Malteser Kreuz

Interview mit Karl-Ernst Blanckenstein

Was hat Sie veranlaßt, diese Aufgabe zu übernehmen?
Als Ordensmitglied sehe ich es als selbstverständliche Verpflichtung an, sich im Sinne des einmal gegebenen Versprechens zu engagieren. Bei meiner Rückkehr nach Wien als Pensionist, habe ich mich beim Großprior gemeldet und ahnte nicht, daß er mir nacheinander drei Aufgaben stellen wird. Gerne habe ich zugesagt, wobei vielleicht etwas schlechtes Gewissen nachgeholfen hat, da ich in der "Diaspora" nichts für den Orden tun konnte.

Wenn Sie nach Ihrem ersten Jahr Bilanz ziehen, was hat Sie am meisten beeindruckt?
Es sind drei Dinge : Zunächst das Engagement junger Menschen, die ihre Freizeit einer Idee verschreiben und nicht den unzähligen, oft banalen Vergnügungangeboten  frönen. Dann die Begeisterung, mit welcher die Pflege und Hilfe für den "Nächsten" professionell erlernt und betrieben wird. Und schließlich die klare Ausrichtung in Sachen Religion und damit ein praktiziertes Bekenntnis.

kommandant_1

Der Kommandant mit dem Generalgruppeninspektor
Gen. Horst Pleiner und ECOM-Generalsekretär Ingo Radtke.

Wo sehen Sie den Schwerpunkt der Aufgaben des MHDA als größtem Hilfswerk des Souveränen Malteser-Ritter-Ordens in Österreich?
Den Schwerpunkt sehe ich wie bei einer Medaille nach zwei Seiten: In Richtung Betreuten, Kranken, Nächsten die konsequente Aus- und  Weiterbildung der MHDA-Mitglieder  -  Ausweitung der Pflegedienste wie im Haus Malta, Umsetzung des neuen Sanitätergesetzes, Vorbereitung auf ev. Katastrophenfälle. Nach Innen muß der harte Kern von ca. 300 aktiven Mitgliedern in seiner vorbildlich guten Zusammenarbeit bestärkt und gefördert werden. Neue Mitglieder zu gewinnen ist eine Aufgabe, an der alle mithelfen können.

Ist die rein ehrenamtliche Struktur des MHDA noch zeitgemäß?
Wir sind im dritten Jahrtausend, alles ist schneller, komplizierter und reglementierter geworden und nicht selten stoßen wir an Grenzen, die einer ehrenamtlichen Tätigkeit totalen Einsatz abverlangt. Für die Zukunft ist zu überlegen, ob bestimmte administrative Schlüsselpositionen hauptamtlich zu besetzen sind, damit sich Ehrenamtliche auf ihre eigentlichen Aufgaben im Dienst am Nächsten konzentrieren können. Gutes Beispiel ist die Buchhaltung, die jetzt schon hauptamtlich besetzt ist, aber die Auflagen aus dem neuen Sanitätergesetz oder dem Arzneimittelgesetz weisen auch in andere Richtungen. Grundsätzlich soll aber die Ehrenamtlichkeit im MHDA erhalten bleiben.

kommandant_2

Karl-Ernst Planckenstein.

Wie professionell kann eine ehrenamtliche Orgnaisation sein?
In der Professionalität sehe ich kein Problem. Im Gegenteil - jemand, der sich freiwillig engagiert, hat meiner Meinung nach einen hochgesteckten Anreiz seine Sache gut zu machen. Probleme ergeben sich vielmehr aus der immer kürzer werdenden Verfügbarkeit - die Studien werden schneller beendet, die Stellensuche ist schwieriger, Leistungsdruck im Beruf, Mobilität etc.. Die Probleme sind also organisatorisch und zeitbedingt.

Welche Entwicklungsmöglichkeiten sehen Sie für den MHDA während Ihrer Amtszeit?
Ein vielleicht sehr hochgestecktes Ziel ist die Kompetenzen und Aktivitäten für Pflege-,  Sanitäts- und Katastrophendienste gleichmäßig in allen Bereichen landesweit zu schaffen. In manchen Gebieten, wie z.B. in Kärnten ist es schon von der Infrastruktur und der erreichbaren Mitglieder schwierig. Dort,  wo es sinnvoll und möglich ist, werden wir Initiativen ergreifen.

Wie ist die Kooperation mit den anderen Hilfswerken des Ordens?
Die Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung ist eigentlich selbstverständlich - bei allem Vorrang, der in der eigenen Sache geboten ist. Mit großer Freude sehe ich, daß die Pflegedienste im Haus Malta - ich fühle mich als Kurator dort auch mitverantwortlich -  mit Erfolg eingeführt sind. Für das Haus Malta eine wertvolle Hilfe und für den MHDA eine Chance Erfahrung in der Pflege zu sammeln.

Welche Ziele haben Sie in der Kooperation mit anderen Organisationen, wie etwa dem Roten Kreuz oder den Johannitern?
Die Beziehungen der vier großen Organisationen untereinander haben sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt. Resultat ist, daß Großeinsätze gemeinsam unter einer Gesamteinsatzleitung erfolgen, der Krankentransportwagen „ Vier für Wien“ installiert wurde, und mit den Johannitern besteht ohnehin schon seit langem eine enge Zusammenarbeit. Es bleibt also als Ziel diese Kontakte weiter auszubauen und landesweit auf den gleichen Stand zu bringen,  was infolge der unterschiedlichen Aktivitäten noch nicht gegeben ist.

Was ist Ihre Botschaft an die jungen Mitglieder des MHDA?
Es ist vor allem ein großes „Dankeschön“, daß sie sich für die Sache der Malteser engagieren. Gleichzeitig gratuliere ich jedem Einzelnen zu seinem Entschluß. Abgesehen von dem so wertvollen Dienst am Nächsten, wird jeder erst viel später im Leben erkennen, was die Zeit mit den Maltesern für seine persönliche Entwicklung menschlich, sozial, aber auch in vielerlei fachlicher Hinsicht bewirkt hat.

Wie kann man als mittlerweile nicht mehr im Berufsleben stehender ehemaliger Manager seine Erfahrungen in eine derartige Organisation einbringen?
Eigentlich ist fast alles, was man im Leben gelernt und als Erfahrung gesammelt hat, in einer Organisation, wie dem Hospitaldienst, anwendbar. Die Abläufe sind ja überall ähnlich. Eines ist sicher : Management und Personalführung ist in jedem "Betrieb" für den Erfolg ausschlaggebend. Das ist ja gerade die große Chance für jedes Mitglied des MHDA, sich diese Fähigkeiten anzueignen, egal in welcher Funktion oder Ebene es sich bewegt.  Wenn man 36 Jahre Auslandserfahrung hat, sieht man die Dinge etwas abgeklärter, muß auch kompromissfähig sein und ausgleichen,  aber wenn nötig auch durchgreifen.

Was brauchen Sie an Unterstützung?
Die Unterstützung ist ausgezeichnet, vor allem schätze ich uneingeschränkte, vertrauensvolle Zusammenarbeit nicht nur im Kommando, sondern ganz generell. Was ich mir wünsche ist öfter und regelmäßig zusammen zu kommen, ohne Zeit- und Termindruck. In viele Details bin ich auch nach einem Jahr noch nicht vorgedrungen und da brauche ich Nachsicht und Unterstützung.

Ihre Einschätzung der Zukunft?
Nachdem der "Bedarf" für Hilfe am Nächsten immer mehr zunimmt und die Allgemeinheit - sprich der Staat - auch rein ökonomisch immer mehr auf das Ehrenamt angewiesen sein wird, haben wir als Malteser große Aufgaben vor uns. Das "Jahr der Freiwilligen" hat viele für uns nützliche Überlegungen in einem Manifest zusammengefasst, deren Umsetzung unsere Arbeit erleichtern würde. Für die Zukunft bin ich optimistisch, da die bisher geschaffene, solide Basis im MHDA aus einer Kombination von Spiritualität, Dienst am Nächsten und professionellen Abläufen aufgebaut ist. Dieses Werk fort zu führen, zu festigen und wo nötig zu verbessern ist die kommende Aufgabe.

Seite ausdrucken: einfach hier klicken!

 

Letztes Update dieser Seite: Dienstag, 17. Juni 2003 um 14:01:12 Uhr
© 2012 - Malteser Kreuz