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Lourdes 2003 - "Ein Volk aus allen Nationen"
"Ich sah eine große Schar, die keiner zählen konnte, eine Menge aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen." (Offenbarung 7, 9)
In der Serie "Die großen Zeichen von Lourdes" sind, nach dem Wasser, heuer die Pilger aus aller Herren Länder selbst an der Reihe. Das Jahr 2002 war gekennzeichnet von der Errichtung der Brunnen gegenüber der Grotte, damit sich die Pilger, getreu der Weisung der Dame, am Brunnen waschen. Dieses Jahr werden wir durch das Pastoralthema hauptsächlich eingeladen, einander bewußt zu begegnen. Tatsächlich gibt es wenige Orte, an denen Gläubige aus derart vielen Staaten und Völkern zusammentreffen. Wer zählt die Völker, nennt die Namen all derer, die sich am Sonntag in der unterirdischen Basilika Pius X. versammeln, um gemeinsam Eucharistie zu feiern?

Im Mittelpunkt der Pilgerfahrt steht die Eucharistie
Was soll dieses Thema gerade heuer bewirken, wo wir doch jedes Jahr in Lourdes viele Menschen aus aller Herren Länder begegnen - aber vielleicht ohne von einander Notiz zu nehmen, mehr oder minder achtlos aneinander vorüberhasten, um "die besseren Plätze" beim Gottesdienst zu belegen? Wer ist es, der da plötzlich neben mir in der Kirche sitzt oder steht, wem habe ich da die Hand zum Friedensgruß gegeben? Kann ich in diesem babylonischen Sprachengewirr überhaupt jemandem begegnen?
Wir sind Lourdes schon so gewohnt, daß wir gar nicht mehr zur Kenntnis nehmen, daß wir Gläubigen ein Volk sind: das Volk Israel des Neuen Bundes. Dann stehen um mich eben keine Briten, Italiener, Franzosen, Spanier, Schweizer, Iren, Amerikaner, Deutsche oder Ungarn - wir sind ein Volk. So wollen wir uns diesmal darauf konzentrieren, daß der Herr uns gleich geworden ist, daß Er unter uns weilt und daß Er uns gelehrt hat, gemeinsam mit Ihm zu Gott "Vater" zu sagen.

Ein eher seltenes Ereignis: strahlende Sonne während der Malteser Pilgerfahrt 2002 - Malteser im Kreis ihrer Schützlinge
Gerade in Zeiten, in denen es doch immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen kommt, müssen wir uns vor Augen halten, daß Kriege keineswegs Probleme lösen, sondern meist neue schaffen und am besten dadurch vermieden werden, daß wir uns auf das konzentrieren, was uns vereint, was wir gemeinsam haben - und nicht auf das, was uns trennt, worin wir uns unterscheiden.

Strahlende Gesichter trotz des anstrengenden Programms
Die Pilgerfahrten des Malteser Ordens nach Lourdes haben in einem Europa begonnen, das in Trümmern lag. Die Wunden des Zweiten Weltkrieges waren noch nicht geschlossen. Damals hat der Bischof von Tarbes unserem Ordensbruder Philipp Frh. von Boeselager den Auftrag mitgegeben, die Malteser mögen an diesen Ort kommen, um für den Frieden zu beten. Dieser Auftrag ist aktuell wie nie!
Ob der Krieg noch immer droht, schon begonnen hat oder vorbei ist, wenn Sie diese Zeilen lesen, kann ich nicht sagen. Was auch immer der Fall sein wird, vom 9. bis zum 14. Mai fahren wir wieder, begleiten Sie uns, beten Sie mit uns um den Frieden!
"Ihr alle seid einer in Christus" (Gal. 3, 28)
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Gottfried Kühnelt-Leddihn

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