit Priestern, unter welchen die Magyaren mit den so schön bestickten, typisch ungarischen Gewändern besonders auffielen. Prachtvolle Meßgesänge, abwechselnd auf Ungarisch und auf Deutsch, begleiteten die Meßfeier. Ein eigens komponierter Lebenslauf von Fürst Ladislaus Batthány-Strattmann, wurde eingangs zur Andacht, sowohl instrumental als auch in Prosa, vorgetragen.

romreise_3

Die österreichischen Pilger vor dem Petersdom.

Obwohl noch sehr kühl in aller früh, jedoch mit strahlender Frühjahrssonne, war dann der bedeutendste Tag der Pilgerfahrt - Sonntag, der 23. März 2003 - angebrochen. Schon um 8 Uhr wurden wir am Petersplatz in die reservierten Plätze eingewiesen. Dank der großen Hilfe der Malteser-Betreuer, die mich auf Grund meines Gesundheitszustandes im Rollstuhl überallhin geführt haben, hatte ich die einmalige Chance, in der ersten Reihe am Fuß des Podiums, zusammen mit österreichischen und ungarischen Behinderten, die Heilige Messe und die Seligsprechungen durch den Heiligen Vater, zu erleben. Zu Ehre der Altäre wurden an diesem Tag erhoben : Pierre Bonhomme (Abbé - Frankreich), María Dolores Rodríguez Sopeña (Spanien), María Caridad Brader (Schweiz), Juana María Condesa Lluch (Spanien), László Batthány-Strattmann (Ungarn).

Bei der jeweiligen päpstlichen Seligsprechung brach am Petersplatz donnernder Applaus aus, besonders da jedesmal die bis dahin verhüllte, gemalte Abbildung des betreffenden Gehuldigten in Großformat zum Vorschein kam.

Der tiefe Sinn dieser Pilgerfahrt hat uns alle erfaßt und voller Emotion konnten wir nachher nur sagen: "Es war einmalig!" - ein Stückchen Paradies ...

Der Nachmittag endete mit einer Fahrt nach Ostia, wo wir die untergehende Sonne auf das silbrig-glitzernde Mittelmeer bewundern und genießen konnten.

Am späten Montagmorgen, ausgeruht von den Ermüdungen des Vortages, fuhren wir zum Petersdom. Es war eine große Freude, mit einem kundigen, deutschsprachigen Fremdenführer das fast leere Prachtgebäude zu bewundern. Besonders beeindruckend war der Glassarkophag, worin Papst Johannes XXIII, der unversehrt vorgefunden wurde, aufgebahrt ist, so dass er dort verehrt werden kann.

Von der Vatikanstadt ausgehend, entlang der Engelsburg - über die römischen Katzenköpfe rumpelnd - schoben die tapferen Malteser die Rollstühle zur Piazza Navona, wo fast eine ganze Restaurant-Terrasse auf uns wartete!

Nach Bestaunen der riesigen Kuppel des Pantheons und Einwerfen der Glücksmünze in die Fontana di Trevi war es Zeit, zur Kirche Sant' Ignazio (Jesuitenkirche) zu fahren. Die Heilige Messe, gelesen von Kardinal Schönborn, co-zelebriert von Bischof Iby, war dem neuen Seligen Ladislaus von der burgenländischen Diözesangemeinde gewidmet. Der Güssinger Chor umrahmte musikalisch den schönen Gottesdienst auf Deutsch und auf Kroatisch, ebenfalls mit einer "Ave Maria"-Komposition von Ödön Batthyány. Der Kardinal betonte eindringlich den zur Heiligkeit stets strebenden Lebenswandel vom "Arzt der Armen".

Eine große Anzahl der Verwandten des Seligen Ladislaus waren aus der ganzen Welt gekommen, um in Rom zugegen zu sein. Der jetzige Fürst Ladislaus Batthyány-Strattmann, Enkel des "Arztes der Armen", hat bei den Feierlichkeiten mit seiner Familie würdigst mitgewirkt, um seinen großen Vorfahren zu ehren. Die Reliquien des Seligen sowie eine große Gabe in der Form einer medizinischen Ausrüstung für Spitäler der Dritten Welt, wurden dem Heiligen Vater durch nahe Familienmitglieder übergeben.

Die Seligsprechung war ein großes, erhabenes Fest, sowohl für die zahlreichen Burgenländer - besonders aus Güssing - mit ihrem Diözesanbischof Iby, als auch für Tausende Ungarn. Diese waren mit vielen Priestern und ihrem Kardinal Paskai, angereist und haben, unter Schwingen eines Meeres von rot-weiss-grünen Fähnchen, am Petersplatz ihrer Freude freien Lauf gelassen.

Vor vielen Jahren bereits konnte ich, anläßlich des jährlichen Sommerlagers, die aufopfernde Betreuung der Behinderten durch den Malteser Hospitaldienst bewundern. Diesmal wurde ich selbst liebevoll betreut! Meine Dankbarkeit für diese jungen Menschen, die als Beispiel der christlichen Nächstenliebe, ihre Zeit und Kraft opfern, ist nicht in Worte zu fassen. Ein großes Lob gebührt den Organisatoren sowie den jungen Maltesern und Malteserinnen, die an dieser Pilgerfahrt teilgenommen haben, für deren tatkräftige, geduldige und mit guter Laune verrichtete Hilfe! Vergelt's Gott !

  •  Micheline Zichy

Seite ausdrucken: einfach hier klicken!

 

Letztes Update dieser Seite: Dienstag, 5. August 2003 um 16:42:53 Uhr
© 2012 - Malteser Kreuz