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Lieblose "Love Parade 2002" - Einsatz im Auftrag der Gemeinde
Die "Lage" war gemäß "Durchführungsbefehl - Gesamteinsatz Sanitätsdienst" für das Wr. Rote Kreuz, die MA 70, die Wiener Rettung, den Arbeiter Samariter Dienst, die Johanniter und den Malteser Hopitaldienst einfach und komplex zugleich: "Am 6. Juli 2002 im Zeitraum zwischen 14.00 und 22.30 Uhr findet in Wien im Bereich der Lassallestraße - Reichsbrücke -Wagramer Straße die Love Parade 2002 statt".
Das Geschehen vor Ort: Schrille Outfits der zumeist jugendlichen Randgruppen, rollende Diskoteken, montiert auf Groß-LKWs, dröhnender Technobeat. Das waren auch heuer die Zutaten der Wiener `Love-Parade', die unter dem Motto: "Liebe, Toleranz, Völkerverständigung" - lieblos, doch friedvoll - abrollte. Zehntausende Akteure waren gekommen, die Veranstalter sprachen sogar von rund 250.000.

Malteser in ungewohnter Umgebung: Ambulanz im Auftrag der Gemeinde Wien.
Emsige Wr. Speditionen hatten wieder ihre größten Lastwagen zur Verfügung gestellt. Tänzer mit unentbehrlichen Gummimasken, dezenten Ledercorsagen, chicen Glitzeranzügen und bärigen Fellen, Hunderte bemalte Körper. Wildes, gliederzuckendes Hip-Hop bei rund 32 Grad im nicht vorhandenen Schatten.
350 Mann und ein Befehl
Die erwartete medizinische Gefahrenlage der Planer des Sanitätseinsatzes las sich wie ein Horrorfilm: "Internistisch: Kreislaufkollaps, Flüssigkeitsmangel durch Hitze, Drogenkonsum (Rund 25-30 % der TeilnehmerInnen nehmen psychoaktive Substanzen!), Alkohol (wird lt. Organisatoren nicht verkauft - was nebstbei nicht stimmte). Verletzungen: Stürze auf die Straße, auch von Laternen entlang der Parade, Stürze von Bäumen, Messerstiche, Raufhandel usw. Psychiatrische Notfälle: auf Basis von Drogenmissbrauch". Somit war auch der Einsatzleiter der Malteser, Dr. Stephan Fuhrmann sowie sein Stellvertreter Dkfm. Pius Aretin, mit Nachdruck gewarnt.
Stephan Fuhrmann: "Von den rund 350 Sanitätern aller beteiligten Organisationen standen immerhin 87 Malteser, darunter gut ein Drittel Altmitglieder, bei dieser Großveranstaltung im Auftrag der Gemeinde Wien im Einsatz. Die reibungslose Zusammenarbeit mit anderen Hilfsorganisationen in einem Großeinsatz war für uns ein wichtiger Aspekt. Für uns war es ein Bundeseinsatz mit großer Unterstützung der Bereiche Innsbruck, Salzburg und Graz. Alle unsere Einsatzkräfte hatten an diesem Tag Hochsaison: 120 Patienten wurden vom Sanitätspersonal im Feldeinsatz direkt betreut, 45 Patienten kamen zu uns auf die SanHist (=die Sanitätshilfsstelle, die Red.) 7 schwerere Fälle mussten ins Spital gebracht werden."
Elf Personen sprangen aus Übermut und Hitzestau von der Reichsbrücke in die Donau und wurden von der Wasserrettung aus dem Fluten gefischt. Somit waren 17 Malteser-Fahrzeuge aus den genannten Bereichen und drei Anhänger im Dauereinsatz.
Von den 87 Maltesern im Einsatz waren 5 dem Stab der Gesamt-Einsatzleitung zugeteilt, 13 im internen adminstrativen Stab, der Rest im Feldeinsatz.
Getanzt und marschiert wurde in Affenhitze und Rauchschwaden bis in die späten Abendstunden, dann übernahmen die Reinigungsbrigarden der MA 48 das Kommando: Rund 100 Kubikmeter Müll wurden von den Straßen entfernt. Die Sanitäter konnten ihre EH-Rucksäcke wieder verstauen und rechtschaffen müde abrücken.

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