Malteser Kreuz

Bericht von der Malteser-Lourdes-Pilgerfahrt 2002

Vieles ist in Lourdes altbekannt, wenn man, wie ich mittlerweile schon das fünfte Mal dabei ist.
Als "alten Hasen" will ich mich nicht bezeichnen, das wäre wohl eine Beleidigung für all jene die seit 25 Jahren oder länger ihre Kreuze auf den Pilgermedaillen sammeln. Ein klein wenig Lourdes Erfahrung hab ich aber dennoch. So sind die meisten Abläufe inzwischen wohlbekannt.

Lourdes_kuss

Lourdes-Stimmung 2002 - Die Pilgerfahrt vereint
Betreuer und Betreute.

Das Einladen des Zuges kenne ich aus Wien, wo es zwar mit viel Arbeit verbunden ist, man aber miterleben kann wie sich der Zug langsam füllt und es bei jedem Halt Begrüßungen, Umarmungen und Wiedersehensfreude gibt. Auch das eine oder andere leicht verschreckte Gesicht findet sich unter den Zugestiegenen. Es gibt immer noch einige, die das erste Mal mit dabei sind und sich mit den Ritualen und Gepflogenheiten der Pilgerfahrt erst vertraut machen müssen. Ich erinnere mich noch gut daran, wie es mir bei der ersten Fahrt ergangen ist: Man kommt als "Neuling" in eine relativ eingeschworene Gemeinschaft.

In Innsbruck einzusteigen hat den großen Vorteil, dass die meiste Arbeit schon getan ist, und man selbst noch recht frisch und ausgeruht. Der Nachteil ist, dass es lange dauert, bis die Begrüßung abgeschlossen ist. Noch Stunden später findet man einen alten Bekannten, sei es nun Patient oder Malteser, den man noch immer nicht begrüßt hat. Dass die Tiroler dann immer den ersten Nacht-Dienst machen ist ein Gerücht, dass sich in den letzten Jahren nur 2-3 mal bestätigt hat. Heuer waren wir 2 Tiroler, verstärkt von der Steiermark und Wien. Der Nachtdienst im Zug - auch ein Vorteil - ist die beste Einstimmung auf die bevorstehende Woche.

Lourdes_Rollstuhl

Sonne - ganz anders als in anderen Jahren
Begleiter in Lourdes 2002.

In Lourdes gibt es mehr oder weniger immer die gleichen Abläufe. Nervige Broncchardiers, die einem den Patienten aus der Hand reißen, obwohl man ihnen klar zu machen versucht, dass der Rollstuhl zerfällt, wenn man ihn an der Armlehne hochhebt. Verwirrte Bus- und Taxifahrer, die angesichts der Menschenmassen aus Österreich in Verzweiflung geraten, weil wir nicht so wollen wie sie, sondern wie unsere Behinderten Freunde.

Und dann endlich: das Accueil. Ein gutes Haus seit vielen Jahren, wenn gleich die Österreicher dieses Jahr auf zwei Stockwerke aufgeteilt sind. Nicht unbedingt ein Nachteil, wie man mir versichert, von der fehlenden Nachtdienstverpflegung für die "Exilanten" einmal abgesehen.

Lourdes_Wendendenburg

Vergnügliches darf auch in Lourdes nicht fehlen.

Beim "Geistlichen" hatte ich in diesem Jahr Pech. Messen hab ich wegen dem Nachtdienst halb verschlafen oder beim Ein- und Ausladen helfend verbracht, bzw. bei meinem zu Betreuenden, dem während der Wandlung schlecht geworden ist. Die Lichterprozession durfte ich, gemeinsam mit Freunden von Accueil-Fenster aus beobachten. Mein behinderter Freund hatte eine Magenverstimmung. Dabei wäre er bei der Lichterprozession so gerne dabei gewesen. Dafür sind wir dann gemeinsam lange vor der Grotte gesessen und haben gebetet. Anschließend sind wir noch betend durch die Grotte gegangen und haben die Felsen berührt. Das ist "Auftanken für die Seele" in Reinkultur. Auch gemeinsam das Wasser der Quelle zu trinken ist ein berauschendes Erlebnis.

Lourdes_laden

Die "Einkaufstour" darf auch heuer nicht fehlen.

Natürlich muss das eine oder andere Souvenier für die Lieben Daheim gekauft werden. In einer großen Gruppe ziehen wir durch die Läden, die in ihrer Buntheit an Disneyland erinnern. Jeder findet etwas und ich kann sogar ein Versprechen einlösen: Eine Malteserin, die maßgeblich an der Organisation in Tirol beteiligt war, konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht mit und ich hab versprochen ihr etwas besonders "Schönes" mitzubringen.

Der heurige Lourdesaufenthalt war eigentlich zu kurz. Da sind sich eigentlich alle sicher. Obwohl es für die Berufstätigen ganz gut ist, einen zusätzlichen freien Tag zum Ausrasten zu haben, so stimmt die nahende Heimreise doch traurig. Gerade haben sich Malteser und Betreute aneinander gewöhnt. Sind die kleinen "Extras" die der eine oder andere braucht zur Routine geworden und schon geht es heimwärts.
Die Schweizer bereiten uns in Buchs einen herzlichen Empfang, der später sogar in der Zeitung steht. Die Küche versorgt uns wie immer mit Spezialitäten, übrigens wieder ein Nachteil wenn man in Innsbruck wohnt. Vom - wenn man Goofy glauben kann- besten Tafelspitz der Welt hab ich mir nur mehr ein ganz kleines Stück stibitzen können, und schon hieß es für die Tiroler wieder auszusteigen.

  •  Stefan Reisigl

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Letztes Update dieser Seite: Dienstag, 17. Juni 2003 um 13:19:06 Uhr
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