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"Bike for Help": Für Leprakranke auf 9300 km-Radtour
Eine abenteuerliche 9300 Kilometer lange Radtour von Indien in die Schweiz wagte der 25jährige Christoph von Toggenburg, um Geld für Leprakranke zu sammeln. Bei einem Benefizabend der Salzburger Malteser und der "Salzburger Nachrichten" am 23. November 2002 ließen sich über 240 Zuhörer in einer Multi-Media-Show von diesem außergewöhnlichen Engagement eines Einzelnen fesseln. Aber das Ziel des Abends ging noch darüber hinaus, Mitgefühl und Spendengelder (5280 Euro!) für Leprakranke zu sammeln: Nach dem eindrucksvollen Reisebericht Christoph von Toggenburgs informierten im zweiten Teil des Abends unter der Devise "Like to help?" Vertreter internationaler Hilfsorganisationen ("ECOM" des Souveränen Malteser-Ritter-Ordens, das Hilfswerk von P. Georg Sporschill S.J., Schwestern der Mutter Theresa, das Auslandsreferat der Caritas und "Ärzte ohne Grenzen") an Informationsständen das Großteils jugendliche Publikum über Möglichkeiten der Mitarbeit.

Christoph von Toggenburg mit seinem "Velo" und den Organisatoren des Abends Astrid Aufschnaiter und Oktavian Eiselsberg
Als Lepra-Arzt Dr. Jeyabalan (im Leprosarium Peikulam in Südindien) sich bei mir verabschiedete, sagte er: "Deine Mission wird Menschen ein Beispiel sein, an sich zu glauben und sich aufzuraffen, den Ärmsten zu helfen." In diesem Glauben hatte ich "Bike for Help" ins Leben gerufen. Was mit einer Idee begann, wuchs bald zu einem internationalen Spendenprojekt heran, welches Grenzen überschritt und Herzen auf der ganzen Welt berührte.
Eigentlich war mein ‘Trick’ ganz einfach: Radeln, um zu helfen. Und der Schlüssel zum Erfolg: Kommunikation. Die Belohnung dieser Mühen waren mehr als 80.000 Euro Spendengeld, aus 13 Ländern. Das Geld kommt CIOMAL, dem Lepra Hilfswerk des Souveränen MalteserRitter-Ordens, sowie der Gerhard Fischer Stiftung zu Gute. Beide leisten Außergewöhnliches im Kampf gegen die ‘älteste’ Krankheit der Welt. Sie trifft meist die Ärmsten. Diesen Menschen fehlen die Mittel zur Selbsthilfe. Meist stirbt der Lepröse qualvoll und einsam einen seelischen, wie auch körperlichen Tod. Glücklicherweise ist Lepra heutzutage heilbar. Im frühen Stadium medikamentös behandelt, kann man das ‘zerstörerisches Werk’ dieser Krankheit stoppen. Leider kommen die Erkrankten erst spät in ein Zentrum und so bleiben sie ihr Leben lang visuell gezeichnet. Die Folge ist die Ausgrenzung.
Wie aber wollte ich Menschen helfen, deren Probleme ich nicht kannte?“ So beschloß ich, als Teil meiner Mission, zwei Monate mit Leprakranken zu verbringen. Ich roch das verrottete Fleisch, sah die tiefen Wunden und erfuhr das unendliche Leid der Menschen hautnah. Ich sah nicht weg, sondern ging auf sie zu, berührte sie. Besonders bewegend war die Begegnung mit Ei Hurn im Lepraspital der Malteser in Phnom Penh. Sie nahm meine Hand in die ihre (ohne Finger) und sagte: "Lepra hat mein Leben zerstört. Man hat mich aus der Dorfgemeinschaft verstoßen, meine Familie hat mich verlassen, und mein Mann hat eine andere Frau gefunden. Ich bin traurig und deprimiert... Aber daß du den ganzen Weg aus der Schweiz auf dich nimmst, um mir zu helfen, gibt mir das Gefühl, wichtig zu sein."
Ich hielt mein Versprechen: "Radeln, um zu helfen." Am 4. Jänner 2002 bestieg ich meinen schwer beladenen ‘Drahtesel’ in Delhi und begrüßte mein neues Heim: die Straße. Vor mir lag eine schwierige Route.In Afghanistan wütete nach wie vor der Krieg und zu allem Übel entbrannte eine Krise zwischen Indien und Pakistan. Leider verschlimmerte sich die Lage zunehmend, da am 13. Dezember ein Anschlag auf das indische Parlament verübt worden war. Indien machte pakistanische Terroristen dafür verantwortlich.
Mein Ziel und meine Entschlossenheit waren ungebrochen. Ich radelte auf Pakistan zu, direkt in die 'Höhle des Löwen'. Obwohl die Grenze geschlossen war und es zu täglichen Gefechten kam, räumten beide Regierungen mir Sondergenehmigungen ein, die Grenze queren zu dürfen. So erreichte ich Pakistan und wurde sogleich zu einem offiziellen Gast der Regierung ernannt. Prompt erhielt ich eine Polizei- und Militäreskorte. Weiter führte die Wegstrecke durch die wilden Stammesgebiete Beluchistans. Unter Tags führte mich der Weg durch wilde Täler, an Abgründen entlang, durch endlose Einöden und zauberhafte Felsformationen. Die Nächte verbrachte ich in Lehmhütten, Militärfestungen oder bei den Nomaden. Ich war ihr Gast und ihre Gastfreundschaft war beschämend großzügig. Je weiter ich fuhr, desto näher kam ich dem Krieg in Afghanistan. Manchmal konnte ich die amerikanischen B-52 Bomber über mir sehen und afghanische Flüchtlingslager häuften sich.
Seitdem ich Delhi verlassen hatte, war ich kaum anderen ‘Ausländern’ begegnet. Die Kommunikation beschränkte sich auf das Satellitenhandy und die Navigation erfolgte mittels GPS. Den nötigen Strom gab es aus der aufgeschnallten Solarzelle. So fuhr ich mehr als 1000 km durch das wilde Beluchistan, bei Temperaturen zwischen plus 30 und minus 20 Grad. Dazu kam der aussichtslose Kampf gegen mörderische Winde und Sandstürme. Bei Windgeschwindigkeiten von bis zu 60 km/h kam ich an meine psychischen und physischen Grenzen. Jedoch war mein größter Feind die Einsamkeit, die oft schwerer auf mir lastete, als die 55kg Gepäck auf dem Rad. Trotz allem durfte ich mir keine Schwächen erlauben. Das hätte meinen Tod bedeuten können.
Als ich am 15. Juni im Toggenburg in der Schweiz einradelte, hatte ich 9300 km während 162 Tagen zurückgelegt. Ich hatte es geschafft, für die Leprakranken und mich. Die Spenden waren verdient und ich hatte bewiesen, dass ein Einzelner viel bewirken kann. Das Geheimnis war der Glaube an das Ziel und die gute Sache.
Spendenkonto "Bike for help": Hypo Bludenz 133 360 870 11

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